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Tätowierungsfarbstoffe 

Typ IV-Kontaktallergene 

Das Einbringen von Farbstoffen in die Dermis führt durch die mechanische Irritation zu einer obligaten, aber vorübergehenden Entzündungsreaktion der Haut. Angesichts der großen Zahl tätowierter Personen ist die Inzidenz unerwünschter ”Spätreaktionen” durch Tätowierungen ein eher seltenes Ereignis. 

Bei den persistierenden Unverträglichkeitsreaktionen nach Tätowierungen werden 2 Formen unterschieden: eine granulomatöse und eine nicht granulomatöse Dermatitis. 

Bei der granulomatösen Unverträglichkeitsreaktion handelt es sich um eine klassische Fremdkörperreaktion. In seltenen Fällen kann diese aber auch die kutane Manifestation einer Sarkoidose sein. 

Die nichtgranulomatöse Unverträglichkeitsreaktion kann mit einem lichenoiden und/oder pseudolymphomatoiden Entzündungsmuster einhergehen. Als wahrscheinlicher Pathomechanismus wird ein persistierendes, allergisch-immunologisches Geschehen auf den Tätowierungsfarbstoff angenommen. Unverträglichkeitsreaktionen wurden gegen sämtliche klassischen Tätowierungsfarbstoffe beschrieben, das heißt gegen Chrom- (grün), Kobalt- (blau), Kadmium- (gelb) und Quecksilber- (rot)-Salze. Am häufigsten treten diese in roten Tätowierungen auf. Bei den roten Pigmenten sind Sensibilisierungen gegenüber Quecksilber in aus Zinnober oder künstlichem Zinnober (Quecksilbersulfid-Kristalle) bestehenden Farbstoffen am häufigsten; es sind aber auch Sensibilisierungen gegenüber einer Reihe Quecksilber-freier organischer und anorganischer Substanzen, die heute verwendet werden, beschrieben worden. Enthält der rote Farbstoff Kadmium, kann es auch zu einer photoallergischen Reaktion kommen, die sich jedoch rein urtikariell äußert. 

Während für in Tätowierungsfarben enthaltene Metallsalze (z.B. Quecksilber - rot, Chrom - grün, Kobalt - Blau, Cadmium - gelb) die Auslösung allergischer Reaktionen gut bekannt ist, sind allergische Reaktionen auf schwarze Tätowierungsfarbe lediglich kasuistisch behandelt. 

In der Literatur finden sich nur wenige Angabe über die Zusammensetzung der für Tätowierungen verwendeten Färbemitteln. Da Tätowierungsfarbstoffe bisher nicht als Kosmetika eingestuft werden, unterliegen sie auch keiner offiziellen Überwachung auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit. Nach den Ergebnissen der Analysen in einer neueren Untersuchung handelt es sich bei den untersuchten Tätowierungsfarbstoffen (9 verschiedene Farbtöne) um Gemische organischer Farbstoffe und anorganische Füllmittel (hauptsächlich Titandioxid). Schwermetallverbindungen des Quecksilbers, Cadmiums oder Chromate, die als Bestandteile der ”klassischen” Tätowierungsfarbstoffe zu unerwünschten Hautreaktionen führen können, konnten nicht nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse machen es wahrscheinlich, dass eine Verdrängung der älteren, anorganischen Farbstoffe durch neuere, überwiegend synthetische Substanzen stattgefunden hat. In einer neueren Untersuchung fanden sich in eine massenspektrometrischen Untersuchung einer Biopsie aus einem entzündlicher veränderten Anteile eines Rotanteils einer Tätowierung Titan und Eisen. 

Eine kontaktallergische Reaktion bildet sich jedoch häufig unter einer Lokalbehandlung mit lokalen Steroiden wieder zurück und tritt danach nicht wieder auf, obwohl im folgenden keine Allergenelimination stattfand. Möglicherweise kann diese klinische Toleranz dadurch erklärt werden, dass chemische Umwandlungsprozesse im Gewebe zur Veränderung der Allergenität der Tätowierungsfarbe führt. Die Rezidivfreiheit könnte jedoch auch gegen eine Kontaktsensibilisierung sprechen. Bei einer ekzematischen Reaktion in zeitlichem Zusammenhang mit einer Tätowierung käme dann differentialdiagnostisch eine akute Exazerbation eines atopischen Ekzems, getriggert durch eine durch die Tätowierung beigebrachte lokale entzündliche Reaktion. 

Fallberichte über allergische Reaktionen auf Tätowierungsfarbstoffe 

Beobachtet wurde bei einem Patienten nach einer Tätowierung mit roter Farbe, dass sich nach einigen Wochen nach intensiver Sonnen-Exposition ein verruköse photoallergische Reaktion im Bereich der roten Tätowierung entwickelte. Bei dem Farbstoff handelte es sich vermutlich um einen Cadmium-Farbstoff, von dem bereits ähnliche Reaktionen beschrieben wurden 

Zwei Monate nach Anbringung einer blauen Tätowierung entwickelte ein 42jähriger Patient eine chronische Urtikaria, welche aufgrund eines positiven Epikutantests auf eine Kobaltsensibilisierung zurückgeführt wurde. Eine chirurgische Entfernung der Tätowierung führte zum prompten Sistieren der Hautveränderungen. 

Dass die Allergenen in Tätowierungsfarbstoffen auch noch nach Jahren wirksam werden können, zeigt der Fallbericht eines Zementarbeiters, der eine Chromat-Allergie in Form eines Handekzems entwickelte. Zehn Wochen nach Beginn der Hautveränderungen entwickelte sich in einer vor 30 Jahren durchgeführten grünen Tätowierung, also wahrscheinlich durch Chrom-grün, eine juckende knotige Veränderung. 

Literatur: 415, 416, 417, 418 

Connolly et al: Red tattoo reactions. Contact dermatitis 50, 184-185 (2004) 

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