Suchbegriffe zu diesem Artikel: inhalative, Soforttypallergene

Roggen 

Inhalatives Typ I-Soforttypallergen 

Typ I-Nahrungsmittelallergen 

Kulturroggen, Secale cereale, Fam.: Gramineae 

Vorkommen 

Der Roggen ist eine anspruchslose Getreideart, widerstandsfähig gegenüber Nässe, Trockenheit und Winterkälte; insbesondere in Nordeuropa (bis Sibirien) ist er daher das wichtigste Brotgetreide. Weltweit steht er jedoch an letzter Stelle der Getreidepflanzen bezüglich Anbaufläche und Produktion. 

Neben Brotgetreide findet der Roggen Verwendung als Kaffeeersatz und zur Kornbranntweinherstellung 

Zwischen Roggenpollen und Roggenmehl besteht eine deutliche Differenz in der allergenen Potenz. 

Allergologische Relevanz 

Roggenpollen 

Roggenpollen besitzen die höchste allergene Potenz unter den Gräsern und sind daher wichtigster Auslöser einer Gräserpollenallergie und damit die häufigste und bedeutendste Ursache einer allergischen Rhinokonjunktivitis in Mitteleuropa. Die allergene Potenz des Roggenpollens ist fünfmal so hoch wie die der Wildgräserpollen. Roggen ist die einzige Getreideart, deren Pollen in großen Mengen durch die Luft transportiert werden. Pro Pflanze werden bis zu 4 Millionen Pollenkörner ausgestoßen, wobei zur Auslösung von Symptomen bereits 10-15 Pollen/Kubikmeter Luft ausreichen. Hauptallergene Sec c1 (MG 33.000), Sec c5 (MG 26/27.000). 

Roggenmehl 

Roggenmehl besitzt eine geringere allergene Potenz, verglichen mit Weizenmehl, da meist erst eine massive, langdauernde Exposition zu einer Sensibilisierung führt. In der Literatur finden sich nur wenig Fälle einer systemischen Nahrungsmittelallergie auf Roggenmehl (2,5 % bei 10). Eine inhalative Soforttypallergie auf Roggenmehl ist selten, eine berufsbedingte Exposition kann zu gleichen Symptome führen wie Weizenmehl (insbesondere Bäckerasthma); im Bäckergewerbe ist Roggenmehl das dritthäufigste Allergen. Neben Rhinokonjunktivitis und Asthma bronchiale können auch ekzematöse Hautveränderungen ausgelöst werden (siehe unter Bäckereihandwerk). Bedeutendste Allergene sind wie beim Weizen die alpha-Amylase-Inhibitoren (siehe auch unter “Getreide”). Zu dieser Gruppe gehört das näher charakterisierte Hauptallergen des Roggens Sec c1, durch welches 78,3 % der Roggenmehlallergiker sensibilisiert sind. Ein weiteres Hauptallergen ist das Sec C5. Die Hauptallergene finden sich in der wasserlöslichen Albuminfraktion. Häufig nachgewiesene positive Hauttestbefunde auf Roggenmehl (z.B. bei Gräserpollenallergikern) sind ohne klinische Relevanz, da erhitztes Roggenmehl zumeist reaktionslos vertragen wird. 

Kreuzreaktivität findet sich zwischen den Allergenen der Roggenpollen und des Roggenmehls. In hohem Maße finden sich Kreuzreaktionen zu anderen Getreidemehlen, wenngleich auch roggenspezifische Sensibilisierungen möglich sind. Zwischen Roggenpollen und anderen Gräserarten bestehen ebenfalls Antigengemeinschaften. 

Diagnostik 

Prick- und i.c. mit kommerziellen Extrakten (Al.: Roggenmehl, -kleie bzw. -pollen), RAST (Ph.: Roggenpollen, Roggenmehl), ggf. orale Provokation. Bei berufsbedingter Soforttypallergie nasale bzw. bronchiale Provokationstestung. 

Therapie 

Eine Hyposensibilisierungsbehandlung mit Roggenpollen und auch mit Roggenmehl ist möglich (Al.) 

Literatur: 1, 2, 3 

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