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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Apalcillin

Urtikaria 

Einteilung der Urtikaria nach Dauer, Frequenz und Auslöser 

Bezeichnung 

Dauer 

Frequenz der Urticae 

akute Urtikaria 

< 6 Wochen 

 

chronische (kontinuierliche) Urtikaria 

> 6 Wochen 

täglich 

chronische rezidivierende Urtikaria 

> 6 Wochen 

mind. 1x/Woche 

chronische intermittierende Urtikaria 

> 6 Wochen 

> 1x/Woche bis
12 Monate 

Quaddeln und/oder Angioödeme durch physikalische Reize 

physikalische 

Urtikaria 

durch: 

Urticaria factitia 

mechanische Scherkräfte (nach 1-5 Min.), häufig stressabhängig/psychosomatisch 

verzögerte Druckurtikaria 

senkrechten Druck (mit ca. 3-8 h Latenz) 

Kälteurtikaria 

kalte Luft/Wasser 

Wärmeurtikaria 

lokale Wärme 

Lichturtikaria, solare Urtikaria 

UV- oder sichtbares Licht 

aquagene Urtikaria 

Kontakt der Haut mit Wasser, temperaturunabhängig 

Sonderformen 

Bezeichnung 

Charakteristika 

immunologische oder allergische Urtikaria 

IgE-abhängige Typ I-Reaktion, seltener Typ II-Reaktion als Teilsymptom einer Serumkrankheit 

cholinergische Urtikaria 

stecknadelkopfgroße Urticae nach Erhöhung der Köpertemperatur durch Anstrengung,
Wärme oder Aufregung 

adrenerge Urtikaria 

nach starkem emotionalem Stress bei psycho-labien Menschen oder Kaffegenuss: Urtika mit weißem Hof 

Kontakt-Urtikaria 

Urticae nach Haut-/Schleimhautkontakt mit Typ I-Allergenen oder irritativ toxischen Noxen 

Urtikaria-Vaskulitis 

kutane Vaskulitis (Entzündung von Gefäßen) mit quaddelartigen Effloreszenzen,
> 24 h bestehend 

Urticaria pigmentosa 

kutane oder systemische Mastozytose
(Vermehrung von Mastzellen) 

hereditäres Angioödem 

C1-Esterase-Inhibitormangel; mögliche
Auslöser der Angioödeme: ACE-Hemmer, Operationen, Traumen 

Akute Urtikaria

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine akute Urtikaria zu entwickeln beträgt zwischen 10 und 25 %. Die akute Urtikaria ist damit einer der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Die häufigsten Ursachen der akuten Urtikaria im Erwachsenenalter sind akute Infekte (etwa 40 %) oder Unverträglichkeiten gegen Medikamente (etwa 10 %). Im Kindesalter sind neben Infekten (bis zu 80 %) auch Allergien gegen Nahrungsmittel, beispielsweise Kuhmilch, bedeutsam. Meistens tritt eine akute Urtikaria einmalig auf und geht nicht in eine chronische Urtikaria über. Allerdings schwanken Angaben hierzu in der Literatur erheblich (von weniger als 1 % bis 30 %).

Chronische Urtikaria

Die Angaben zur Prävalenz der chronischen Urtikaria (CU) variieren stark. Moderate Schätzungen aus dem deutschen Sprachraum variieren liegen bei 1 bis 2 %. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig an CU wie Männer, beide meistens in der vierten bis sechsten Lebensdekade. Bei einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 4 Jahren variiert die individuelle Dauer der Erkrankung zwischen 0 bis 9 Jahren.

Mögliche Ursachen einer Urtikaria 

  • allergisch
    Nahrungsmittel, Arzneimittel, Aero- und Kontakturtikariaallergene, Insektenallergene 
  • pseudoallergisch
    Acetylsalicylsäure, andere nicht-steroidale Antiphlogistika, Konservierungsstoffe, Farbstoffe 
  • Fokalgeschehen
    z.B. Tonsillen, Nebenhöhlen, Zähne, Gallenblase, Magen, Parasiten, Wurmbefall, virale Infekte (”infektallergisch”), Neoplasien, Mykosen (Candida albicans), Bakterien (Streptokokken, Helicobacter pylori) 
  • physikalisch
    Druck, Scherkräfte, Kälte, Wärme, Wasser, Licht, Vibration 
  • Enzymdefekt des Komplementsystems
    C1-Esterase-Inhibitormangel 
  • Kollagenosen
    z.B. Lupus erythematodes 
  • psycho-soziale Konflikte
    Stress, Depression 
  • endokrine Störungen
    Schilddrüsenhormone, Insulinallergie, Urtikaria bei Menstruation oder Schwangerschaft 
  • idiopathisch
    in ca. 50 - 70 % der Fälle bleibt die Ursache ungeklärt 

Einteilung der chronischen Urtikaria

  • Autoreaktive Urtikaria
    Beruht auf de Vorhandensein von im 'Blut zirkulierenden Mastzellaktivierenden-Substanzen. Bei einem Teil der Patienten scheinen diese Antiantikörper gegen den IgE-Rezeptor FdERI oder ggen Immunglobulin E gerichtet sein. Patienten mit autoreaktiver CU weisen - vergleichen mit anderen Formen der CU oft eine hohe Urtikaria-Aktivität auf. Die Symptome sind jedoch mit einer ausreichend dosierten symptomatischen Behandlung in der Regel gut zu kontrollieren.
  • Infekturtikaria
    Das Auftreten einer CU in Folge chronischer Entzündungsreaktionen und insbesondere chronisch infektiöser Prozesse
  • Intoleranz-Urtikaria
    Die CU in Forlge einer dosisabhängigen meist zeitlichen verzögerten (4 bis 12 Stunden) pseudoallergischen Reaktion auf Farb-, Konservierungs- oder Aromastoffe.
  • Chronische Urtikaria andere Genese

Für fast alle Medikamente gilt, dass eine Urtikaria < 1 % der Behandelten als unerwünschte Wirkung auftreten kann. 

Besonders häufig ist sie bei folgenden Medikamenten zu beobachten (bei 1-5 % der Patienten) 

Antibiotika 

  • Penicilline (Amoxicillin, Ampicillin, Apalcillin, Azlocillin, Bacampicillin, Carbenicillin, Ciclacillin, Dicloxacillin, Epicillin, Flucloxacillin, Mezlocillin, Penicillin G , Penicillin V, Pheneticillin, Piperacillin, Pivampicillin, Procainpenicillin, Propicillin, Ticarcillin) 
  • Cephalosporine 
  • Vancomycin 

Sulfonamide 

  • Sulfamethoxypyridazin 

Andere Infektiosa 

  • Aciclovir 
  • Ethionamid 
  • Griseofulvin 
  • Isoniazid 
  • Ketoconazol 
  • Mepacrin 
  • Miconazol 
  • Piperazin 
  • Thalidomid 
  • Thiabendazol 
  • Zidovudin 

Analgetika, Antipyretika, Antirheumatika 

  • Azapropazon 
  • Diflunisal 
  • Olsalazin 
  • Tometin 

Neurologische und psychiatrische Medikamente 

  • Baclofen 
  • Carbamazepin 
  • Clotiapin 
  • Ethosuximid 
  • Meprobamat 

Kardiovaskuläre Medikamente 

  • Amiodaron 
  • Captopril 
  • Procainamid 
  • Reserpin 
  • Ticlopidin 

Zytostatika 

  • Asparaginase 
  • Methotrexat 
  • Procarbazin 

Diagnostika 

  • Amidotrizoesäure 
  • Iocetaminsäure 
  • Ioglycaminsäure 
  • Ioxaglat 

Verschiedene 

  • Carbutamid 
  • Glymidin-Na 
  • Levamisol 
  • Thiamazol 
  • Thiouracil 
  • Vollblut 

Diagnostische Maßnahmen (Auswahl) 

  • Allgemeines Labor 
  • Bestimmung des Ges.-IgE 
  • Stuhluntersuchung auf Candida, pathogene Keime, Wurmeier und okkultes Blut 
  • physikalische Testung (Druck, Wärme, Kälte) 
  • Prick-Testung mit Aeroallergenen, Lebensmittelallergenen 
  • orale Provokationstestungen 
  • Suchdiät 
  • Fokus- und Tumorsuche (u.a. Röntgen-Thorax, abdominelle Sonographie, Helicobacter pylori-Test, Zahn- und HNO-ärztliche Untersuchungen) 
  • endokrinologisches Screening 
  • Autoantikörperuntersuchung 

Therapeutische Möglichkeiten einer chronischen Urtikaria 

Die chronische Urtikaria wird häufig als "multifaktorielles" Geschehen beschrieben. In einer Untersuchung konnte gezeigt werden, dass den bisher diskutierten Triggerfaktoren in Bezug auf die definitive Abheildung der Urtikaria nur eine lediglich untergeordnete Rolle zukommt, dass weder zugrundeliegende Fokalinfekte, noch Intoleranzphänomene oder die Sanierung der Fokalinfekte die Krankheitsdauer der chronischen Urtikaria signifikant beeinflussen. Es stellt sich damit die Frage, ob die Abklärung und Therapie dieser Faktoren weiterhin sinnvoll ist. Der Mechanismus der zumeist spontanen Rückbildung der Erkrankung bleibt jedoch ungeklärt.

  • Eliminationsdiät von Latex-kreuzreagierenden Früchten bei Patienten mit Latex-Allergie 
  • Behandlung einer schweren chronischen Urtikaria mit Cyclosporin A
  • Da Patienten mit einer klinisch ausgeprägten Urtikaria oft nicht auf die zugelassenen Dosierungen von Antihistaminika ansprechen, empfehlen akutelle Leitlinien eine Erhöhung bis auf das Vierfache der zugelassenen Tagesdosis. 

Therapie von Urtikariasonderformen 

  • Urticaria factitia
    nichtsedierende Antihistaminika, eventuell UVB-Therapie 
  • Kälteurtikaria
    wärmende Kleidung tragen, Kältekonditionierung (Hardening) mit kalten Duschen und Bädern sowie Antihistaminika (z.B. Cetirizin) zur Induktion einer Kältetoleranz
  • Druckurtikaria
    konsequente Druckentlastung, ggf. Hochdosierte H1-Rezeptorantagonisten in  Kombination mit einem niedrig dosierten Systemsteroid; ingesamt unbefriedigende Therapiemöglichkeiten 
  • Wärmeurtikaria
    Expositionsvermeidung (heiße Bäder, Saune, Schwitzen, emotionaler Stress) soweit machbar 
  • Licht-, Sonnenurtikaria
    Lichtschutzpräparate mit Wirksamkeit im UVA-Spektrum (z.B. Anthelios XL), Betacaroten-Einnahme, Lichtkonditionierung durch einschleichende UVA-, UVB-Therapie 
  • cholinergische Urtikaria
    emotionale Stresssituationen und schweißtreibende Kost (Kaffe, Tee, Alkohol, Gewürze etc) meiden, luftige Kleidung tragen, leichte sportliche Betätigung als Hardening, Antihistaminika mit anticholinergischer Wirkung (z.B. Hydroxyzin) 
  • adrenerge Urtikaria
    Vermeidung von Anstrengungen, Stresssituationen (soweit möglich); therapeutisch Einsatz von Beta-Rezeptorenblockern. 
  • aquagene Urtikaria
    Hautschutz z.B. mit Vaseline bei Wasserkontakt, Therapieversuche: PUVA-Therapie, (mindestens) einmal täglich Duschen 
  • Urtikariavaskulitis
    bioptische Sicherung; Therapie mit Steroiden, DADPS, Chloroquin 
  • hereditäres Angioödem
    ACE-Hemmer meiden, C1-Esterase-Inhibitor (Berinert) i.v. im Anfall oder auch prophylaktisch vor Operationen; Dauertherapie mit Anabolika mit androgener Restwirkung z.B. Danazol 

Literatur: 21, 27 

Nucera et al: Chronic urticaria in latex allergic patients: two case reports. Allergy 58, 1199-1200 (2003) 

Toubi et al: Prolonged cyclosporin-A treatment for wevere chronic urticaria. Allergy 58, 535-536 (2003)

Buss et al: Kälteurtikaria: Untersuchung zu ursachen, Therapie und Verlauf: Allergologie 28, 483-390 (2005)

Maurer et al: Urtikaria - gezielte Anamnese und ursachenorientierte Therapie. Dtsch Ärztbl. 107, 458-466 (2008)

Gagg et al: Krankheitsverlauf und Prognose der chronischen Urtikaria - eine retrospektive Kohortenstudie. Allergologie 32 (2009)

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