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Biostoffe - Selen

Wirkung von Selen

Bei Selen handelt sich um ein essentielles Spurenelement, das eine wichtige Rolle im Körper des Menschen spielt. Selen weist mit 20-30 mg den vierthöchsten Gehalt eines Spurenelements auf und wird nur von Fe, Zn und Cu übertroffen. Es tritt im Organismus als Selenomethinoin und Selenocystein auf und ist in diesen beiden Formen in elf Selenproteinen enthalten, vier dieser Selenproteine sind Glutathionperoxidasen. Dieses Enzym wirkt, zusammen mit Vitamin E und C und schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystein, der Lipidperoxidation in Membranen von Zellen und Zellorganellen entgegen und soll so die Bildung zellschädigender Produkte des oxidativen Stoffwechsels verhindern.Menge und Verteilung der selenhaltigen Proteine werden von der Menge und der Form des Selens in der Nahrung beeinflusst. So bleibt bei Verminderung oder Erhöhung der alimentären Selenzufuhr die Aktivität der Glutathionperoxidasen unverändert, während die Konzentration anderer Selenproteine Schwankungen zeigen.

Selen regelt in Form von Selenoproteinen die Schilddrüsenfunktion, stärkt die Immunabwehr und schützt den Körper vor freien Radikalen. Ebenso wirkt es als Antidot bei Vergiftungen durch Arsen, Blei, Cadmium und Quecksibler (Metallselenid-Verbindungen werden nicht resorbiert). Bei erhöhtem Selenspiegel wird ein reduziertes Krebsrisiko vermutet. Selen wird für die Spermienmotilität benötigt und steht in Verbindung der Progression von HIV zu AIDS in Diskussion. Selenmangel wird ebenfalls mit Depressionen in Verbindung gebracht. Aus epidemiologischen Studien gibt es Hinweise, dass ein niedriger Selenspiegel mit einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko korreliert.

Als Bestandteil der Jodthyronin-Dejodase, die vor allem in Leber, Niere und Muskulatur vorkommt, ist Selen für die Aktivierung und Deaktivierung von Schilddrüsenhormonen von Bedeutung. Die Dejodase katalysiert die Umwandlung des Prohormons Thyroxin (T4) zum biologisch aktiven Schilddrüsenhormon Trijodothyronin (T3) sowie die Umwandlung von T3. Ist die Selenzufuhr unzureichend, kommt es zur Erhöhung des Verhältnisses T4 zu T3 im Serum, was mit Funktionsstörungen der Schilddrüseeinhergehen kann. Bei Selenmangel kann daher die T3 Produktion vermindert sein (Hypothyreose). Für die Aufrechterhaltung einer normalen Schilddrüsenfunktion ist daher nicht nur Jod, sondern auch Selen notwendig. 

Selen wird als Stimulator der humoralen und zellulären Immunität zahlreiche immunmodulierende Effekte nachgesagt:

  • Produktion von Antikörpern, insbesondere des IgG, von gamma-Interferon und des Tumor-Nekrose-Faktors (TNF)
  • Stimulierung der Chemotaxis von Neutrophilen
  • Hemmung der Aktivität von Suppressorzellen
  • Erhöhung der Zytotoxizität von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) und zytotoxischen T-Lymphozyten

Empfohlene Selenzufuhr

Die Selenzufuhr von Erwachsenen in verschiedenen Ländern zeigt in der wissenschaftlichen Literatur eine ausgeprägte Variationsbreite von 30 - 300 Mikrogramm/Tag. In den USA werden ca. 60 bis 200 Mikrog/d aufgenommen. In Deutschland nehmen Erwachsene im Mittel etwa 38 Mikrog/d bei Frauen und 47 Mikrog/d bei Männern auf, in einer anderen Publikation wird eine Selenaufnahme von 16-70 Mikrog/d Selen an.

Die empfohlene Tagesdosis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Selen bei Männern und Frauen beträgt 30 - 70 Mikrog/d. Das US National Research Coucil (US NRC) empfiehlt einen körpergewichtsbezogenen Wert für Selen von ca. 1,0 Mikrog/d.

Bei akuten als auch längerfristigen therapeutisch indizierten und ärztlich kontrollierten Selengabe bis 400 Mikrogramm/Tag sind für Erwachsene keine toxischen Wirkungen zu erwarten. Zur Verhinderung toxischer Effekte sollte die tägliche Selenzufuhr von 700 - 800 Mikrogramm/Tag jedoch nicht überschreiten.

In Deutschland ist nach Angaben der Kommission "Human-Biomonitoring" (2002) die Seelenversorgung durch die Nahrungs vermutlich nicht optimal. Die durchschnittliche Selenzufuhr der deutschen Bevölkerung liegt im unteren Bereich für einen angemessene Selenzufuhr. Dies ist in Deutschland durch eher selenarme Böden bedingt, welches durch einseitiges oder sehr regionales Essverhalten verstärkt werden kann. Bei einer aktuellen Studie lag die Selenversorgung bei zwei Drittel der Probandinnen dieser Studie im unteren Bereich der von der DEG ermpfohlen Tagesdosis. Als wichtigste Gruppe für einen erhöhten Selenbedarf sind insbesondere Schwangere und stillende Mütter anzusehen.

Die mittlere Selenaufnahme in Deutschland liegt zwar oberhalb des minimalen Serumsbedarfs, dennoch ist aufgrund der Streubreite der Selenspiegel zu erwarten, dass bei Personen mit niedriger durchschnittlicher Selenaufnahme ein (latenter) Selenmangel eintreten kann.

Bei der Frage nach den möglichen Folgen einer suboptimalen Selenzufuhr steht der Zusammenhang mit der Inzidenz bösartiger Tumoren im Vordergrund des Interesses. In diversen epidemiologischen Studien wurde eine inverse Beziehung der Höhe der alimentären Selenzufuhr, dem Selengehalt des Bodens oder Trinkswassers oder der Krebsmodalität gefunden. Bei Krebspatienten konnten in einigen Studien auch niedrige Selenblutspiegel gefunden werden als bei gesunden Vergleichspersonen. Diese epidemiologischen Angaben werden durch die Ergebnisse von Tierexperimenten unterstützt. Auf Grund der der für Selen reklamierten Wirkungen (antioxidative Wirkung, Aktivierung der DNA-Reperaturmechanismen, Stimulierung der Antikörperfunktion etc.) finden sich in der Literatur immer wieder Empfehlungen zur Selensupplementierung. Als Dosierung wird am häufigsten eine Selenzufuhr von 300 Migrogramm/Tag empfohlen. Zu bevorzugen sind dabei anorganische Selenformen (Selenite), da sie am effektivsten sind und die geringste Toxizität aufweisen.

Selenaufnahme

Selen kommt in pflanzlichen und tierischen Eiweißen als Aminosäure Selenomethinoin und Selenocystein. Gute Selenquellen sind Innereien, Fisch (überwiegend Salzwasserfische), Meeresfrüchte, Nüsse - insbesondere Kokos- und Paranuss -, Haferflocken, Mais, Buchweizen, Eier, einzelne Pilzarten sowie getrocknete (nicht gekochte!) Hülsenfrüchte. In Kuhmilch findet man dagegen relativ wenig Selen, in Käse etwas mehr. Obst und Gemüse (außer Paprika)  tragen wenig, Trinkwasser so gut wie gar nichts zur Selenversorgung bei

Der Selengehalt der Nahrungsmittel ist vom Boden abhängig und variiert stark, in Deutschland sind die Böden in der Regel selenarm. Die regionalen Schwankungen erschweren jedoch die Einschränkung des Selenstatus der Bevölkerung. Zudem sind übersäuerte Böden durch Umwelteinflüsse wie sauren Regen und Überdüngung mit Ammoniumsulfat sind dafür verantwortlich, dass das Spurenelement schlecht für Pflanzen verfügbar ist. Schwermetalle im Boden vermindern ebenfalls die Aufnahme des Selens in Getreide.

Bei der Vermahlung von Getreidekörnern treten zusätzliche Selen-Verluste auf, die bis zu 50 % betragen können. Anschließende Lagerung führt zu weiteren erheblichen Selenverlusten.

Paranüsse aus dem Amazonasgebiet enthalten je 100 g im Mittel 103 Mikrog Selen. Mit drei nüssen könnte man demnach die täglich empfohlen Zufuhrmenge an Selen aufnehmen

Deutsches Getreide ist im Gegensatz zu amerikanischem selenarm.

Mengenangaben für Selen pro 100 g in Mikrogramm (Durchschnittswerte) von besonders reichhaltigen Seelenquellen:

  • Hühnerei 19,85
  • Kalbsniere 40,0
  • Rinderleber 20,59
  • Rinderniere 112,00
  • Schweineleber 56,26
  • Schweineniere 203,00
  • Flunder 45,71
  • Hering 54,79 - verarbeitere Heringprodukte enthalten praktisch kein Selen
  • Kabeljau 27,88
  • Makrele 38,96
  • Rotbarsch 44,00
  • Sardine 60,00 - Sardinen in Öl 13,00
  • Scholle 33,45
  • Thunfisch 82,00- Thunfisch in Öl 12,00
  • Brassen 72,00
  • Garnele 63,17
  • Hummer 130,00
  • Languste 99,00
  • Miesmuschel 43,00
  • Kamm-Muschel 51,00
  • Tintenfisch 65,00
  • Bückling 141,00
  • Buchweizen (geschältes Korn) 18,00 (Mehl)  4,90
  • Haferflocken 9,70
  • Mais (ganzes Korn) 16,00
  • Paprika 4,26
  • Bohne (weiß, getrocknet) 14,40
  • Linse (getrocknet) 9,91
  • Champignon 7,02 - in Dosen 8,80
  • Steinpilz 184,00
  • Kokosnuss 810.00
  • Paranuss 103,00

Nahrungsergänzungsmittel

Da Selen im Körper gespeichert wird und bei zu hoher Selenzufuhr Vergiftungserscheinungen auftreten, ist eine ausgewogene Ernährung dem unbedarften Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln vorzuziehen.

Selenzusatz zur Nahrungsergänzung ist indiziert bei Jodmangel (aktiviert Schilddrüsenhormone), bei Patienten mit behinderter Selenresorption (Alkoholismus, schwerwiegenden gastrointestinalen Erkrankungen, Magenteilresektion) und schweren Infektionskrankheiten.

Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung sollten Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs auch in Zukunft nicht mit Selen angereichert werden. Bei Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte daher eine Tagesdosis von höchstens 25 - 30 Mikrogramm Selen konsumiert werden.

Auf Grund der fehlenden Langzeiterfahrungen und Gefahr einer Überdosierung auf Grund der geringen therapeutischen Breite von Selen, wäre eine ausgewogene Mischkost (Fleisch, Fisch, Eier, Vollprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte) einer allgemeinen Einnahme von selenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln vorzuziehen.

Literatur

http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/OeingKoeppStephanieYvonne/diss.pdf

http://www.vitalstoff-lexikon.de/index.php?PHPSESSID=826c18dadffce859399cbed41fb4e735&subcatid=451&mode=listarticles&activeMenuNr=5&maincategory=171&maincatid=171&tableExt=-1&menuSet=1&

http://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/infostelle-humanbiomonitoring/pdf/Selen.pdf

 Marktl: Physiologie und Ernährungsphysiologie von Selen  http://www.kup.at/kup/pdf/841.pdf

http://www.umweltdaten.de/gesundheit/monitor/selen.pdf

 

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