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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Dibutylthioharnstoff

(2.6.2015)

Thioharnstoff 

Typ IV-Kontaktallergen, Photoallergen

Vorkommen und Beschreibung

Thioharnstoff (Thiourea, Thiocarbamid, Sulfoharnstoff) ist ein Derivat des Harnstoff, dessen Sauerstoffatom durch ein Schwefelatom substiutiert ist.

Derivate des Thioharnstoffs:

  • Diphenylthioharnstoff (DPTU) 
  • Ethylenthioharnstoff (ETU) 
  • Dibutylthioharnstoff (DBTU 
  • Diethylthioharnstoff (DETU) 
  • Ethylbutylthioharnstoff

Thioharnstoff und seine Derivate sind in der Industrie weit verbreitet: 

  • als Antioxidanzien in Lichtschutzpauspapieren, Fotopapieren und Entwicklern 
  • als Vulkanisationsbeschleuniger 
  • in Gummiwaren 
  • als Hitzestabilisatoren in der PVC-Produktion 
  • in Farben 
  • in Kleber 
  • in Pestiziden, Fungiziden 
  • in Korrosionsschutzmitteln 

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Dimethylol ethylene thiourea (INCI). Chem. Bezeichnung: 1,3-Bis(hydroxymethyl)imidazolidin-2-thion. Funktion: haarkonditionierend

Allergologie (Relevanz)

Das irritative Potential scheint wenig ausgeprägt zu sein. Im Tierversuch führte ein 4-stündiger Kontakt mit 0,5 g des Feststoffes führte zu keiner sichtbaren Reaktion, während in einem weiteren Test nach einer Einwirkungszeit von 24 Std. leichte bis deutliche Rötungen und Schwellungen auftraten. Ein sensibilisierendes Potential war im Tierverusch nicht nachweisbar.
Allerdings spricht eine bemerkenswerte Zahl von Kontaktdermatitiden bei Beschäftigten, die Umgang mit Thioharnstoff hatten, durchaus für ein Sensibilisierungspotenzial. Allergische Reaktionen auf Thioharnstoff werden selten beobachtet, da sie nur eine schwach ausgeprägte allergisierende Potenz besitzen sollen, jedoch sollen sie eine zunehmende Bedeutung als Kontaktallergene haben. Über mögliche Folgen einer wiederholten Exposition gegenüber Thioharnstoff in Arbeitsbereichen liegen nur wenige Studien vor. Insbesondere bei Umgang mit Diazo-Kopierpapier kann eine Exposition auftreten. Diese kann zu einer allergische Kontaktdermatitis führen - als Folge einer Sensibilisierung oder Photosensibilisierung. Im Vergleich zur Anzahl exponierter Personen ist die Inzidenz dieser Schädigung relativ niedrig. Allerdings sind die Symptome als typisch und ausgeprägt beschrieben worden: erhöhte Lichtempfindlichkeit, Ekzeme an Gesicht, Hals, Armen und Händen, papulöse Reaktionen. In einer Studie an 1129 Hautpatienten, die mit 0,1 % Thioharnstoff in Vaseline getestet wurden, traten postive Testreaktion bei 0,92 % der Getesteten auf. Der Anteil der gezeigten (nicht klassifizierbaren) Photoreaktionen war mit 0,55 % der Patienten noch geringer. Neben kontaktallergischen Reaktionen kann Thiourea auch photoallergische Reaktionen auslösen. Diesem folgt gelegentlich eine persistierende Lichtreaktion. 

Berichtet wurde über 10 Patienten mit einem schweren Ekzem der Fußsohlen, das durch die Neopren-Innensohlen von Jogging-Schuhen ausgelöst wurde. Als auslösendes Allergen lies sich Ethylbutylthioharnstoff ermitteln. Ein periorbitales Ekzem durch eine Tauchbrille wurde durch Dibutylthioharnstoff ausgelöst. Bei 2 Patienten, die sich durch eine Knie- bzw. Ellenbogenbandage sensibilisiert hatten, konnte Diphenylthioharnstoff als Allergen identifiziert worden. 

Bei anamnestischen Hinweisen auf (berufs-)bedingten Kontakt mit Thioharnstoff-haltigen Produkten sollten trotz relativ seltener Sensibilisierungen mehrere Thioharnstoff-Komponenten einzeln epikutan getestet werden sollten, insbesondere da häufig keine Kreuzreaktionen bestehen. 

Allergologische Diagnostik

Epikutantestung mit Diphenylthioharnstoff, Dibutylthioharnstoff (Block Hermal Gummichemikalien). Photopatchtestung mit Thiourea (Block Photoallergene), Testkonzentration 0,1 % in Vaseline 

Literatur: 6, 423, 424

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/011700.xml?f=templates$fn=default.htm$3.0

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