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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Kammgras

Gräser 

Inhalative Typ I-Soforttypallergene 

Vorkommen 

Gräser sind Kosmopoliten, deren Familien etwa 8000 Arten umfassen, zu denen auch viele Getreide- und Futterpflanzen gehören. Die wichtigste Pflanzenfamilie sind die Süßgräser (Gramineae). Es handelt sich dabei um mittelhohe bis hohe Pflanzen, deren vom Wind fortgewehte Pollen generell die Ursache vieler Allergien sind. Die Allergie gegenüber Gräserpollen ist in Mitteleuropa die am häufigsten vorkommende inhalative Soforttypallergie. 

Allergologische Relevanz 

Systematische Einteilung der Süßgräser (Gramineae/Poaceae) 

Familie 

Unterfamilie 

Stamm 

Gliederung 

Poaceae/ 

Gramineae 

Pooideae 

Festuceae 

Wiesenknäuelgras 

Wiesenschwingel 

Lolch 

Wiesenrispengras 

Kammgras 

Agrostideae 

Straussgras 

Wiesenfuchsschwanz 

Lieschgras 

Bromeae 

Trespe 

Aveneae 

Ruchgras 

Honiggras 

Glatthafer 

Hafer 

Triticeae 

Gerste 

Roggen 

Weizen 

Oryzeae 

Reis 

Panicoideae 

Paniceae 

Hirse 

Fuchsschwanz-Hirse 

japanische Hirse 

Maydeae 

Mais 

Andropogoneae 

Sorghum (Mohrenhirse) 

Zuckerrohr 

Arundinoideae 

 

Schilfrohr 

Chloridoideae 

 

Hundszahngras 

Etwa 60-70 % der Pollinotiker sind gegenüber Gräserpollen sensibilisiert. Dies betrifft hauptsächlich Pflanzen, die ihre Pollen durch den Wind verbreiten. Pollen, die durch Insekten oder Vögel verbreitet werden, gelangen kaum in die Atemluft und stellen daher keine akute Gefahr für Allergiker dar. Die betreffenden Pflanzen stoßen ihre leichten und flugfähigen Pollen über einen kurzen Zeitraum von meist nur einigen Stunden ab, nur bei einigen wenigen Spezies zieht sich dieser Vorgang über mehrere Tage hin. Innerhalb der Familie der Süßgräser bestehen zahlreiche Kreuzreaktivitäten. 

In ganz Europa sind im Allgemeinen Graspollen die bei weitem wichtigsten Auslöser der Pollinosis. 

Glatthafer/Wiesenhafer (Arrhenatherum elatius) 

Bis 150 cm hohes Rispengras. Der Glatthafer dient als ertragreiches und wertvolles Futtergras. Charakteristisch ist die lange, geknickte Granne an den männlichen, selten auch den gemischt geschlechtlichen Blüten. Gehört, neben Roggen, mit Lieschgras, Knäuelgras, Wiesenschwengel und anderen zu den wichtigsten Heuschnupfen-Gräsern Europas. Blütezeit: Juni bis Juli 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Ruchgras, wohlriechendes/gemeines (Anthoxanthum odoratum) 

Dauerhafte Pflanze von mittlerer Höhe (10-60 cm), die in Europa auf Wiesen, Weiden und in lichten Wäldern sehr verbreitet ist. Getrocknet und nach Verreiben besitzt das Ruchgras einen charakteristischen Waldmeistergeruch bedingt durch seinen Kumaringehalt. Es wurde deshalb früher als Würze für Getränke und als Schnupftabak eingesetzt. Das Ruchgras hat einen geringen Futterwert. Hauptallergen Ant o1 (MG 30.000). Blütezeit: Mai bis August 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Hundszahngras (Cyonodon dactylus) 

Dauerhafte Kriechpflanze (10-50 cm). Sie wächst auf Feldern, Brachland, an Wegerändern und an sandigen Plätzen in Flussnähe. manchmal lokal üppiges Vorkommen. Hauptallergen Cyn d1 (MG 32.000). Blütezeit: Juli bis September 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Wiesenknäuelgras (Dactylis glomerata) 

Stark verbreitete, hochwüchsige (bis zu 120 cm), dauerhafte Pflanze, die vor allem aus Wiesen, an Weg- und Deichrändern wächst und fruchtbare, nicht zu feuchte Böden bevorzugt. Diese Grasart wird weitgehend als wertvolle und ertragreiche Futterpflanze angebaut. In Schattenlagen ist es auch als Rasengras geeignet. Allergene: Hauptallergen Dac g1 (MG 32.000), weitere Allergene Dac g2 (MG 11.000), Dac g4 und Dac g5 (MG 27-29.000). Blütezeit: Mai bis Juli 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Wiesenschwingel (Festuca eliator/pratensis) 

Dauerhafte Pflanze von mittlerer Höhe. Sie wächst hauptsächlich auf Wiesen, Weiden und am Rand von Gewässern. Es wird als weidefestes Futtergras kultiviert. Hauptallergen: Fes e1. Blütezeit: Mai bis Juli 

Diagnostik 

Prick, i.c., RAST (Ph.) 

Lolch (Weidelgras, englisches Raygras) (Lolium perenne) 

Bis 50 cm hohes Ährengras, das z.B. in Rasenflächen eingesät und häufig als Futterpflanze angebaut wird. Sie wächst außerdem auf stark genutztem Weideland, an Rändern von Wegen und Deichen sowie auf unbebautem Gelände. Das Weidelgras ist ein wertvolles Wiesen- und Dauerweidegras, das dichte und trittfeste Rasen bildet. Bislang sind neun Allergene isoliert und charakterisiert. Hauptallergen Lol p1 (MG 27-35.000), weitere Allergene (Lol p2–11) sind bekannt. Blütezeit: Juni bis September 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Lieschgras (Phleum pratense) 

Hochwüchsiges, dauerhaftes Ährenrispengras (100 cm). Es wächst auf Lichtungen, Wiesen, Weiden oder an Wegrändern und bevorzugt feuchte und fruchtbare Böden. In manchen Gegenden ist sie eine der wichtigsten Futterpflanzen. Bislang wurden die Allergene Phl p1, Phl p2 und Phl p 4-8 isoliert und charakterisiert. Homologien bestehen zu Olo p1 und Sec c1. Blütezeit: Juni/Juli. 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Wiesenrispengras (Poa pratensis) 

Dauerhafte, mittelhohe Pflanze (15-80 cm) von sehr unterschiedlicher Form. Sie kommt vor allem auf Wiesen, trockenem Rasen, an Wegrändern und in lichten Wäldern vor. Es stellt eine der wichtigsten Gräser in der mitteleuropäischen Grünlandwirtschaft dar und dient als hochwertiges Futter- und Weidegras. 

Bislang sind drei Allergene Poa p1, Poa p4 und Poa p9 isoliert und charakterisiert, wobei es sich bei Poa p1 um das Hauptallergen handelt. Antigengemeinschaften bestehen zu Phl p1, Sec c1 und Cyn d1. Blütezeit: Mai bis Juli. 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Trespe (Bromus inermis) 

Mittelhohe Pflanze (30-100 cm). Vorkommen auf Brachland, flussnahen Dünen, sandigen Deichen oder trockenen Rasenflächen. Blütezeit: Juni/Juli. 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis) 

Dauerhafte, 30 - 120 cm hohes Ährenrispengras, das auf Wiesen, an Uferböschungen und Deichen recht verbreitet ist. In der Landwirtschaft als Futtergras genutzt. Blütezeit: Mai bis Juli. 

  • Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera) 

Das weiße Straußgras kommt in Europa, dem klimatisch gemäßigten Asien und in Nordamerika vor. Er wird als Rasen- und Futtergras kultiviert. Es handelt sich um eine wenig robuste, dauerhafte Pflanze, die oft kurze unterirdische Ausläufer austreibt und nicht höher als 60 cm wird. Es wächst auf Wiesen, Rasenflächen, an Wegrändern, in lichten Wäldern und auf seennahen Weiden. Blütezeit: Juni bis August. 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) 

Bis 40 cm hohes Rispengras mit sehr kleinen rötlichen Ährchen, mit kurzen unterirdischen Ausläufern. Das rote Straußgras ist weit verbreitet und bestandsbildend vorkommend, vor allem in Magerwiesen und -weiden. Blütezeit: Juni bis August. 

Kammgras (Cynosurus cristatus) 

Das Kammgras wird gelegentlich als mittelmäßiges Futtergras kultiviert, dient als Weidepflanze und seltener als Rasengras. Blütezeit: Juni bis Juli. 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.) 

Honiggras, wolliges (Holcus lanatus) 

20 - 60 cm hohes Rispengras. Häufig in Wiesen und Weiden von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen. Minderwertiges Futtergras. Allergene: Hol l2 (MG 34.000), Hol l4 (30.000). Blütezeit: Mai bis August. 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Haargerste (Elymus triticoides) 

Ganzjähriges Gras, das zwischen 50 und 100 cm hoch wird und in Büscheln wächst. Wächst in Flussebenen, auf salzigen Wiesen, Sanddünen und versteppten Wüsten. Vorkommen im Westen der USA. In Europa kommt das Lyme-Gras, E. arenarius, in Sanddünen, entlang der Küsten vor. Blütezeit: Mai bis Juni. 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Schilf (Phragmites australis) 

Sehr hochwüchsige Pflanze (100 - 300 cm), die an Gewässerufern, in Sumpfgebieten und auf nassen Wiesen wächst, bis 1 m tief wurzelnd und mit bis zu 10 m langen Ausläufern. Blütezeit: Juli bis Oktober. Hauptallergen: Phr c1 (MG 30.000-32.000). Allergologisch nur untergeordnete Bedeutung. 

  • Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.) 

Bahiagras (Paspalum notatum) 

Niedrig wachsendes, immergrünes, für Erderhaltungs- und Futterzwecke gezogenes Gras, heimisch in Amerika und Mexiko. Es tritt am Rande von salzigen Marschen, Seen und Flüssen auf. Die Pflanzenhöhe liegt zwischen 2 und 6 cm. Das Bahiagras ist eine einzeln wachsende Pflanze, die vorwiegend in allen wärmeren Teilen der westlichen Hemisphäre zu finden ist. Blütezeit: Juni bis August 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Canary-Gras (Phalaris arundinacea) 

In den nördlichen Teilen von Amerika weit verbreitetes Gras, das entlang von Flüssen und Küstenstreifen zu finden ist. 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Salzgras (Distichlis spicata) 

Diagnostik 

RAST (Ph.) 

Roter Schwingel 

20 bis 60 cm hohes, Ausläufer bildendes Rispengras. Vorkommen häufig in Wiesen, Magerrasen sowie als Pioniergras an Wegen und Waldlichtungen, mittelwertiges Futtergras. Blütezeit: Mai - September 

Quecke (Agropyron repens) 

Bis 150 cm hohes Ausläufer bildendes Ährengras, bis 80 cm tief wurzelnd. Vorkommen in Ödland, Wegen und in Äckern. Blütezeit Juni bis August. 

Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.) 

Sudangras/Sorgo (Sorghum halepense) 

Aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammendes bis 120 cm hohes Rispengras. Im Mitteleuropa selten vorkommend. Blütezeit: Juni bis Juli. Aufgrund des seltenen Vorkommens allergologisch ohne Bedeutung. 

Therapie 

ggf. Hyposensibilisierung (Al.: Gräsermischung: Honiggras, Knäuelgras, Raygras, Wiesenlischgras, Wiesenrispengras, Wiesenschwingel) 

Gräserpollenassoziierte Nahrungsmittelallergie 

Die Prävalenz einer Gräserpollen-assoziierten Nahrungsmittelunterverträglichkeit ist bei uns selten, im Mittelmeerraum weist hingegen etwa die Hälfte der monosensibilisierten Gräserpollenallergikern eine solche Nahrungsmittelallergie auf. Bei diesen Gräserpollenallergikern wurden Kreuzreaktionen insbesondere auf Getreide, Tomate, Pfefferminz, Oliven sowie auf Sojabohnen und Erdnuss festgestellt. 

Für die Kreuzreaktion zwischen Gräserpollen und Nahrungsmitteln sind das Gräserpollen-Majorallergen Lol p1, das zu dem Hauptallergen der Olivenpollen Ole e1sowie zu Mais- und Tomatenpollen eine 40 % Homologie aufweist, und als Minorallergen das Gräser-Profilin verantwortlich ist. 

Antigengemeinschaften von Gräserpollen 

Nahrungsmittelgruppe 

deutscher Name 

botanische 

Bezeichnung 

Pflanzen-Familie 

Gemüse 

Tomate 

 

Kartoffel 

Lycopersicon 

esculentum 

Solanum tuberosum 

Solanaceae 

 

Solanaceae 

Hülsenfrüchte 

Erdnuss 

Soja 

Arachis hypogaea 

Glycine max 

Leguminosae 

Leguminosae 

Getreide 

Roggenmehl 

Weizenmehl 

Secale cereale 

Triticum aestivum 

Gramineae 

Gramineae 

Literatur: 3 

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