Sellerie
Typ I-Nahrungsmittelallergen
Apium graveolens, Fam.: Umbelliferae/Apiaceae/Doldenblütler
Vorkommen
Der bereits in Ägypten zu kultischen Zwecken genutzte Sellerie wurde später im Mittelmeerraum kultiviert und gelangte im frühen Mittelalter nach Mitteleuropa. Heute ist der Sellerie in Europa, Südwestasien, Sibirien und in Nordafrika verbreitet. Sellerie gibt es in zahlreichen Sorten mit unterschiedlicher Verwendung: Schnittsellerie (Suppengrün), Bleich- oder Staudensellerie (Salat, Gemüse), Knollen- oder Wurzelsellerie (Salat, Gemüse, Suppengewürz). Wie alle Doldengewächse enthält der Sellerie in sämtlichen Organen ätherische Öle, die den typischen Geschmack und Geruch bedingen. Das stark duftende und intensiv schmeckende ätherische Öl wird in der Gewürzmittel-, Parfüm- und pharmazeutischen Industrie genutzt. Vielfältige Verwendung findet der Sellerie auch in der Naturheilkunde.
Allergologische Relevanz
Der Sellerie ist eines der häufigsten Nahrungsmittelallergene. Nicht nur als rohes Gemüse, sondern auch gekocht (als Bratenbeilage usw.) und in Form eines vielgebrauchten Gewürzes (Selleriesalz) in Suppen oder Salaten kann er zu vielfältigen allergischen Reaktionen vom Soforttyp bis zum anaphylaktischen Schock führen. Hautmanifestationen (generalisierte Urtikaria mit Quincke-Ödemen) dominieren, häufig kann es auch zu einem oralen Allergiesyndrom kommen (”Sellerie-Kontakturtikaria-Syndrom”), auch einige Fälle von Sellerie-abhängiger ”Exercise induced anaphylaxis” sind beschrieben. Sellerie gehört mit ca. 40 % aller diagnostizierten Nahrungsmittelallergien zu den häufigsten und potentesten Nahrungsmittelallergen; es ist das häufigste Nahrungsmittelallergen unter den Auslösern einer systemischen Reaktion (10 und 11). Die bei Sellerieallergie auftretenden hochgradigen Sensibilisierungen stellen für den Betroffenen ein erhebliches Problem dar, da Sellerie weit verbreitet und oft undeklariert Speisen (”verstecktes Allergen”) zugesetzt wird.
Bei Patienten mit einer Sellerieallergie handelt es sich fast immer um Pollenallergiker, die im Hauttest eine Sensibilisierung auf Beifußpollen (bis 87 %) aufweisen. Bei dieser Konstellation ist häufig eine Allergie auf Gewürze der Umbelliferen-Familie (Doldengewächse) assoziiert. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem ”Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom”. An zweiter Stelle folgt die Sensibilisierung mit Birkenpollen. Hier wurde der Begriff des ”Sellerie-Beifuß-Birkenpollen-Syndroms” vorgeschlagen.
Ein Teil der Sellerieallergene sind thermolabil und werden durch Kochen zerstört. Thermostabile Allergene erklären die Beobachtung, dass mancher der Sellerie-Allergiker auch gekochten Sellerie nicht verträgt. Das gekochte Nahrungsmittel wird jedoch besser vertragen, wobei das Kochwasser jedoch hoch angereicherte Mengen der Allergene enthält. Thermolabile, durch Kochen zerstörbare Sellerieallergene, die in Birkenpollen vorkommen, sind von hitzestabilen, beifußpollen-assoziierten Sellerieallergenen zu trennen.
Klinisch bedeutsame Kreuzallergien bestehen insbesondere zu Karotten (bis 52 %) sowie Kümmel, Petersilie, Fenchel, Paprika und Anis. Innerhalb der Familie der Doldenblütler (Sellerie, Karotte, Kümmel, Fenchel, Petersilie, Anis, Dill, Liebstöckel, Koriander, Kerbel und Pastinake) bestehen Antigengemeinschaften als Ausdruck einer Gruppensensibilisierung. Eine besonders hohe Allergenaktivität ist in der 15/16 kD-Fraktion zu finden. Als Hauptallergen des Sellerie ist dabei Api g1 mit einer molaren Massen von 16,2 kD zu finden. Es handelt sich um ein relativ thermolabiles Allergen mit einer großen Homologie zu den sogenannten ”pathogenesis-related” Proteinen (PR-Proteine) bzw. Stress-Proteinen, wie sie z.B. in Petersilie, Kartoffeln und Soja-Bohnen gefunden werden. Aber auch die Major-Allergenen von Birke (Bet v1), Erle (Aln g1) und Hasel (Cor a1) gehören in diese Gruppe. Zwischen Api g1 und dem Birkenpollenhauptallergen Bet v1 besteht eine 40 %ige Identität. Weiterhin findet sich ein 15 kD-Protein, bei dem es sich wohl ein Profilin handelt - mit Beziehung zu Bet v2 - sowie ein 18 kD-Protein. Letzteres ist ein bei den Doldenblütlern gemeinsam vorkommendes Allergen. Bei der Kreuzreaktion mit Birkenpollen, aber auch mit Beifußpollen spielen Homologien zu Profilinen (Bet v2) und Kreuzreaktionen im Bereich von 40 - 60 kD eine Rolle. Bei Kreuzreaktionen mit Obst treten am häufigsten Reaktionen zwischen Sellerie und Apfel auf, Kreuzsensibilisierungen bestehen auch mit Wassermelonen, der Mangofrucht und Kiwi.
Diagnostik
Prick/Scratch mit Nativmaterial ist der Testung mit kommerziellen Lösungen (Al.) überlegen, da die Allergene z.T. recht instabil sind; RAST (Ph.); bei der oralen Provokation besteht aufgrund der Potenz des Allergens ein hohes Risiko.
Typ IV-Reaktion
Sellerie enthält photosensibilisierend wirkende Furokumarine und Limonen sowie ein Terpen mit kontaktsensibilisierenden Eigenschaften.
Literatur: 1, 2, 398, 399