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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Dibromdicyanobutan, Phenoxyethanol

(7.7.2015)

Dibromdicyanobutan / Phenoxyethanol (1:4) 

Typ IV-Kontaktallergen 

Vorkommen und Beschreibung

Dibromdizyanobutan (syn.: Methyldibromoglutaronitril, MDGN) ist eine Konservierungsmittel mit einem breiten Wirkungsspektrum gegen Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. Es ist in der EU in Leave on-Kosmetika verboten, dagegen immer noch in Rinse-off-Pflegeprodukten wie Seifen, Duschgels oder Shampoo in einer Konzentration bis 0,1 % enthaltenen. Es wird in zudem Kombination mit Phenoxyethanol, z.B. unter dem Handelsnamen Euxyl K 400 zur Konservierung von Kosmetika, Körperpflegeprodukten, Hautreinigungsmitteln Körperpflegemitteln, Hautpflegemilch, Gesichts- und Handcremes, Kinderpflegecremes, in Duschbädern, -gelen, Waschemulsionen, Shampoos, in Massageölen und -emulsionen, feuchtem Toilettenpapier und Ultraschallgel, aber auch im industriellen Bereich (technische Emulsionen wie Schneideölemulsionen, Bohrlösungen, Kühlflüssigkeiten) eingesetzt. Konservierungsmittel sollten gute biozide Eigenschaften mit möglichst optimaler Hautverträglichkeit verbinden. Euxyl K 400 kommt diesen Voraussetzungen sehr nahe und wird in zunehmenden Maße anstelle der Isothiazoline (z.B. Kathon CG) Kosmetika und Hautpflegemitteln zugesetzt, auf Grund seiner schwächeren Sensibilisierungspotenz im Tiermodell. Die Verbreitung dieser Kombination als Konservierungsmittel in kosmetischen Produkten hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Metyldibromo glutaronitrile (INCI). Funktion: Konservierungsstoff

Allergologie (Relevanz)

Sensibilisierungshäufigkeit selten, Sensibilisierungspotenz schwach

Ende der 80er Jahre wurden die ersten Fälle von Kontaktallergien durch Euxyl K 400 beschrieben. Allergische Reaktionen auf das Gemisch wurden bei 2,1 % der getesteten Patienten beobachtet; 2,0 % reagierten dabei auf Dibromdizyanobutan (1994). Reaktionen auf Phenoxyethanol blieben nur Einzelfälle. In zahlreichen Fällen wurde insbesondere über feuchtes Toilettenpapier als Auslöser kontaktallergischer Reaktionen berichtet, daneben auch über Fälle eines berufsbedingten Handekzems durch industrielle Handreinigungsmittel und Hautschutzcremes.

Untersuchungen für das MDGN ergeben, dass schon 0,015 %ige Konzentrationen in Leave-on-Produkten sensibilisierd wirken können und Kontaktallergien auslösen und selbst bei Rinse-off-Produkten,  schon eine 0,1%ige Konzentration ausreichen kann, um bei wiederholtem Kontakt eine kontaktallergische Reaktion auszulösen.

Für “rinse-off”-Produkte, wie Seifen, Schampoo oder Gesichtsreinigungsprodukte, wird das Risiko für die Auslösung einer Kontaktdermatitis auf MDGN jedoch als gering eingeschätzt, lediglich eine berufsbedingte Kontaktdermatitis bei Friseuren wurde in diesem Zusammenhang beboachtet.  Schampoos die 0,02 % MDGN enthalten, können auch bei sensibilierten Personen als sicher eingestuft werden. 

Während in den letzten Jahren Allergien gegen (Chlor)Methylisothiazolinon (Kathon CG) abgenommen haben, sind steigende Reaktionsfrequenzen auf Euxyl K 400 zu beobachten. Beide Entwicklungen scheinen parallel zur Verbreitung dieser Konservierungsmittel (rückläufiger Einsatz von Kathon CG) in Kosmetika und Externa zu verlaufen. Dies ist ein deutliches Beispiel dafür, dass Substanzen mit geringer Sensibilisierungspotenz bei häufigerem Einsatz und breitem Verwendungsprofil auch öfter als Auslöser von Allergien auffällig werden können.

Allergologische Diagnostik

Epikutantestung mit Block Standard; Testkonzentration 1 % in Vaseline (SmartPractice)

Literatur: 4, 6, 109, 110

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

Young et al: Post-coital contact dermatitis from methyldibromo glutaronitrile. Contact Dermatitis 50, 48 (2004)

Noch pubmed

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