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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Artemia, salina

Tierfutter 

Inhalative Typ I-Soforttypallergene 

Diagnostisch bereiten Tierallergien meistens keine Schwierigkeiten, andererseits gibt es immer wieder Fälle typischer ortsgebundener Symptome ohne Nachweis einer Sensibilisierung gegen Speichel, Epithelien oder Exkremente der jeweiligen Haus-, Labor- oder Nutztiere. Hier liegt dann der Verdacht auf eine Beteiligung anderer Faktoren der Tierhaltung nahe, d.h. Sensibilisierung gegen Futtermittel, Einstreu, Vogelsand oder Käfigdesinfizienzien. 

Heu bzw. Heustaub stellen das weitaus häufigste Allergen dar. Kontakt besteht neben dem beruflichen oder privaten Umgang mit Pferden und Rindern vornehmlich, wenn in der eigenen Wohnung Hasen, Kaninchen oder Meerschweinchen gehalten werden. Sensibilisierungen auf Pollen (Klee, Spitzwegerich, Löwenzahn, Sauerampfer) in Form intramuralen Heuschnupfens werden bei der Verfütterung entsprechend frisch gemähter oder gepflückter Pflanzen an Pferde, Hasen, Kaninchen oder Meerschweinchen beobachtet. 

Ein wichtiges Futtermittelallergen ist in der Larve des Mehlkäfers, dem Mehlwurm enthalten. Dieser wird für viele Tierspezies als Basis- oder Ernährungsfutter empfohlen (Meerkatze, Igel, Fledermaus, Vögel, Schildkröten, Eidechsen). Auch gegen andere Insekten (Mücken, Grillen, Fliegen, Schaben) wurden Sensibilisierungen beobachtet. 

Ziervögel führen nur selten zu Sensibilisierungen vom Soforttyp. Es ist aber an Allergien gegen verschiedene Sämereien (Negersaat, Sonnenblumenkerne, Hirse, Mais, Sesam) zu denken. Das Problem der Sämereiallergie ist jedoch sehr unübersichtlich, weil häufig nicht Einzelsorten, sondern Mischungen im Handel angeboten werden, deren Zusammensetzung entweder nicht oder nur unvollkommen deklariert ist. 

Von besonderer Bedeutung ist auf diesem Gebiet auch das Fischfutter. Der feine Pulverstaub der Trockenpulver ist für die inhalativen Sensibilisierungen verantwortlich. Trockenfutter kommt in verschiedenen Darreichungsformen auf den Markt, vor allem entweder als lyophilisierte Spezies (teilweise gemahlen) oder aber gepresst und mit anderen tierischen und pflanzlichen Zusätzen vermischt in Form von Flocken oder Tabletten. Die Gefahr der Sensibilisierung besteht vor allem beim Zerreiben der Flocken oder Tabletten mit den Fingern und Einatmen des Staubes. 

Hauptbestandteile und damit auch Hauptallergene sind meist im Wasser lebende Kleinlebewesen niederer Tiergattungen, wie Mückenlarven, Kleinkrebse sowie verschiedene Würmer, daneben aber auch gemahlene größere Krebse und Pflanzen. Das wichtigste und auch am besten erforschte Allergen ist die roten Mückenlarven (Chironomus thummi thummi), aber auch Allergien durch getrocknete Daphnien (Süßwasserflöhe, d.h. Kleinkrebse) sind in der Literatur beschrieben. Wüthrich prägte dabei den Begriff der ”Aquarium-Allergie”. Von Bedeutung ist dabei beim Begriff ”Haustier” beim Patienten nicht nur nach den felltragenden Tieren zu fragen, sondern auch nach Fischen. 

Allergene im Fischfutter 

  • Chironomidenhämoglobin (rote Mückenlarve) 
  • Daphnie/Süßwasserfloh 
  • Artemia salina, Salzwasserkrebschen 
  • Krebsfleisch (Garnelen) 
  • Hefe 
  • Roggenmehl 
  • ”Aufgusstierchen” (Einzeller) 
  • Fischmehl 

Über Sensibilisierungen auf rote Mückenlarven, die zu respiratorischen, konjunktivalen und kutanen Symptomen führen können, gibt es mehrere Literaturberichte. Bereits 1980 gelang es eine Polypeptid-Sequenz im Hämoglobin der roten Mückenlarven als potentes  Allergen zu eruieren(Chi t1). Chironomiden sind nicht stechende Mücken, allergene Verwandtschaft unter den einzelnen Spezies konnte nachgewiesen werden. Über Kreuzreaktionen zwischen stechenden und nichtstechenden Insektenarten (z.B. schwarze Stechmückenlarve) ist nichts bekannt. Sie kommen weltweit in wasserreichen Gebieten vor und stellen somit nicht nur ein häusliches (Aquarium) oder berufliches (Fischfutterindustrie, wissenschaftliche Laboratorien), sondern auch ein Umweltallergen dar; daneben wird die Larve auch als Fischköder für exotische Fische eingesetzt.  Sensibilisierungen finden sich bei Patienten mit respiratorischen Allergien in bis zu 4 %, bei exponierten Personen findet sich sogar eine hohe Sensibilisierungsquote von rund 30 %. Als Symptomatik werden neben Rhinokonjunktivitis und Asthma bronchiale auch Urtikaria und Quincke-Ödeme beobachtet sowie auch das Auftreten eines nephrotischen Syndroms. 

Auch Berichte über Daphnien-Allergien zeigen einen hohen Sensibilisierungsgrad (60 %). - Getrocknete Wasserflöhe stellen ebenfalls ein sehr beliebtes Fischfutter dar. 

Bei Artemia salina werden die im Handel erhältlichen Eier mit Wasser angesetzt und die frisch geschlüpften Larven verfüttert. 

Bei Aquarienhaltern liegt zumeist eine (bezüglich Fischfutter) monovalente Sensibilisierung auf Chironomiden vor. Jedoch kann auch die große Anzahl anderer bekannter oder möglicher Allergene im Fischfutter von praktischer Bedeutung sein. 

Diagnostik 

Prick/Scratch mit Fischfutterbestandteilen, RAST (Ph.: rote Mückenlarve, Fischfutter Artemisia salina, Fischfutter Tetramin, Fischfutter Daphnia) 

Literatur: 426, 427, 428, 429, 430 

Moneret-Vautrin et al: IgE-dependent nephrotic syndrome due to inhalation of chironomid larvae. Allergy 60, 265-266 (2005) 

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