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Molybdän

Funktion

Molybdän ist ein essenzielles Spurenelement, das an einer Reihe von enzymatischen Reaktionen in vielen Mikroorganismen und Säugetieren beteiligt ist. Es gibt mehrere bekannte Molybdän-haltige Enzyme: Xanthinoxidase/Dehydrogenase, Aldehydoxidase und Sulfitoxidase. Darüberhinaus katalysieren Molybdän-Systeme die Reduktion von Nitrat, entweder für die Assimilation von Stickstoff oder zu dessen Oxidation, und zur Verringerung von Sticktoff. Das gemeinsame Merkmal dieser Reaktionen ist die Übertragung einer ausgeglichenen Anzahl von Elektronen oder von Substraten. Die Übertragung von Sauerstoffatomen von Wasser auf eine Vielzahl von Verbindungen wird dabei katalysiert. Die Aldehydoxidasen oxidieren und entgiften verschiedene Aldehyde, Pynmidine, Purine, Pteridine und verwandte Verbindungen. Die Xanthinoxidase katalysiert die Umwandlung von Xanthin zu Harnsäure. Darüberhinaus werden Hypoxanthin und andere verwandte Verbindungen ebenfalls von diesem Enzym oxidiert. Die Xanthindehydrogensen verhalten sich ähnlich, indem sie Elektronen übertragen, jedoch zu anderen Rezeptoren als Sauerstoff. Die Sufliteoxidase, ein intramitochondriales Enzym in einer Vielzahl von Organismen, katalysiert die Umwandlung von Sulfit zu Sulfat.

Vorkommen

Der Gehalt an Molybdän in Lebensmitteln schwankt stark, er ist abhängig von den Böden. Molybdän kommt vor allem in Hülsenfrüchten, Weizenkeimen, Gewürzpflanzen (Dill, Petersilie, Schnittlauch), Innereien und Eiern vor. Es ist außerdem ein Teil des Getreidekeims. Beim Ausmahlen von Getreide geht es aber in erheb-lichen Mengen verloren. Im Mehl sind nur noch 40% des Molybdäns enthalten. Molybdän kommt außerdem im Trinkwasser in unterschiedlichen Mengen vor.

100 g Lebensmittel enthalten (in Mikrogramm)

  • Sojamehl  180,0
  • Rotkohl  120
  • weiße Bohnen  80,0
  • Trockenerbsen 70,0
  • Spinat  50,0
  • grüne Bohnen 43,0
  • Weizenvollkornbrot 31,0
  • Schweinefleisch

 Klinische Bedeutung

Erhöhter Bedarf besteht bei

  • Kupfermangel
  • Gicht
  • Resorptionsstörungen
  • Magersucht
  • längerer künstlicher Ernährung
  • Belastung mit Chemikalien
  • oxidatiem Sress
  • gestörter Darmflor (Darmdysbiopsie)
  • hohen Harnsäure-Werten
  • gichtähnlichen Symptomen

Mangelerscheinungen bei Molybdän sind kaum bekannt. Bei einigen Krank heiten ist jedoch ein Mangel möglich. Bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen wie chronische Darmentzündungen und Morbus Crohn können umfangreiche Verluste von Molybdän über den Stuhl erfolgen, die Ausscheidung kann dabei bis zu 400 Mikrogramm/Tag betragen. In allen Fällen eines Mangels an Molybdän ist der Stoffwechsel von schwefelhaltigen Aminosäuren und von Nukleotiden (Baustein der Nucleinsäuren) gestört, weiter sinkt die Produktion von Harnsäure und der antioxidative Schutz. Zu den typischen Symptomen gehören Funktionsstörungen an den Nerven und im Gehirn, Herzjagen, Kurzatmigkeit, Nachtblindheit und Erregtheit. Durch einen Mangel an Molybdän können weiter Bauchkrämpfe, Übelkeit, Durchfälle, Atembeschwerden, Benommenheit, Juckreiz, Schwellungen und schwankende Stimmungen entstehen. Molybdän hat vermutlich auch einen Einfluss auf die Kariesentwicklung. Aus Regionen mit höheren Molybdängehalten im Boden und im Trinkwasser ist bekannt, dass Karies seltener auftritt. Vermutlich kann Molybdän die Resorption und die Speicherung von Fluoriden erleichtern. Dies könnte zur Senkung von Karies ebenso wie von Osteoporosen beitragen. Unterstützend kann Molybdän außerdem bei einigen Krankheiten wirken. Dazu gehören beispielsweise Hautinfektionen, Schleimhautentzündungen (Magen, Dünndarm) und Krebskrankheiten, die auf eine Hormonzufuhr ansprechen.

In einer Untersuchung wurde ein Zusammenhang zwischen erniedrigtem Molybdän und dem verstärkten Auftreten von Magenkrebs festgestellt. Haar- und Serum-Molybdängehalte waren dabei bei Patienten mit Magenkrebs niedriger als bei gesunden Kontrollpersonen. Dies deutet darauf hin, dass ein Molybdän-Mangel im menschlichen Körper eine Ursache für Magenkrebs sein kann. Auch bei Patienten mit Gastritis und Magengeschwüren können erniedrigte Molybdän-Spiegel in der Magenschleimhaut gemessen werden. Eine gewisse Menge an Molybdän im menschlichen Körper kann die Aufnahme von Nitrat und Nitrit vermindern und für eine verbesserte Entgiftung von Karzinogenen sorgen, um so für eine Schutzfunktion in der Mangenschleimhaut zu sorgen.

Molybdän ist wichtig für

  • Schutz vor Karies
  • Aktivierung von Enzymen
  • Energiestoffwechsel
  • Leberfunktion
  • Nierenfunktion
  • Kupfer- und Eisenstoffwechsel
  • Schutz vor Hautkranktheiten
  • Schutz vor Schleimhautentzündungen
  • Schutz vor Krebskrankheiten

Molybdän kann helfen bei

  • geringererer Harnsäurekonzentration
  • übermäßiger Aufnahme von Kupfer
  • leichter Erregbarkeit/Stimmungsschwankungen
  • Kurzatmigkeit/Atembeschwerden
  • Juckreiz
  • Übelkeit
  • chronischen Darmentzündungen
  • Benommenheit
  • Morbus Crohn
  • Herzjagen (Tachykardie)
  • Nachtblindheit
  • Durchfällen
  • Schwellungen

Bedarf

In Sudien wurde geschätzt, dass die durchschnittliche Ernährung 200 bis 500 Mikrogramm Molybdän pro Tag enthält. In Deutschland werden in den neuen Referenzwerten für Kinder ab 10 Jahre und für Erwachsene jeden Alters 50 bis 100 Mikrogramm empfohlen. Der Bedarf wurde damit deutlich vermindert. Wie in den USA wurden auch bei uns vorher täglich 75 bis 250 Mikrogramm empfohlen. Ortho-molekulare Therapeuten empfehlen tägliche Mengen bis zu 500 Mikrogramm. Es wird jedoch auch geschätzt, dass Kinder und Jugendliche mehr Molybdän benötigen als Erwachsene.

Molybdän wird aus der Nahrung im allgemeinen gut resorbiert (bis zu 80%). Wir nehmen bei einer normalen Mischkost täglich etwa 70 bis 100 mcg Molybdän auf. Bekannt ist, dass verschiedene Faktoren die Aufnahme von Molybdän behindern können. Einige Kupfer- und Schwefelverbindungen können die Resorption hemmen. Umgekehrt können hohe Aufnahmen von Molybdän Kupferverluste steigern.

Überdosierung/Nebenwirkungen

Molybdän gilt in normalen Dosierungen als nicht toxisch. Allenfalls bei sehr hohen Zufuhren von 10 bis 15 Milligramm täglich erhöht sich die Produktion der Harnsäure, und es bilden sich gichtähnliche Symptome.

Bekannt ist ein möglicher Überschuss an Molybdän als Folge einer zu hohen Belastung bei einigen industriellen Arbeitsprozessen, beispielsweise in Gießereien und bei der Farbenherstellung. Die dadurch möglicherweise entstehenden Symptome ähneln ebenfalls denen der Gicht.

Vorbeugung

Zur allgemeinen Vorbeugung ist Molybdän in der Regel nicht nötig. Ein Mehrbedarf oder gar ein Mangel kann jedoch bei verschiedenen Belastungen und Krankheiten vorhanden sein. In solchen Fällen sind Ergänzungen sinnvoll. Sie werden dann eventuell auch höher als der tägliche Bedarf dosiert und sollten therapeutisch verordnet sein.

Literatur:

Naji et al: Molybdenum - is it an essential trace metal. Bull NY Acad med 60, 163-171 (1984)

Guang-Hui Cao et al: A study of the relationship between trace element Mo and gastric cancer. World J Gastroenterol 4, 55-56 (1998)

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