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(23.4.2015)

Karmin

Typ I-Soforttypallergen, Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Echtes Karmin (syn.: Cochenille, Karmesin, Karmsinsäure) ist ein organischer roter Farbstoff. Als Quelle dient die echte Kochenillelaus, die in Mexiko an Kakteen gezüchtet wird. Darüber hinaus haben eine Reihe von anderen tropischen und subtropischen Ländern (Spanien, Kanarische Inseln, Nordafrika) die Produktion von Karmin durch die Kochenillelaus etabliert. Durch Extraktion kann der Farbstoff Karminsäure aus der Laus isoliert werden. Wird Karminsäure mit Aluminiumsalzen gefällt, entsteht Echtes Karmin. Dieses darf nur in bestimmten Lebensmitteln und eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem essbare Überzüge für Käse und Wurst, Marmeladen, Konfitüren, Fruchtzubereitungen, Süßigkeiten, rot geäderter Käse, Wurst (je nach Sorte unterschiedlich), Frühstücksgetreideprodukte mit Fruchtgeschmack, Spirituosen, Obst- und Fruchtweine. Heutes Echtes Karmin heute nur noch selten und dann vor allem in alkoholischen Getränken eingesetzt und weitgehend durch den synthetischen Azofarbstoff Cochenillerot (siehe dort) ersetzt. In der Kosmetik-Industrie findet der Farbstoff jedoch nach wie vor Anwendung in Lippenstiften. Darüber hinaus färbt Karmin Arzneimittel und Textilien und ist ein wichtiges Pigment in der Malerei.

Verwendund als kosmetischer Inhaltsstoff

CI 57470 (INCI). Funktion: kosmetischer Farbstoff

Allergologische Relevanz 

Auf Karmin als Lebensmittelzusatzstoff können gelegentliche Typ I-mediierte anaphylaktische Reaktionen beobachtet werden, darunter mehrere Fälle auf alkoholische Getränke wie Campari-Orange oder auch einen Karmin-gefärbten Joghurt. Bei der Diagnostik fanden sich positive Pricktestreaktionen und spez. IgE auf Karmin. Die Sensibilisierungen erfolgten dabei insbesondere durch topische Anwendung von Karmin-haltiven Kosmetika bzw. berufliche Exposition. Auf Grund der geringen Konzentrationen von Karmin in  Lebensmitteln und Getränken treten allergische Reaktionen jedoch eher selten auf. Siehe auch unter "Lebensmittelzusatzstoffe". In einem Fall wurde auch eine anaphylaktische Reaktion auf ein Karmin-gefärbtes Azithromycin-Präparat  beschrieben, bestätigt durch eine positive Pricktestreaktion auf Karmin. Relativ häufig wird bei beruflichem Kontakt mit Karmin ein Asthma bronchiale beobachtet, zumeist mit positiven Pricktest-Reaktionen und Nachweis von spez. IgE; gelegentlich auch eine exogen allergische Alveolitis. Als Majorallergen wurde ein 38 kD-Protein mit Homologie zu den Phospholipasen anderer Insekten identifiziert. Zugleich können niedermolekulare Bestandteile als Hapten wirken und damit auch Typ IV-Sensibilsierungen verursachen. In einzelnen Fällen wurden so auch allergische Kontaktdermatitiden auf Karmin als Inhaltstoffe in Kosmetika beobachtet. Als Testkonzentration werden dabei 0,2 % und 2,5 % in Vaseline angegeben. In einer Studie wurde Karmin zudem eine mögliche Rolle bei Kindern mit atopischem Ekzems zugesprochen.

Literatur: 1, 2, 107 

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