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Grund zur Panik besteht nun einmal nicht. Ihr Sohn ist ja jetzt offensichtlich mit einem Notfallset ausgestattet, so dass Sie zunächst für eine erneute allergische Reaktion gut ausgerüstet sein sollten.
Zu meinem besseren Verständnis bitte ich zunächst jedoch um die Beantwortung folgender Fragen:
- Bei dem Ereignis im Kindergarten mit den Flecken und dem anschließenden Übergeben, welche Nahrungsmittel hat er im zeitlichen Zusammenhang (max. 2-3 Std.) zuvor zu sich genommen?
- Wie hat er auf Erbsen und Linsen reagiert?
- Woraus besteht das Notfallset?
- Ein Rast-Wert von 100 ist ausgeschlossen, da je nach Labor es max. 6 Rastklasse gibt. Welche Rast-Klasse auf Erdnuss liegt tatsächlich vor?
- In welcher Uniklinik waren Sie zur Diagnostik bzw. Behandlung?
Viele Grüße
Dr. Roland Irion
Grundsätzlich sollten Sie sich nicht an irgendwelchen Testergebnissen aufhalten, diese sind ohne entsprechende klinische Relevanz vollständig nutz- und wertlos. Bez. des Wertes über 100 sollten Sie allerdings noch einmal bei Ihrem Kinderarzt nachfragen.
Grundsätzlich wichtig und entscheidend für das weitere Vorgehen und das Verständnis für eine allergische Reaktion überhaupt ist die klinische Symptomatik auf eine bestimmtes Nahrungsmittel bzw. eine gewisse Menge dieses Nahrungsmittels. Erdnüsse können so bereits in kleinsten Mengen schwerste anaphylaktische Reaktionen auslösen; wenn dagegen eine allergische Reaktion erst auf größere Mengen (z.B. mehrere Erdnüsse) auftritt ist dies in aller Regel vollständig unproblematisch zu handhaben.
Zunächst noch einmal zu den Erbsen und Linsen. Grundsätzlich sind allergische Reaktionen auf diese Leguminosen sehr selten, als Kreuzreaktion auf die Erdnuss jedoch schon möglich.
http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/3987/Linse/Linse.html
http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/3707/Erbse/Erbse.html
Noch seltener auf Kichererbsen. Dieses Allergen habe ich bisher überhaupt noch nicht beschrieben, was ich jedoch noch nachholen werde.
Ich habe bisher zudem noch nicht verstanden, auf welche Mengen bei Genuss von Linsen und Erbsen dabei die Reaktion mit der Augenschwellung aufgetreten ist und wie häufig bisher (Sie schreiben ja, Sie hätten zuhause weder Linsen noch Erbsen gekocht).
Bei der Erdnuss habe ich auch noch nicht verstanden, ob Ihr Sohn im Kindergarten überhaupt Erdnüsse oder Bestandteile davon zu sich genommen hat. Sie schreiben ja dann später, dass er bisher ansonsten sämtliche Nahrungsmittel, die auch Erdnüsse zumindest in Spuren enthalten haben, stets gut vertragen habe. Die im Kindergarten gegessenen Nahrungsmitteln enthalten doch ganz offensichtlich auch NUR Spuren von Erdnüssen, wenn überhaupt. Eine allergische Reaktion auf Erdnuss wäre somit äußerst unwahrscheinlich.
Der starke Juckreiz und die Nesselsucht sprechen jedoch schon eher für eine allergische Reaktion. Auf welches Allergen jedoch lässt sich so jedoch nicht klären. Die positive Testreaktion im RAST auf Erdnuss (ohne Hinweis von Erdnüssen in der damaligen Mahlzeit) ist daher absolut sinn-und nutzlos (und kann genauso gut als Kreuzreaktion auf eine möglicherweise tatsächlich bestehenden Linsen- oder Erbsenallergie auftreten), insbesondere wenn Ihr Sohn ansonsten Nahrungsmitteln mit zumindest Spuren von Erdnüssen stets gut vertragen hat.
Es ist jedoch sicherlich festzuhalten, dass KEINE schwerwiegende Erdnussallergie vorliegen kann; zudem die damalige Reaktion nicht gerade sehr schwerwiegend war.
Es bliebe dann NUR der weitere Verlauf abzuwarten, ob nochmalige eine derartige Reaktion auftritt und auf welches Nahrungsmittel dann.
Bei dem Notfallset würde ich zunächst bei entsprechend beginnender Symptomatik (Juckreiz, Nesselsucht, Anschwellungen) NUR das Cortison-Zäpfchen und die Fenistil-Tropfen verabreichen. Den Anapen würde ich erst dann geben, wenn die Reaktion tatsächlich schwerwiegender wird und z.B. Atemnot oder Kreislaufbeschwerden auftreten, da die Nebenwirkungen von einfach "so" verabreichtem Adrenalin viel zu groß sind (siehe unter Nebenwirkungen).
Schwerwiegende anaphylaktische Reaktionen, die eine Adrenalin-Gabe notwendig machen, sind zudem äußerst selten zu beobachten!
Wie schon dargestellt, würde ich zunächst den weiteren Verlauf abwarten. Alternativ stellt sich eine Nahrungsmittelprovokation an der Universitätshautklinik Biederstein in München dar. Es wundert mich schon etwas, das man Ihnen gerade dort nicht diese Vorgehensweise gleich als Alternative angeboten hat. Sollte sich die Erdnuss dabei dann tatsächlich als auslösendes Allergen herausstellen, könnte man bei einer deutlichen Sensibilisierung mit ausgeprägter klinischer Relevanz dann auch eine Desensibilisierung auf die Erdnuss durchführen.
Meine liebe, pantoufle
das hört sich ja nach einer sorgenvollen Mutter an.
Ich hoffe, Dr. Irion gestattet es mir, dazu noch ein paar Sätze zu sagen?
Es tut mir leid, das es den 3 jähringen Junior erwischt hat. Haben Sie selbst auch Allergien oder Ihr Mann?
Oftmals vererbt man es. Vielleicht tröstet es einwenig, wenn ich aus meiner 25 jährigen Erfahrung als Allergiker berichte.
Das Erdnüsse hoch allergisch sein sollen, hab ich auch selten gehört. Natürlich sind Erdnüsse als Füllstoffe in unseren Nahrungsmitteln. Seit die Kreuzallergie Haselnuß bekannter ist, werden sie seltener als Geschmacksträger genommen. Haselnuß reagiert über Kreuz bei Birkenpollenallergikern. Und das sind viele Patienten.
Als Allergiker sind wir recht froh, das endlich die Haselnüsse deklariert werden. Konnten wir nie Plätzchen oder ähnliches an Süßigkeiten essen. Erdnüsse gehören nicht zur Familie der Nüsse, sondern Samen und werden stattdessen oft eingesetzt. Völlig ungefährlich also.
Aber Achtung, Erdbeeren gehören zu den Nußfrüchten. Somit hört man auch oft von Reaktionen auf Erdbeeren. Ich las wohl, das in den USA eine Hochburg der Erdnußverzehrer, mittlerweile auch Erdnußallergien auf dem Vormarsch sind. Erbsen dagegen werden sogar in einer Suchdiät verwendet, also meistens völlig stressfrei. Mir liegen sie allerdings lang im Magen und Darm.
Wichtig ist erstmal vor allen Dingen, das sie diese Angst und Sorge ihren Sohn NICHT spüren lassen. Gelassener bleiben. Sie haben ja ein Notfallpaket und das wird helfen. Der Rat von Dr. Irion ist genau richtig. So würde ich es auch machen. Ich würde auch die Kindergartenangestellten einfach unterrichten, das sie nichts zusätzliches zum naschen geben. Das hilft auch oftmals.
Wenn Sie sich einer Selbsthilfegruppe anschließen wollen, wozu ich Ihnen rate, gibts den Deutschen Asthma und Allergikerbund. Der hat mir auch geholfen Kliniken und Kuren zu bekommen. Infos jederzeit telefonisch. Buchtipps usw. Ihre Krankenkasse hat auch Tips, falls gewünscht.
Gesundes Essen muß auf dem Speiseplan stehen. Viel frisches Gemüse (gekocht ist immer besser) und wenig Fertigprodukte (auch Gewürze in Form von Pulvern, Jogurt mit Zusätzen usw.) würde ich gar nicht mehr verwenden. Ich koche fast nur im Wok und würze mit Pfeffer und Salz. Marmeladen selbst machen und im Reformhaus gibts auch oftmals allergenfreie Produkte, Kekse und Aufstriche. Man muß halt viel lesen.
Aber bevor nicht eindeutig fest steht, welches Allergen die Schwellung ausgelöst hat, erstmal Ruhe bewahren und Geduld haben, bis die Nahrungsmittel eindeutig entgültig gefunden sind. Das kann ein bisschen dauern, aber nicht den Mut verlieren.
Wir sind viele Allergiker!!! Und leben ganz gut damit.
lg
severin
Erstmal alles Liebe und Gute
Ich denke, ich habe Ihnen ausführlich dargestellt, dass kein Grund zur Panik besteht. Dass gerade die Klinik am Biederstein jedoch eine Erdnuss-Desensibilisierung ablehnt, wundert mich doch etwas, da dies doch gerade das "Geschäft" der Kliniken ist und ich vor allem aus der allergologischen Praxis spreche.
Bei starken Sensibilisierungen und extremen anaphylaktischen Reaktionen gerade auf die Erdnuss bin ich mittlerweile sogar in meiner persönlichen Meinung umgeschwenkt und würde eine Desensibilisierung sogar befürworten. DIESER Fall liegt aber bei Ihrem Sohn, nach allem was wir jetzt besprochen haben, doch gar nicht vor.
Bez. des Allergiewertes würde ich einfach noch einmal Rücksprache halten, ggf. könnte dieser Wert auch noch einmal "neu" bestimmt werden.
Ich wollte Sie mit meinen Erläuterungen zum Anapen auch nicht weiter verunsichern, dennoch ist es mir wichtig, wenn Sie schon derartig eingewiesen wurden, dass Sie sich auch der entsprechenden Verantwortung bewusst sind. ICH verschreibe keinem Patienten einen Anapen, der nicht auch entsprechend massiv anaphylaktisch reagiert hat. NOCH einmal, eine derartige Reaktion lag bei Ihrem Sohn gar nicht vor und ist auch nicht zu befürchten!
Da auch die Klinik eine Desensibilierung abgelehnt hat, würde ich daher vorschlagen, dass Sie ihren Sohn GANZ normal weiterleben lassen, ohne jeglichste Panik, da dafür überhaupt kein Grund besteht. - Im Zweifel sind Sie mit dem Notfallset bestens ausgerüstet.
Bez. der Linsen und Erbsen/Kichererbsen werde ich nochmals ins Literaturstudium gehen und meine diesbezüglichen Artikel auf den neusten Stand bringen und mich dann noch einmal melden.
Beste Grüße
Dr. Roland Irion
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