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(16.6.2015)

Alkohol 

Auslöser von Unterträglichkeits-/Intoleranzreaktionen, Auslöser von Typ I-Soforttypreaktionen, Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Alkohole sind chemische Verbindungen, die eine oder mehrere an Kohlen-Wasser-stoffatome gebunden Hydroy(-O-H)-Gruppe besitzen. Umgangssprachlich bezeichnet Alkohol im allgemeinen Sprachgebrauch den zur Gruppe der Alkohole gehörenden Äthylalkohol (syn.: Äthanol, Ethanol, INCI: Alcohol) der durch Vergärung von Zucker aus unterschiedlichen Grundstoffen gewonnen wird und berauschende Wirkung hat. Als Nahrungs-, Genuss- und Rauschmittel haben alkoholische Getränke eine jahrtausendealte Tradition.

Alkohole gehören neben Wasser zu den wichtigsten Lösungsmitteln für kosmetische Zubereitungen, da viele Substanzen nur eine mäßige Löslichkeit in Wasser besitzen. Kosmetischer Alkohol wird daher für die Herstellung von zahlreichen Duftstoffen, Deodorants, Rasierwasser, Mündspüllösungen und Haarfärbe- und pflegeprodukten eingesetzt. Kosmetische Wirkung: schaumvermindernd, antimikrobiell, adstringierend, maskierend, Lösungsmittel, viskositätsregelnd.  Innerhalb kosmetischer Mittel verwendet man vor allem als Alkohole: Ethylalkohol (Ethanol) und Isopropylalkohol (Isopropanol) sowie die mehrwertigen Alkohole Glycerol, Propylenglykol, Butylenglykol, Pentylenglykol und Hexylenglykol.

Alkohole werden zudem als Wirkstoffe für die Desinfetion eingesetzt; aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften haben sich fast ausschließlich Ethanol, 1-Propanol und 2-Propanol (syn.: Isopropanol, Isopropylalkohol).

Siehe auch unter “Bier” und “ Wein” 

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

C9-11 alcohols (INCI). Alkohole, C9-11-. Funktion: geschmeidig machend, emulsionsstabilisierend, viskositätsregelnd

C9-11 pareth-3 (INCI). Alkohole, C9-11, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C9-11 pareth-6 (INCI). Alkohole, C9-11, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C9-11 pareth-8 (INCI). Alkohole, C9-11, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-15 pareth-3 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-15 pareth-5 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-15 pareth-7 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-15 pareth-9 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-15 pareth-12 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C11-15 pareth-15 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-15 pareth-20 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C11-15 pareth-30 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C11-15 pareth-40 (INCI). Alkohole, C11-15, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C11-15 sec-pareth-12 (INCI). Alkohole, C11-15-sekundär, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C11-21 pareth-3 (INCI). Alkohole, C11-21, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C11-21 pareth-10 (INCI). Alkohole, C11-21, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C12-13 alcohols (INCI). Alkohole, C12-13-. Funktion: geschmeidig machend, emulsionsstabilisierend, viskositätsregelnd

C12-13 pareth-2 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C12-13 pareth-3 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-13 pareth-4 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-13 pareth-5 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend, Tensid

C12-13 pareth-7 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-13 pareth-9 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-13 pareth-10 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-13 pareth-15 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-13 pareth-23 (INCI). Alkohole, C12-13, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-14 pareth-3 (INCI). Alkohole, C12-14, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-14 pareth-7 (INCI). Alkohole, C12-14, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-14 pareth-12 (INCI). Alkohole, C12-14, ethoxyliert. Funktion: emulgierend

C12-15 alcohols (INCI). Alkohole, C12-13-. Funktion: geschmeidig machend, emulsionsstabilisierend, viskositätsregelnd

Cetyl C12-15 pareth-9 carboxalate (INCI). Funktion: geschmeidig machend

4,6-Bis(2-Hydroxyethoxy)-m-penylenediamin hcl (INCI). Chem. Bezeichnung: Ethanol, 2,2-(4,6-Diamino-1,3-phenylen)bis(oxy)]bis-, dihydrochlorid. Kosmetische Funktion: haarfärbend

2-Amino-4-Hydroxyethylaminoanisole (INCI). Chem. Bezeichnung: 2-((3-Amino-4-methoxyphenyl)amino)ethanol. Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff, Funktion: haarfärbend. Bei dem 2-Amino-4-Hydroxyethylaminoanisole Sulfate (INCI) handelt es sich um dessen Salz, das ebenfalls als oxidatives Haarfärbemittel eingesetzt wird.

Butoxydiglycol (INCI). 2-(2-Butoxyethoxy)ethanol. Kosmetische Funktion: Lösungsmittel

Butoxyethanol (INCI). 2-Butoxyethanol. Kosmetische Funktion: Lösungsmittel

Butoxypropanol (INCI). 1-Butoxypropan-2-ol. Kosmetische Funktion: feuchthaltend

Aminomethyl Propanol (INCI). 2-Amino-2-methylpropanol. Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff, Funktion: puffernd

Allergologie (Relevanz)

Häufigste kutane Nebenwirkungsreaktion nach Alkohol-Genuss ist ein Flushing im Gesichtsbereich, das die Symptome einer Rosacea verstärken kann.

Eine echte Ethanolallergie ist umstritten.  Anaphylaktische Reaktionen nach Alkoholgenuss sind äußerst selten und in wenigen Einzelfällen beschrieben u.a. einer lebensbedrohlichen, schweren anaphylaktischer Reation mit Urtikaria,  Angioödemen und Blutdruckabfall. Bestätigt wurde dies mit oralen Provokationstestungen auf Ethanol, Anstieg deS Serumtryptase-Spiegel sowie positiver Pricktest-Reaktion auf 2 %ige Essigsäure (ein Abbauprodukt des Ethanol); jedoch negativer Reaktion auf verschiedene Ethanol-Konzentrationen, so dass sich die Frage stellt, ob nicht die Essigsäure das tatsächlich klinisch wirksame Allergen darstellt. 

Hinter allergischen Reaktionen nach Genus alkoholischer Getränke verbergen sich jedoch in der Regel andere Mechanismen: 

  • eine Sensibilisierung durch andere Bestandteile der alkoholischen Getränke (Geschmacksstoffe, Getreide- oder Obstallergen), insbesondere gilt dies für Wein, Bier, Likör u.a. 
  • die Resorptionsförderung für andere Allergene, die zusammen mit dem Alkohol aufgenommen wurden. Dadurch kann eine normalerweise unterschwellige Dosis zu klinischen Erscheinungen, u.U. auch zur Erstmanifestation führen, mit der Gefahr entsprechender Fehldeutung 
  • pseudoallergische Reaktionen (Sulfitintoleranz durch Metabisulfit im Wein, Histamin-Intoleranz  - siehe unter “biogene Amine”) 
  • Verstärkung vasomotorischer Reaktionen durch den Alkohol selbst 

Alkoholintoleranzsyndrome sind meistens auf metabolischer Ebene zu erklären, sei es durch einen genetischen Defekt oder einen pharmakologischen Enzymmangel oder aber durch Systemerkrankungen. Die Existenz immunologisch mediierter Alkoholintoleranzreaktionen ist nicht gesicht, ist aber in seltenen Fällen warhscheinlich, insbesondere bei urtikariellen und/oder anaphylaktischen Reaktionen.

Vereinzelt führt Alkoholgenuss zu asthmatischen Beschwerden. Meist werden Zusatzstoffe der alkoholischen Getränke ursächlich verantwortlich gemacht, obwohl von einigen Autoren auch eine echte Äthanol-Allergie vermutet wird; auch pseudoallergische Mechanismen werden angenommen. 

In Asien ist das Problem ungleich größer. Etwa die Hälfte der Asthmatiker in Japan geben Asthmaexazerbationen nach Alkoholgenuss an. Hier konnten Veränderungen im Acetaldhyd-Metabolismus und genetische Ursachen im Rahmen des Polymorphismus der Acetaldehyd-Dehydrogenase 2 gefunden werden; diese Ergebnisse weisen auf ein pseudoallergische Ursache als Auslöser von asthmatischen Reaktionen nach Genuss alkoholischer Getränke hin. 

Auch in der deutschen Literatur wird auf unterschiedliche Mechanismen der Alkoholintoleranz bei Asthma bronchiale Patienten hingewiesen. Bei einem Teil der Patienten konnte durch Provokationstestungen festgestellt werden, dass Äthanol per se eine Bronchokonstriktion auslöst. Diese Art der Intoleranz tritt wohl bevorzugt bei Analgetika-Asthma-Patienten auf. Bei anderen Patienten konnte im oralen Expositionstest eine Intoleranz gegenüber dem Additivum Natriummetabisulfit festgestellt werden. 

Beim sogenannten Analgetika-Asthma-Syndrom (eine Kombination non nicht-allergischem Asthma, Nasenpolypen und Acetylsalicylsäure-Intoleranz = Samter-Syndrom) ist eine Alkoholintoleranz recht charakteristisch. Die Patienten klagen über vermehrte Atembeschwerden und verstopfte Nase nach Alkoholgenuss. Man nimmt an , dass Alkohol die Blutgefäße in den erkrankten Schleimhäuten der oberen und unteren Atemwege erweitert und es somit zu Schleimhautschwellungen kommen. Dadurch werden die Symptome Engegefühl und verstopfte Nase ausgelöst.

Beschrieben ist der Fallbericht eines Patienten, der nach Genuss von alkoholhaltigen Getränken mit einer Urtikaria und leichten anaphylaktoiden Reaktionen reagierte. Ein immunologischer Pathomechanismus bei positivem oralem Provokationstest mit reinem Ethanol (20 %) wurde dabei angenommen. Ungewöhnlich in diesem Fall war jedoch ein positiver Pricktest für Essigsäure (5 %) sowie auch für Acetaldehyd (50 und 100 %). Acetaldehyd gilt als Hapten für die Vermittlung einer immunologisch bedingten Alkoholintoleranzreaktion, ein positiver Pricktest würde nur bei Bildung eines kompletten Neoantigens erwartet.

Bei lokaler Anwendung kann Alkohol eine hautaustrocknende und irritative Wirkung besitzen und sollte daher nicht unverdünnt auf die Haut aufgebracht werden. Daneben können auch Kontaktekzeme nach lokaler Ethanol-Anwendung in sehr seltenen Fällen auftreten. Ein Fall einer späteren Komplikation mit einem generaliserten Exanthem, bei verzögerter allergischer Reaktion auf Alkohol, wurde dabei zudem beobachtet.

Bei wiederholtem Kontakt wirkt flüssiges Ethanol entfettend auf die Haut und kann irritativ bedingte Entzündungen verursachen. Für ein bedeutendes sensibilisierendes Potential des E. gibt jedoch keinen Anhalt. Einige Fallberichte beschreiben beruflich oder außerberuflich erworbene Kontaktdermatitiden, für die eine allergische Genese und E. als auslösendes Agens mittels Epikutantests nachweisbar war. Die Hautreaktionen zeigten sich zum Teil auch nach Genuß alkoholischer Getränke (zusätzlich Erytheme, aphthöse Läsionen und Brennen der Mundschleimhaut).

Eine hautreizende Wirkung war bei Propanol nur bei vorhergehender oberflächlicher Schädigung der Haut erkennbar. Eine Sensibilisierung wurde in mehreren Versuchen im Tierversuch nicht beobachtet. Nach wiederholtem Hautkontakt wurden in seltenen Fällen entzündliche Hauterkrankungen allergischen Ursprungs beschrieben. Unabhängig davon wurde in der Schweiz empfohlen, Propanol - auch in konzentrierter Form - für medizinische Zwecke statt des Ethanols extern sowie auch zur Formulierung von Mundpflegemitteln anzuwenden. Allerdings sollte bei größerflächiger Anwendung als externes Desinfektionsmittel gewährleistet werden, daß nicht mehr als 500 mg/Tag resorbiert werden.

Aminomethyl Propanol gilt als unbenklich für den Einsatz in Kosmetika, allergische Reaktionen sind bisher nicht bekannt oder beschrieben.

Zu "Propylenglyokol" siehe dort.

Literatur: 35 

Kanny et al: Food allergy to alcohol. Allergy 58, 535 (2003) 

Schwarzenbach-Stöckli, Bircher: Alkoholintoleranz bei Überempfindlichkeit gegenüber Acetaldehyd und Essigsäure. Allergologie 30, 139-141 (2007)

Fernando et al: Two Case Reports of Life-Threatening Ethanol-Induced Anaphylaxis. Caxe Rep Dermatol 1, 1-6 (2009)

Nakagawa et al: Urticarial reaction caused by ethanol. Allergol Int 55, 411-414 (2006)

Boehncke, Gall: Ethanol metabolite acetic acid as causative agent for type-1 hypersensitivity-like reactions to alcoholic beverages. Clin Exp Allergy 26, 1089-1091 (2996)

Burnett al: Final amended report on safety assessment on aminomethyl propanol and aminomethyl propanediol. Int J Toxicol 28 (Suppl), 141-161 (2009)#

http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/011190.xml?f=templates$fn=default.htm$3.0

http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/011190.xml?f=templates$fn=default.htm$3.0

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