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(15.8.2015)

Reis 

Typ I-Nahrungsmittelallergen, (potenzielles) Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Reis (Oryza sativa), Fam. Gamineae, ist weltweit eines der verbreitetsten Nahrungsmittel. Reis versorgt 25-80 % der täglichen Kalorien, die über 50 % der Weltbevölkerung benötigten.  Jedes Jahr werden ca. 520 Millionen Tonnen Reis verbraucht. Zur Entwicklung benötigt Reis eine mittlere Temperatur von 18°C und hohe Niederschläge (Berg- oder Trockenreis) oder sogar 25°C und zeitweilige Überflutung (Sumpf- oder Wasserreis). Reis wurde spätestens ab dem 4. Jahrtausend vor Chr. in Südostasien angebaut, in den Mittelmeerraum gelangte er etwa 800 v. Chr. In Bezug auf Weltanbaufläche und Produktion steht er bei den Getreidearten an dritter Stelle hinter Weizen und Mais. Das Reiskorn ist von einer nicht essbaren Schale (Spelze) umhüllt, die durch Dreschen entfernt werden muss. In unpoliertem Zustand ist der Reis ein sehr wertvolles Nahrungsmittel (”Naturreis”), wird er anschließend jedoch poliert, verliert er seine vitaminreiche Samenschale samt der eiweißreichen Aleuronschicht und wird zum minderwertigen ”Weißreis”, wobei eine vorherige Dampfbehandlung (Parboiling-Verfahren) den Nährstoffgehalt des verbleibenden Mehlkörpers erhöht. Reis wird in der Regel gekocht gegessen, Vorkommen aber auch als Reisgries, Reismehl, Reisstärke, Reispuder (kosmetische Anwendungen), Reiswein, Reisbier und Reisschnaps. 

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Dimethylimidazolidinone rice starch (INCI). Funktion: adsorbierend, viskositätsregelnd

Hydrogenated rice bran wax (INCI). Wachse und wachsartige Substanzen, Reiskleie, gehärtet. Funktion: viskositätsregelnd, hautpflegend, bindend

Hydrolyzed rice bran protein (INCI). Reiskleieprotein-Hydrolysate. Funktion: antistatisch, hautpflegend, haarkonditionierend

Hydrolyzed rice protein (INCI). Reisprotein-Hydrolysate. Funktion: antistatisch, hautpflegend, haarkonditionierend

Monascus/oryza sativa ferment (INCI): Endprodukt der Fermentation von Reis durch Monascus purpureus. Funktion: hautschützend

Oryza sativa bran (INCI). Besteht aus den gebrochenen Hüllen (Kleie) von Reiskörnern. Funktion: quellend, abrasiv

Oryza sativa bran extract (INCI). Extrakt aus Reiskleie. Funktion: hautschützend, hautpflegend

Oryza sativa bran oil (INCI). Fettes Öl das aus Reiskleie gepresst wird. Es besteht vorwiegend aus Glyceriden Linolsäure, Ölsäure, Palmitinsäure und Stearinsäure. Funktion: hautschützend, hautpflegend

Oryza sativa cera (INCI). Aus Reiskleie gewonnenes Wachs. Funktion: viskositätsregelnd, hautpflegend, haarkonditionierend, hautschützend, glättend

Oryza sativa extract (INCI). Extrakta aus Reiskörnern. hautpflegend, haarkonditionierend, quellend, absorbierend, abrasiv

Oryza sativa germ oil (INCI). Fettes Öl, das aus Reiskeimlingen gepressst wird. Funktion: geschmeidig machend

Oryza sativa germ powder (INCI). Pulver, das durch Zerstoßen des Reiskeims gewonnen wird. Funktion: quellend, abrasiv

Oryza sativ starch (INCI). Hochpolymere Kohlenhydratsubstanz aus geschälten Reissamen. Funktion: absorbierend, bindend, viskositätsregelnd, quellend

Rice bran acid (INCI). Reiskleieöl-Fettsäuren. Funktion: reinigend

Steardimonium hydroxypropyl hydrolyzed rice protein (INCI). Funktion: antistatisch

Allergologie (Relevanz)

Obwohl Reis für große Teile der Weltbevölkerung das Hauptnahrungsmittel ist, scheinen Allergien sehr selten aufzutreten. Reis wird im Allgemeinen als hypoallergen eingestuft  und ist deshalb auch in verschieden Allergie-Diäten enthalten. Jedenfalls sind nur wenige Fälle einer Reis-Allergie publiziert worden und dies zumeist als Kasuistiken. Bei uns sind Reisallergien in jedem Falle selten (ca. 1 % bei 10 und 11). In einer größeren Untersuchung bei Patienten mit vorbestehender Rhinitis und Asthma bronchiale zeigten 10 von 1200 Patienten (0,8 %) eine mittels Doppel-blinder Provokationstestung bestätigte Reisallergie; interessanterweise hatten bei der einer zuvor durchgeführten Befragung noch 165 Patienten die Vorgeschichte einer Reisallergie angegeben.

Neben Reisallergien im Kindesalter mit gastrointestinaler Manifestation (Durchfall und Erbrechen) und ZNS-Beteiligung wurden Quinckeödem-artige und urtikarielle Reaktionen nach Reisingestion beschrieben. Danben können auch Rhinitis, Asthma bronchiale bis hin zu bedrohlichen Kreislaufreaktionen auftreten, im Vordergrund stehen jedoch die gastrointestinalen Beschwerden. Auch  sind auch einzelne Fälle von Kontakturtikaria nach Kontakt mit rohem Reis bekannt geworden. 

Eine Reisallergie kann sich einerseits durch die Aufnahme von gekochtem Reis, andererseits auch durch die Inhalation von Dämpfen beim Kochprozess.

Bei Reisallergien konnten IgE-Antikörper gegen Gluteline und Globuline nachgewiesen werden. Durch Erhitzen verlieren diese Fraktionen 40-70 % der Allergenaktivität. Als wesentliches Allergen konnte wie bei anderen Getreidearten ein alpha-Amylase-Inhibitor nachgewiesen werden. Zwischen 69 und 100 % der Reisallergiker besitzen entsprechende Antikörper. Die geringe Allergenität ist möglicherweise durch die dargestellten Verarbeitungsverfahren bedingt, ein vermehrter Verzehr von Naturreis könnte in den westlichen Industrieländern zu einem erhöhten Auftreten von Reisallergien führen.

Neben einer 33-kDa Glyoxalase I, scheint das Hauptallergen des Reises zu den 14-kDa bis 16-kDa zu den alpha-Amylase-Inhibitoren der Körnerfrüchte zu gehören.

In einer Untersuchung konnte das Lipid-transfer-Protein (LTP) als ursächliches Allergen eine Reis-induzierten Anaphylaxie gefunden werden; eine Kreuzreaktivität zwischen dem Reis-LTP und dem LTP von Apfel und Pfirsich konnte dabei bestätigt werden.

Neben einer "echten" Reisallergie kann auch das sogenannte Nahrungsproteininduzierte Enterokolitis-Syndrom (FPIES) nach Reisgenuss beobachtet werden, ein seltenes im Säuglingsalter auftretendes Krankheitsbild, das mit Erbrechen und Durchfällen einhergeht.

Allergologische Diagnostik 

Prick, Scratch mit Nativmaterial (roh und gekocht), RAST (Ph. Reismehl), orale Provokation mit gekochtem Reis 

Literatur: 1, 2, 379

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

Wüthrich et al: Isolated allergy to rice. Allergy 57, 263-264 (2002) 

Orhan et al: A case of isolated rice allergy. Allergy 58, 456-457 (2003)

Kumar et al: Rice (Oryza sativa) allergy in rhinitis and asthma patienst: a clinico-immunological study. Immunobiology 212, 141-147 (2007)

Asero et al: Rice: another potential cause of food allergy in patients sensitized to lpid transfer protein. Int Arch Allergy Immunol 143, 69-74 (2007)

Nambu et al: Rice allergy: Pediatrics 117, 2331-2332 (2007)

Hojsak et al: Rice protein-induced enterocolitis syndrome. Clin Nutr 25, 533-566 (2006)

Yamakawa: Contact urticaria from rice. Contact Dermatitis 44, 91-93 (2001)

Cavataio et al: Isolated rice intolerance: clinical and immunologic charcteristics in four infants. J Pediatr 128, 558-560 (1996)

Enrique et al: Lipid transfer protein is involved in rhinoconjunctivitis and asthma produced by rice inhalation. J of Allergy and Clin Immmunol 4, 926-928 (2005)

Amended final report on the safety assessment of Oryza Sativa (rice) Bran Oil, Oryza Sativa (rice) Germ Oil, Rice Bran Acid,Oryza Sativa (rice) Bran Wax, Hydrogenated Rice Bran Wax, Oryza Sativa (rice)Bran Extract, Oryza Sativa (rice) Extract, Oryza Sativa (rice) Germ Powder, Oryza Sativa (rice) Starch, Oryza Sativa (rice) Bran, Hydrolyzed Rice Bran Extract, Hydrolyzed Rice Bran Protein, Hydrolyzed Rice Extract, and Hydrolyzed Rice Protein. Int J Toxicol 25, Suppl 2, 91-120 (2006)!!!

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