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Allergologie Allergie Forum

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    • CommentAuthorjha
    • CommentTimeJul 26th 2011
     
    Sehr geehrter Herr Dr. Irion, mit großem Interesse habe ich die umfangreichen Informationen und Beiträge zum Thema Nussallergie gelesen. Da ich aber immer noch unsicher bin, wie ich in unserem Fall weiter vorgehen soll, wende ich mich mit meiner Frage direkt an Sie. Bei meinen Sohn (fast 3 Jahre alt) wurde vor einem 3/4 Jahr eine Haselnussallergie per Bluttest diagnostiziert. Den Verdacht auf eine Nussallergie hatte ich, als er morgens mit gerötetem Gesicht, Ausschlag und geschwollenen Lippen aufwachte, nachdem er am Vorabend vermutlich eine Haselnuss aus einer Nusskernmischung genascht hatte. Er hatte keinen Juckreiz, keine für mich sichtbaren Symptomen im Mund und keine Atemprobleme. Einige Wochen vorher hatte ich schon einmal den Verdacht auf eine Nussallergie, da er Ausschlag um den Mund herum bekam, nachdem er Haselnusswaffeln gegessen hatte. Bis dahin hat er meines Wissens nach keinerlei Nüsse gegessen. Im Alter von etwa 1 Jahr hatte ich schon mal Erdbeeren im Verdacht, verantwortlich für Hautausschlag zu sein, die ich dann aber bis heute konsequent vermieden habe. Sensibilisiert durch die starke Erdnussallergie einer Freundin suchte ich die Kinderärztin auf, die mittels eines Bluttests neben Haselnüssen auch Walnüsse, Erdnüsse, Pinienkerne, Mandeln, Kokosnüsse und Erdbeeren testete. Ergebnis war dann lediglich eine erhöhte Reaktion auf Haselnüsse. Das der Bluttest für die übrigen Nussarten negativ ausgefallen ist, liegt möglicherweise daran, dass er vorher wahrscheinlich noch nie diese Nüsse gegessen hat. Mir wurde ein Notfallset verschrieben (Anapen, Cetirizin Saft, Rectodelt) und empfohlen sämtliche Nüsse strikt zu vermeiden. Dies haben wir nun auch konsequent eingehalten, mein Sohn hatte keinerlei Symptome mehr. Er hat keine Neurodermitis und mir wäre auch keine Reaktion auf Pollen aufgefallen (wir haben einen Haselnussstrauch im Garten). Lediglich nach dem Verzehr von Äpfeln hat er selten gerötete Lippen und leichten Ausschlag. Da er fast jeden zweiten Tag Äpfel isst, die Symptome aber selten sind, bin ich mir nicht sicher, ob da wirklich ein Zusammenhang besteht. Da mein Sohn jetzt in den Kindergarten kommt, möchte ich zum einen die Betreuerinnen richtig instruieren, mir zum anderen aber auch sicher sein, ob wirklich nötig ist, weiterhin sämtliche Nüsse zu vermeiden, da dies ja doch mit einigen Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen verbunden ist. Deshalb fragte ich unsere Kinderärztin nach Möglichkeiten weiterer Diagnostik. Sie sprach die Möglichkeit eines Pricktestes mit Hilfe einer von mir mitgebrachten Haselnuss an, verwies aber auf die möglicherweise heftige Reaktion und empfahl mir besser weiterhin auf alle Nüsse zu verzichten und das Notfallset immer parat zu halten. Eine "Austestung" einer oralen Gabe von Nüssen sei nur mit tagesstationärer Aufnahme und Legen eines Zuganges nötig. Nach den Informationen, die ich auf Ihrer Seite gelesen habe, sind Art und Ausmaß einer Haselnussallergie und mögliche Kreuzallergien so vielfältig, dass mir dennoch eine genauere Diagnostik sinnvoll erscheint. Welche weitere Diagnostik würden Sie empfehlen (Pricktest mit kommerziellen Allergenen (cor Gruppen) oder mit "echten Nüssen"?, zusätzliche Testung von Pollen und Äpfeln?, Provokationstest ?) ? Wie aussagekräftig ist dann das Ergebnis des Tests für eine mögliche klinische Reaktion? Ich bin sehr verunsichert, da ich einerseits meinem kleinen Sohn eine unnötige oder wenig aussagekräftige Diagnostik oder heftige Reaktionen ersparen möchte, andererseits ein vollständiger Verzicht auf alle Nüsse auch mit starken Einschränkungen verbunden ist. Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Antwort, mit freundlichen Grüßen, Ihre H.J.
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      CommentAuthorDr. Irion
    • CommentTimeJul 27th 2011 bearbeitet
     

    Nach Ihren anamnestischen Angaben und der positiven Testreaktion im Blut scheint ja schon eine Haselnussallergie vorzuliegen, gut dazu passend auch die leichte Reaktion auf die Äpfel, die schon von Sorte zu Sorte verschieden sein kann. Diese könnte man falls erforderlich durch eine Prick zu Prick Testung mit nativer Haselnuss noch einmal bestätigen.

    Ungewöhnlich ist nur, dass ihr Sohn bereits in derartig jungen Jahren eine Haselnussallergie entwickelt hat. Üblicheweise wäre eine Haselnussallergie im Rahmen einer Kreuzreaktion zu den Birkenpollen im Rahmen pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie zu erwarten. Leider haben Sie nicht geschrieben, ob ihr Sohn an Heuschnupfen leidet, obwohl dies im Alter von 3 Jahren schon sehr ungewöhnliche wäre und leider fehlt auch die Diagnostik auf die Birkenpollen, wobei im Rahmen einer Kreuzreaktion von Betv1 der Birke mit Cora1 oder Cora2 der Haselnuss schon eine positive Reaktion zu erwarten wäre.

    Alternativ kommt in unseren Breiten eine äußerst seltene primäre Sensibilisierung auf das Lipid-Transfer-Protein Cor a8 in Betracht. Ggf. könnte hierzu eine Diagnostik im Blut mit der Bestimmung von spezifischen IgE-Antikörper gegen ein rekombinantes Cor a8 Haselnuss-Lipid-Transfer-Protein, eine Untersuchung die einzelne Labor anbieten, durchgeführt werden. Diese Untersuchung wäre vielleicht dann sinnvoll, wenn keine Birkenpollensensibilisierung nachweisbar ist und um schwerwiegendere Reaktionen auszuschließen.

    Im Rahmen der typischen Kreuzreaktion zu den Birkenpollen verlaufen die Nussallergien jedoch fast ausschließlich in leichterer Form mit einem oralen Allergiesyndrom (ggf. mit zusätzlicher Kontakturtikaria), wie sie dies ja auch schon beschrieben haben. Schwere Reaktion sind dabei nahezu sicher auszuschließen, da ein Übergang von einer Kontaktreaktion zu einer systemischen Reaktion durch die Zerstörung dieser Allergene im Magen-Darm-Trakt äußerst äußerst unwahrscheinlich ist.

    Die Verordnung eines Anapens halte ich daher für äußerst unsinnig, wenn nicht sogar gefährlich. Ein Notfallset mit Fenistil und Rektodelt wäre für "extremere" Fälle in jedem Fall ausreichend, ansonsten kann auch die spontane Rückbildung abgewartet werden. Für leichtere Fälle reicht auch ein nicht-sedierendes Antihistaminikum wie z.B. die Aerius-Lösung aus.

    Bezüglich weitere Kreuzreaktionen zu anderen Nusssorten muss der weitere Verlauf abgewartet werden. Ein besonderes prophylaktisches Meiden ist jedoch nicht erforderlich, da ebenso wie zu Kreuzreaktionen zu Kernobst oder Steinobstarten lediglich wieder ein orales Allergiesyndrom auftreten würde.

    Viele Grüße

    Dr. Roland Irion

    • CommentAuthorjha
    • CommentTimeJul 31st 2011
     
    Sehr geehrter Herr Dr. Irion, ich danke Ihnen für Ihre schnelle, ausführliche und hilfreiche Antwort. Mein Mann und zwei seiner Geschwister sind Birkenpollenallergiker, bei meinem Sohn sind mir bisher keine Symptome aufgefallen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wäre der erste Schritt nun ein Bluttest auf Birkenpollen u.U. mit Testung auf Cor a1 und Cor a2. Ich werde meinen Sohn in der Dermatologie in der Uniklinik vorstellen, um eine weitere Diagnostik durchführen zu lassen. Ich bin aber schon sehr beruhigt, denn die "Panikmache" ohne systematische Diagnostik erschien mir fehl am Platz. Viele Grüße, H.J.
    • CommentAuthoremi
    • CommentTimeFeb 7th 2012
     
    Sehr geehrtr Herr Dr. Irion, Ich hoffe es ist ok, wenn ich unter dem Eintrag von Jha unser Problem beschreibe... Unsere Tochter wird bald 3. Sie hatte schon sehr früh Neurodermitis. Habe aber lange gestillt, spät zugefüttert, spät Milch gegeben. Spät auch Nüsse. Im letzten Urlaub (Juni) durfte sie (mit etwas über 2) eine mini Menge Nutella probieren. Dann wieder im August. Sie hatte eine Kleinstmenge an den Fingern und hatte sich Milch über die Leinenhose geschüttet und kratzte dann dort. Das reichte um an dieser Stelle und an allen Stellen, wo sie dann noch kratzte, einen schlimmen Ausschlag zu hinterlassen. Ich hab gekühlt und nach 1 Std war alles weg. Lt. Kinderarzt hat sie eine Haselnussallergie. Welchen Typ weiss ich nicht. Nur Cor a8 wurde ausgeschlossen. Letzte Woche hatte mein Mann unsere Tochter an den Armen eingecremt (an den juckenden Neurodermitis- Stellen) 10 min davor hatte er sich ein Stück Noisetteschokolade geholt und vergessen die Hände zu waschen. Sie schrie, dass es schrecklich weh tue und die Handgelenke schwollen an, wurden weiss und bekamen Pusteln. Die Augen waren leicht geschwollen, wobei das vielleicht auch von was anderem kam. Sie hat auch oft Pickelchen Im Gesicht und ich bin noch nicht dahinter gekommen, woher. Ich hab Fenestil gegeben und es wurde besser. Wir hatten gar nicht mit so einer Reaktion gerechnet. Uns gesagt wir sollen ihr keine Nüsse geben und auch keine Spuren von... Nun meine Frage: auf was müssen wir noch achten und mit was müssen wir rechnen. Ist es auch in unserem Fall unwahrscheinlich, dass es zu einem anahyl. Schock kommt. (Haben näml auch den Anapen Als ständigen Begleiter) Vielen lieben Dank im voraus für ihre Mühe viele Grüsse emi
    • CommentAuthorHelm
    • CommentTimeFeb 28th 2012 bearbeitet
     

    Hallo emi,

    unser Sohn ist auf sehr viel allergisch. Vielleicht kam die Hautreaktion nicht von den "ungewaschenen Schokohänden" sondern auf einen Cremebestandteil, z.B. Lanolin=Wollwachs, Calendula=Ringelblume oder Bienenwachs=Cera Alba.... Auf Bienenwachs im Lippenfettstift bekam Sohn kürzlich hochrote, geschwollene Lippen und um den Mundbereich Taubheitsgefühls wie nach einer "Zahnarztspritze". Auf Bienengift reagiert er mit extremen Schwellungen...

    Gute Besseung und Grüße