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Suchbegriffe zu diesem Artikel: inhalative, Soforttypallergene

(7.3.2015)

Inhalative Säugetierallergene

Tierhaare sind nach den Pollen zweithäufigste Ursache für eine Inhalationsallergie. Katzen sind die mit Abstand wichtigsten Auslöser, gefolgt von Hund, Pferd und Kleintieren. In der Praxis zeigen 50 % aller Tierhaarallergiker eine simultane Sensibilisierung gegen mindestens ein weiteres Tier bei oft unklarer klinischer Relevanz. Dies kann Ausdruck einer unabhängigen Sensibilisierung gegen verschiedene Tiere oder aber Folge von Kreuzreaktionen sein. Etwa 40 % der Allergiker sind gegen Tierhaare sensibilisiert. Etwa die Hälfte aller Tierhaarallergiker reagiert im Allergietest mit mehr als einer Tierart. Bei der traditionellen Diagnostik mit Gesamtextrakten bleibt offen, ob bei Patienten mit positiven Testreaktionen auf mehrere Tiere eine echte Mehrfachsensibilisierung oder lediglich eine Kreuzreaktivität vorliegt. Erst die moderne auf Einzelallergenen beruhende Komponentendiagnostik gewährt Einblicke in individuelle Sensibilisierungsmuster und deren molekulare Hintergründe.

Lipokaline und Serumalbumine

Bezeichnung

Die beiden größten allergenen Proteinfamilien in Tierbestandteilen sind die Lipokaline und die Serumalbumine. Lipokaline sind kleine Moleküle mit einer molaren Masse von 16-22 kDa. Serumalbumine sind große, globuläre Proteine mit einer Molmasse von 66 kDa.

Bei den Lipokalinen handelt es sich um eine sehr große Proteinfamilie, der zahlreiche Haupt- und Nebenallergene aus praktisch allen Haustieren angehören. Die Sequenzübereinstimmungen zwischen den verschiedenen Lipocalinen liegen zwischen 20 % und 70 %, entsprechend komplex gestalten sich die Kreuzreaktionsmuster. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Tiere gleich mehrere verschiedene Lipocaline enthalten, die untereinander oft weniger Ähnlichkeit aufweisen als mit den Lipocalinen anderer Tierarten. So sind aus dem Hund und dem Meerschweinchen bereits jeweils vier Lipocalin-Allergene bekannt, Katze und Kaninchen enthalten zumindest je zwei allergene Lipocaline.

Die am längsten bekannten Allergene mit starker Kreuzreaktivität sind die Serumalbumine. Sie sind typischerweise mit einer polyvalenten Tierhaarsensibilisierung assoziiert, da sie in praktisch allen Haustieren einschließlich der Kleintiere vorkommen und von ihrer Struktur her einander sehr ähnlich sind. Eine Serumalbumin-Sensibilisierung bleibt klinisch häufig unauffällig, andererseits kann sie in seltenen Fällen sogar Ursache einer Fleischunverträglichkeit sein, weil Serumalbumine als ubiquitäre Proteine auch im Fleisch und in der Milch vorkommen (sog. „Cat-pork-Syndrom“).

Funktion

Lipokaline transportieren kleine, hydrophobe Moleküle (z.B. Lipide, Hormone, Steroide). Die Funktion einer großen Zahl von Lipokalinen ist noch weitgehend unbekannt. Serumablumin ist Haupteiweißbestandteil von Plasma, reguliert den kolloidosmotischen Druck und transportiert dank hoher Eiweißbindung Fettäuren, Hormone, Bilirubin und andere Stoffe.

Bedeutung

Inhalative Allergene befinden sich häufig auf Tierhaaren, im Speichel und im Urin. Gegen das Hauptallergen der Katze, Fel d1, ein Uteroglobin, bilden 90 % der Katzenallergiker spezifisches IgE.

Lipokaline sind generell Majorallergene und häufig für IgE-vermittelte Sensibilisierung bei Tierallergikern verantwortlich. Serumalbumine induzieren bei 15-35 % der Tierallergiker IgE, sind hauptsächlich inhalative Allergene (Tierhaare), können aber auch durch Kreuzreaktionen Lebensmittelallergien auf Fleisch hervorrufen.

Verbreitung

Die Sensibilisierungsraten gegen Hund- oder Katzenallergene liegen in der nordeuropäischen Bevölkerung bei 4-14 %.

Kreuzreaktive Allergene

Aufgrund der hohen Sequenz- und Strukturidentität von Albuminen binden IgE-Antikörper, die z.B. gegen Katzen-Serumalbumin gebildet werden, auch Serumblumine andere Säugetiere (Hund, Pferd, Schwein). Serumalbumin vom Huhn (Gal d5) hat eine geringere Sequenzidentität mit dem der Katze (46 %)., kann aber auch in seltenen Fällen zu einer Kreuzsensibilisierung führen.

Liokaline haben zwar eine ähnliche Struktur, aber nur wenig Sequenzidentität untereinander. Kreuzreaktionen - wie bei den Albuminen - sind daher eher unwahrscheinlich bzw. besitzen allenfalls nur eine geringe klinische Relevanz.

Diagnostik

Tierhaarextrakte in der Diagnostik erlauben keine eindeutige Bestimmung der Allergenquelle, da ein Drittel der Tierallergiker gegen Serumalbumin sensibilisiert ist und dadurch auf diverse Tierhaarextraktre reagieren kann.

Eine Sensibilisierung gegen Serumalbumine von Haustieren kann sekundär zu einer Rind- und Schweinfleisch-Allergie führen. Nachgewiesenes IgE gegen Serumalbumin einer Tierart erlaubt eine Vorhersage möglicher Kreuzsensibilisierungen.

Liste der wichtigsten inhalativen Tierallergene

Hund: Lipokalin: Can f1 (klinische Relevanz 50-70 %), Can f2 (20-40 %), Can f4 (35 %); Serumalbumin Can f3 (25-35 %). Sonstige: Can f5 (70 %, Argininesterasen)

Katze: Lipokalin: Fel d4 (63 %), Fel d7; Serumalbumin: Fel d2 (14-23 %). Sonstige: Fel d1 (> 90 %, Uteroglobin), Fel d3 (10 %, Cystatin), Fel d5 (38 %, Immunglobulin A), Fel d6 (Immunglobulin M), Fel d8 (Latherin)

Pferd: Lipokalin: Equ c1 (76-100 %), Equ c2 (33 %); Serumalbumin: Equ c3 (50 %). Sonstige: Equ c4 (30 %, Latherin), Equ c5 (77 %, Latherin)

Rind: Lipokalin: Bos d2 (90 %), Serumalbumin: Bos d6 (90 % bei Milchallergikern). Sonstige: Bos d3 (Ca2+-bindendes Protein)

Meerschweinchen: Lipokalin: Cav p1, Cav p2 (65 %), Cav p3 (54 %)

Kaninchen: Lipokalin: Ory c1

Ratte: Lipokalin: Rat n1 (> 90 %)

Maus: Lipokalin: Mus m1 (100 %)

Huhn: Serumalbumin Gal d5 (100 % bei Vogel-Ei-Syndrom)

Fett gedruckt: bereits verfügbar zur in-vitro-Diagnostik z.B. ImmunoCAP

Literatur

Hilger et al: Inhalative Säugetierallergene: Lipokaline und Serumalbumine. Allergo J 20, 142-144 (2011)

Hemmer: Kreuzreaktionen bei Haustierallergien. Hautnah 14, 16-20 (2015)

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