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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Granulozyten, eosinophile

Allergiediagnostik 

Siehe auch unter “Arzneimittelnebenwirkungen” 

Hauttest-Verfahren 

  • Epikutan-Test
    Dieser Test dient im Allgemeinen dem Nachweis eines allergischen Kontaktekzems, einer Spättypallergie (sog. Typ IV-Allergie). Dabei werden standardisierte Allergene maximale 2 Tage mit einem speziellen Testpflaster auf die Rückenhaut geklebt. In den folgenden Tagen können die Reaktionen abgelesen werden 
  • Reibe-Test
    Bei hochgradigem Allergietest wird  die Haut des Unterarms mit dem fraglichen Allergen gerieben 
  • Prick-Test
    Ein Tropfen eines Allergenextraktes wird auf die Haut aufgetragen und diese mit einer speziellen Lanzette kurz oder oberflächlich durchstochen. Nach 15 - 20 Minuten kann die Reaktion in Form einer Quaddel-/Erythem-Bildung abgelesen werden. Der Pricktest wird am häufigsten eingesetzt und besitzt eine hohe Aussagekraft mit geringen Nebenwirkungsrisiko bei guter Praktikabilität 
  • Scratch-Test
    Beim Scratchen wird die Haut unter einem aufgebrachten Allergen, häufig bei schwer löslichen Substanzen (z.B. Pulver) mit einigen Tropfen Kochsalzlösung, ganz oberflächlich eingeritzt 
  • Intrakutan-Test
    Hier wird die Allergenverdünnung in kleinen Mengen (0,02 bis 0,05 ml) oberflächlich in die Haut eingespritzt. Der Intrakutan-Test ist empfindlicher als der Prick-Test, die Gefahr örtlicher und allgemeiner Nebenwirkungen ist aber auch größer

 Einschub: Patientenabzocke durch sinnlose Allergietests

Sowohl die deutschen Allergologenverbänden als auch die Arbeitsgruppe der entsprechenden österreichischen und schweizerischen Gesellschaften haben fundierte ablehnende Stellungnahmen bezüglicher der von mehreren Firmen bzw. Laboratorien angebotenen IgG- oder IgG4-Nahrungsmittel-Bestimmungen abgegeben.Diese sind als sowohl kostspielig für den Patienten als auch wissenschaftlich als unsinnig abzulehnen.

Die angebotenen IgG/IgG4-Bestimmungen auf einer breiten Palette von bis zu 100 Nahrungsmittelallergenen ist als diagnostischer Suchtest einer Nahrungsmittelallergie strikt abzulehnen, da nahrungsspezifische IgG-Antikörper physiologisch auch bei Gesunden oder bei einer ganzen Reihe von entzündlichen Darmerkrankungen als Epiphänomen angetroffen werden. So sind z.B. IgG-Antikörper bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern sehr häufig (60 -80 %) zu finden. In Untersuchungen mit oralen Provokationstestungen an Patienten mit  Nahrungsmittelüberempfindlichkeit vermochte eine IgG-RAST-Bestimmung nicht die provokationspositiven von den provokationsnegativen  Probanden zu unterscheiden. Der Nachweis nahrungsmittelspezifischer Antikörper ist in erster Linie Ausdruck einer Auseinandersetzung des Immunsystems mit diesem Antigen, sagt aber nicht über deren pathogene Rolle aus. Auch die diagnostische Bedeutung von nahrungsspezifischen igG-Subklassen, wie IgG4 oder IgA, wird als gering eingestuft.  Demzufolge sind auch die anschließenden Diätempfehlungen auf einer derartigen  Grundlage unsinnig und entbehren jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, ja sind sogar gefährlich. Dass die Patienten nach dem Rotationsprinzip die verbotenen Nahrungsmittel nach einer Zeitspanne von einigen Tagen, einigen Wochen bis maximale 6 Monaten wieder zu sich nehmen können, lässt zudem an der Diagnose zweifeln, denn erfahrungsgemäß kann eine echte, IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie auch nach einer strikten Karenz über Jahre persistieren, so dass eine unbeabsichtigte Zufuhr des spezifischen Nahrungmitteln zu einer schweren allergischen Reaktion bis zum anaphylaktischen Schock führen kann.

In-vitro-Allergiediagnostik 

  • Gesamt-IgE
    Das Gesamt-IgE dient im Zusammenhang mit der Bestimmung des spezifischen IgE als zusätzlicher Parameter zur Beurteilung für die spezifischen IgE-Titer, es kann jedoch eine spezifische Sensibilisierung nie ausschließen oder nachweisen. Zum “Atopie-Screening” ist das Gesamt-IgE nur eingeschränkt geeignet.
    Außerhalb der Allergologie besitzt das Gesamt-IgE vor allem Bedeutung bei der Diagnostik von Parasitosen oder Immundefekten 
  • spezifisches IgE
    Durch den Nachweis erhöhter Tiger von allergen-spezifischen IgE-Antikörper lässt sich eine (IgE-vermittelte) spezifische Sensibilisierung dokumentieren, deren klinische Aktualität/Relevanz mittels Anamnese und ggf. Provokationstestung bewertet werden muss 
  • allergenspezifisches IgG/IgG4
    Bei allergischen Soforttypreaktionen ist die pathogenetische Bedeutung von allergenspezifischen IgG-Antikörper ungeklärt. Ihre Bestimmung hat keine diagnostische Bedeutung. Der Nachweis von allergenspezifischen IgG-Subklassen reflektiert eine Allergenexposition, zeigt aber keine Relevanz bezüglich spezifischer klinischer Symptomatik. Eine definitive Bedeutung von IgG4 als anaphylaktischer bzw. als blockierender Antikörper mit protektiver Wirkung für die Typ I-Allergie konnte auch durch zahlreiche Studien nicht klar belegt werden, obwohl IgG-Antikörper unter spezifischer Immuntherapie ansteigen.
    Die Bestimmung von allergenspezifischen IgG-Antikörpern stellt einen Baustein bei der Diagnostik der exogen-allergischen Alveolitis dar.  
  • Testsysteme mit Mastzellen, basophilen und eosinophilen Granulozyten und T-Lymphozyten bzw. ihren Produkten/Mediatoren aus basophilen Granulozyten und Mastzellen: Histamin, Tryptase
    Die Bestimmung von Histamin im Plasma oder Urin  besitzt auf Grund der raschen Metabolisierung im Organismus und dem Einfluss zahlreicher Variablen keinen diagnostischen Stellenwert bei allergischen Ereignissen.
    Erhöhte Tryptase-Konzentrationen im Blut sind ein Hinweis auf eine Reaktion mit Mastzellbeteiligung; normal-niedrige Werte schließen diese nicht aus. 
  • Mediatoren aus eosinophilen Granulozyten
    Erhöhte ECP-Konzentrationen spiegeln den Aktivierungszustand der eosinophilen Leukozyten wider, gestatten aber keine Zuordnung oder Abklärung von bestimmten allergischen Erkrankungen. 
  • zelluläre Allergen-Stimulationstests
    Zelluläre Allergen-Stimulationstests können in Einzelfällen bei Allergenen mit fehlender Möglichkeit zur Bestimmung des spezifischen IgE und/oder negativem spezifischem IgE und extrem niedrigem Gesamt-IgE eine Sensibilisierung aufdecken.
    Sie sollten nur von Labors durchgeführt werden, die über umfangreiche Erfahrung mit zellulären Allergietest verfügen. 
  • Aktivierung und Histamin-Freisetzung aus basophilen Granulozyten
    Der Histamin-Freisetzungstest aus basophilen Granulozyten ist aufwendig und nicht zur Routinediagnostik geeignet. Er sollte bei Verdacht einer IgE-vermittelten Allergie und unklaren diagnostischen Vorbefunden der spezialisierten In-vitro-Allergiediagnostik und wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten bleiben. 
  • Bestimmung anderer Effektorzellmediatoren (Leukotrien-Freisetzungstest)
    Dieser Test ist komplex und nicht zur Routinediagnostik geeignet, zumal wenige systematische, kontrollierte Studien zur diagnostischen Wertigkeit vorliegen. Bei Verdacht einer IgE-vermittelten Allergie und unklaren diagnostischen Vorbefunden kann er der spezialisierten In-vitro-Allergie-Diagnostik dienen und für wissenschaftliche Fragestellungen eingesetzt werden. 
  • Lymphozyten-Stimulationstest (LST), z.B. Lymphozyten-Transformationstest (LTT)
    Medikamentenallergien (insb. Arzneimittelexantheme)  sind die häufigste Indikation für die Durchführung von LST: Gute Ergebnisse lassen sich bei Penicillinallergien finden, auch für Carbamazepin u. Phenytoin liegen publizierte Bericht über aussagekräftige LST-Ergebnisse vor. Kleine Fallzahlen über positive LST liegen für weitere Pharmaka wie Nitrofurantoin, Chinidin, Nystatin, Captopril, Ibuprofen, Aminophenazon oder Propyphenazon vor.
    Bei Nahrungsmittel- und Inhalationsallergenen besteht das Problem mit kontaminierenden Endotoxinen, die fast obligat als Kontaminanten in Proteinfraktionen zu finden sind und zu falsch positiven Ergebnissen (bei Kontrollpersonen) führen können.
    Die Indikation des LST bei epikutanen Kontaktallergenen beseht bei wissenschaftlichen, kaum jedoch bei klinischen Fragestellungen. Für diesen aufwendigen und für die meisten Allergene nicht validierten Test gibt es eigentliche keine Indikation um ihn dem Hauttest vorzuziehen. Ein unkritischer Einsatz von LST (oder Modifikationen wie dem MELISA) bei der Abklärung von vermeintlichen Quecksilberallergien ist abzulehnen.
    Probleme bei der Durchführung und Auswertung des LST: Das Ergebnis im LST wird in der Regel als Stimulationsindex angegeben, der sich als Quotient aus der Thymidin-Einbaurate der Zellen mit und ohne Antigenzusatz errechnet. Der Schwellenwert, bei dem ein Test als positiv zu werten wäre, muss für jedes Allergen einzeln ermittelt werden. Es ist für jede zu testende Substanz zu fordern, dass das Labor im Rahmen der Validierung ein Referenzkollektiv von exponierten, jedoch nicht symptomatischen Kontrollpersonen mit untersucht. Für den LST gilt wie für jeden In-vitro-Test, dass er nur vor dem Hintergrund einer klaren klinischen Reaktion zu werten ist. Anders als beim Nachweis von spezifischem IgE ist bei zellulären Proliferationen auf einen Stimulus noch nicht einmal sicher, ob diese dem “allergischen Reaktionsmechanismus” zuzuordnen oder lediglich Ausdruck einer “normalen” Auseinandersetzung des Organismus mit einem Antigen ist.
    Zudem besteht das Problem von häufigen falsch negativen Reaktionen im LST. 

Provokationsteste 

  • nasale Provokationsteste (NPT) 
  • NPT mit Allergenen 
  • NPT mit unspezifischen Stimuli (Histamin, Metacholin, Zigarettenrauch, kalte trocken Luft) 
  • NPT mit Acetylsalicylsäure 
  • bronchiale Provokationsteste 
  • unspezifische inhalative Provokation (Histamin, Methacholin, Carbachol u.a.)
    Bei vorliegender bronchialer Hyperreagibilität lässt sich damit bei gegenwärtig asymptomatischen Patienten mit normaler Lungenfunktion ein Asthma nachweisen bzw. ausschließen 
  •  Belastungsprovokation bei Anstrengungsasthma 
  • Kaltluftprovokation 
  • inhalative Provokation mit hypotoner oder hypertoner Kochsalzlösung 
  • inhalative Allergenprovokation 
  • Analgetikaprovokation
    bei V.a. Analgetika-Asthma-Syndrom 
  • konjunktivale Provokationsteste 
  • orale Provokationsteste
    Nahrungsmittel, Nahrungsmittelzusätze (Farbstoffe, Konservierungsstoffe), Histamin, Medikamente 
  • kutane Provokationsteste
    subkutane Provokation von Medikamenten 
  • Stichprovokation
    bei Bienen u. Wespengiftallergie 

Literatur: 25, 495

Wüthrich: Editor´s Note: IgG/IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel - Patientenabzocke durch sinnlose Allergietests. Allergologie 28, 161-164 (2005)

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