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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Kolophonium

(1.5.2015)

Kolophonium 

Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Kolophonium ist ein natürliches Harz, das aus dem Balsam harzführender Koniferen gewonnen wird. Es tritt bei natürlicher oder künstlicher Verletzung des Splints aus. Als Hauptlieferant des Balsams dienen vor allen Dingen Kiefernarten sowie Spezies aus den Gattungen Tanne, Lärche und Fichte, die aber seltener geharzt werden. Neben der Harzung des lebenden Baumes, die weltweit immer noch so primitiv wie in der Antike durchgeführt wird, tritt zunehmend das Tallharz als Lieferant für Kolophonium in den Vordergrund. Tallöl (tall - schwed. Kiefer) fällt als Nebenprodukt der Papierherstellung an. Die geschätzte Weltproduktion an Balsamharz liegt bei etwa 500 bis 600.000 t pro Jahr, Hauptlieferant China. Die geschätzte Weltproduktion an Tallöl liegt bei 1,2 Mio. t. Dies entspricht einer gewonnen Menge von 300 - 350.000 t Tallharz. Hauptproduzent sind die USA und skandinavische Länder. 

Stark erhärtetes, meist dunkelbraun bis schwarz gefärbtes Kolophonium weist bis zu 90 % Abietinsäure (siehe dort) auf und eignet sich nur für wenige Zwecke, z.B. als Geigenharz. Hauptsächlich wird Kolophonium daher in Form von Veredelungsprodukten, die durch Dimerisierung, Disproportionierung, Polymerisierung, Addition ungesättigter Verbindungen, Veresterung mit mehrwertigen Alkoholen und Salzbildung hergestellt werden.

Kolophonium und seine Derivate kommen - meist verborgen - in zahlreichen alltäglich gebrauchten Materialien vor. Die Möglichkeit einer Kontaktallergie ergibt sich hauptsächlich beim Umgang mit: 

  • Papier und Pappe (Papiertaschentücher, Toilettenpapier, Packpapier, Pappe, Papierservietten, Umweltpapier 
  • Windeln 
  • Pflastern (sofern nicht hypoallergen) 
  • Klebe- und Isolierbändern, Klebstoffen 
  • Polituren und Wachsen 
  • Kosmetika wie Lidschatten, Maskara, Seifen, Haarshampoos, Enthaarungsmittel, Lippenstiften, Make-up, Nagellack 

Ferner werden Kolophonium-Derivate eingesetzt in: 

  • synthetischen Gummierzeugnissen 
  • Bodenbelägen 
  • Lacken, Farben, Glasuren 
  • Hartwachsen für Sportler (z.B. Tänzer) 
  • Dichtungsmaterialien 
  • Trocknungsmitteln 
  • Löthilfsmitteln und Brauereipech 
  • Kleber (z.B. für Stofffutter in Schuhen) 

Kolophonium kann auch enthalten sein in: 

  • Medikamenten zur äußerlichen Anwendung 
  • Zubereitungen, die in der Zahnmedizin eingesetzt werden, wie Zahnzement, Abdruckpasten etc. 
  • Hydrokolloidverbänden

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Colophonium (INCI). Funktion: filmbildend

Allergologie (Relevanz)

Sensibilisierungshäufigkeit häufig (in der Hitliste der Kontaktallergene liegt Kolophonium unter den 10 häufigsten Kontaktallergenen), Sensibilisierungspotenz schwach bis mittelstark.

In Fallberichten wurden Sensibilisierungen oder Reaktionen gegen Kolophonium in Klebstoffen, Kosmetika (wie Mascara, Lippenstift), Präparaten zur Warzenentfernung, Depilatorien oder Kaugummis beschrieben. Ein beruflicher Kontakt mit Kolophonium in Farben und Lacken, Papier, Pappe oder Papierprodukten sowie in Klebern (z.B. Schuhkleber) und Klebstoffen in Etikette oder Klebebändern kann ebenfalls Ursache eines Kontaktekzems sein. Weitere berufliche Exposition besteht bei Metallarbeitern (Kolophonium-haltige Kühlschmierstoffe), Kosmetikerinnen (Wachs zur Depilation), Zahnarztassistentinnen (Kolophonium-haltiger Fluorid-Lack), Musiker (Kolophonium), hierzu liegen Einzelfallberichte über allergische Kontaktekzeme vor. 

Das Risiko der Exazerbation einer bestehenden Hautveränderung, z.B. eines Ulcus cruris, besteht bei Kolophoniumallergikern auch in der Verwendung bestimmter Hydrokolloidverbänden (siehe dort). Seit der Einführung dieser Verbände für die Wundversorgung sollte der Patient über eine Kolophonium-Sensibilisierung befragt oder sogar erst epikutan getestet werden, bevor das Pflaster appliziert wird. 

Eine periorale Dermatitis kann gelegentlich auf importierte Kaugummis, welche modifizierte Kolophoniumprodukte, z.B. in Form des Glycerinester eines teilweise dimerisierten Kolophoniums enthalten, ausgelöst werden. Auch orale Ulzerationen, Mundbrennen und -schleimhautödem konnte auf das Kauen eines Kolophonium-haltigen Kaugummis zurückgeführt werden. 

Auch aerogen kann Kolophonium Kontaktsensibilisierungen auslösen. So konnte das Gesichtsekzem einer norwegischen Patientin, das sich regelmäßig entwickelte, wenn sie mit ihrem Auto zur Arbeit fuhr, insbesondere bei eingeschalteter Heizung, auf eine ausgeprägte Kolophoniumsensibilisierung zurückgeführt werden. Kolophonium konnte dabei im Klebematerial von Armaturenbrett und Dachhimmel nachgewiesen werden. In einzelnen Fällen ist auch ein aerogen vermitteltes Kontaktekzem durch Kolophonium-Freisetzung aus Fußbodenbelägen oder Bohnerwachs sowie Löthilfsmitteln beschrieben worden. 

Die beim Löten gebildeten Kolophonium-Dämpfe sowie Kolophonium-Staub wurden auch für mehrere Fälle von beruflich bedingtem Asthma bei Beschäftigen der Elektroindustrie verantwortlich gemacht. 

Im Bereich des IVDK führte die Epikutantestung mit Kolophonium in den Jahren 1992-1998 zu einem leichten Anstieg der Anteils positiver Reaktionen von 2,8 % auf 4,2 %. In zahlreichen anderen Untersuchungen wurden sogar Prävalenzen bis zu 7,0 % ermittelt. Bei Patienten mit einer positiven Reaktion im Epikutantest auf Kolophonium werden häufig auch positive Reaktionen auf Perubalsam und den Duftstoff-Mix beobachtet, die zumeist auf eine Expositionskopplung zurückzuführen sind.

Die Sensibilisatoren im Kolophonium stellen nicht die einzelnen Harzsäuren oder deren chemisch modifizierte Abkömmlinge, sondern Oxidationsprodukte beider Stoffgruppen dar. Die nativen Bestandteile des Kolophoniums, z.B. die Abietinsäure, besitzen zumeist ein relativ geringes allergenes Potenzial. Der Gehalt an Harzsäuren nimmt zudem bereits während vierwöchiger Luftexposition ab. Durch (Luft-)Oxidation werden jedoch aus den eigentlichen Inhaltsstoffen zum Teil wesentlich potentere allergene Substanzen gebildet, u.a. insbesondere Seitenketten-Hydroperoxide, ringverbrückte Peroxo-Verbindungen, Epoxide oder auch einfache hydroxylierte Verbindungen.

Allergologische Diagnostik

Epikutantestung mit Block Standard; Testkonzentration 20 % in Vaseline (SmartPractice)

Da in der Standardreihe nur natives (chinesisches) Kolophonium enthalten ist, Derivate jedoch fehlen, können etwa ein Drittel der kolophoniumsensibilisierten Patienten nicht erfasst werden. Bei der fehlenden Kreuzreaktivität zwischen nativem Kolophonium und derivatisierten Kolophoniumprodukten hat sich in der Praxis neben der Testung mit nativem Kolophonium eine Testung mit einem Kolophonium-Mix, z.B. bestehend aus Tallharz, Kalkzinkhartharz und einem Maleinsäureester bewährt. 

Literatur: 4, 6, 23

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

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