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Suchbegriffe zu diesem Artikel: rizinus

(16.7.2015)

Rizinus

Typ I-Soforttypallergen, Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Der Wunderbaum (Ricinus communis) ist eine Pflanzenart die zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) gehört. Er Ostindien stammt und ist vorwiegend in sonnigen Gegenden wie Südamerika, Afrika und in den Südstaaten der USA verbreitet ist. Bei der Kaltpressung wird aus den Samen der Pflanze das Rizinusöl, syn.: Kastoröl (engl.: castor oil) gewonnen, das u.a. in der pharmazeutischen Industrie eingesetzt wird, daneben wird es in der Kosmetikindustrie zur Herstellung von Cremes, Salben, Lippenstiften, Wimperntuschen und Schaumbädern genutzt. Es besteht zu 80-85 % aus dem Triglycerid der Ricinolsäure, daneben auch aus Linolsäure, Ölsäure, Palmitinsäure, Stearinsäure, Dihydroxystearinsäure, Linolensäure und Eicosensäure. Durch Heißpressung und anschließender Solventextraktion lässt sich zudem ein Öl darstellen, das im technischen Bereich Verwendung findet. Der Wunderbaum ist eine beliebte Zierpflanze. Das Zinksalz der Ricinolsäure (Zinc ricinoleate) dient als desodorierender Zusatz in Deostoffen und als Geruchsbinder in Cremes, Lotionen und Fußpflegeprodukten.

Verwendung als kosmetischer Inhaltststoff

Ricinus communis oil (INCI). Aus den Samen von Ricinus communs gepresstes Öl. Es besteht hauptsächlich aus den Fettsäure-Glyceriden der Ricinol-Fettsäure. Funktion: geschmeidig machend, hautpflegend, feuchtigkeitsspendend, glättend, Lösungsmittel

Butyl acetyl ricinoleate
(INCI). Chem. Bezeichnung: Butyl-O-acetylricinoleat. Funktion: geschmeidig machend

Castor oil benzoate (INCI). Rizinusöl, Benzoat. Funktion: hautpflegend, geschmeidig machend

Castor oil/ipdi copolymer (INCI). Rizinosöl, Polymer mit 5-Isocyanato-1-(isocyanatomethyl)-1,3,3-trimethylcyclohexan. Funktion: filmbildend

Hydrogenated castor oil (INCI). Gehörtetes Rizinusöl. Funktion: geschmeidig machend, emulgierend, viskositätsregelnd, hautpflegend

Octyldodecyl ricinoleate (INCI). Funktion: geschmeidig machend

Allergologie (Relevanz)

Im Pressrückstand ist ein äußerst potentes Allergen enthalten, welches bei entsprechender Sensibilisierung Rhinokonjunktivitis, Asthma und Kontakturtikaria verursachen kann. Betroffen hiervon sind insbesondere Landwirte, Winzer, Gärtner sowie Personen, die mit der Produktion und dem Vertrieb von Düngemitteln beschäftigt sind, da die Rizinus-haltigen Produkte, entweder konzentriert oder als Zusatz, als Düngemittel eingesetzt werden. Auch bei Arbeitern in der Kaffeeindustrie wurden Rizinus-Allergien festgestellt, ursächlich hierfür waren mit Rizinus-Schrot verunreinigte Jutesäcke, die zum Transport von Kaffeebohnen verwendet worden waren. Der Genuss von Rizinusöl wird vom Rizinus-Allergiker vertragen, ein Phänomen, welches auch von der Sesam- und Soja-Allergie bekannt ist. 

Die Pollen von Ricinus communis, Blüteperiode Juni bis Oktober, rufen nur selten allergische Reaktionen hervor. 

In eher seltenen Fällen können beim Umgang mit Rizinuspflanzen oder-bohnen auch allergische Kontaktekzeme ausgelöst werden. Bei Anwendung als Inhaltsstoff in Kosmetika, besonders kann Rizinusöl relativ häufig kontaktallergische Reaktionen hervorrufen, beschrieben sind zahlreiche Fälle u.a. eine Angioödem-artige Lokalreaktion. Nach topischer Anwendung eines Präparates mit Rinzinusöl als Inhaltsstoff konnte zudem ein fixes Arzneimittelexanthem beobachtet werden  (positiver Epikutantest).  Auch auf das Zinc ricinoleate sind einzelne Fälle mit kontaktallergischen Reaktionen beschrieben.

Literatur: 3, 385

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