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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Austernpilz

(29.7.2015)

Pilze 

Typ I-Soforttypallergene, Typ IV-Kontaktallergene 

Die Pilze stellen ein eigenes Organismenreich dar. Diese unterteilt sich in die Abteilungen: 

  • Myxomycota (Schleimpilze) 
  • Zygomycota (Jochpilze), z.B. Wasserpilze, Schwarzschimmel 
  • Ascomycota (Schlauchpilze), z.B. Hefen wie Candida albicans (siehe auch dort), Brotschimmel (Saccharomyces) 
  • Basidiomycota (Ständerpilze), z.B. Champignon, Steinpilz, Fliegenpilz 
  • Deuteromycota (Fungi imperfecti), hierzu gehört die Masse der allergologisch wichtigen Schimmelpilze (siehe dort) 

Pilze dienen einerseits als Nahrungsmittel (Speisepilze), andererseits treten sie als - erwünschte oder unerwünschte - Bestandteile von Nahrungsmitteln in Erscheinung (siehe unter “Schimmelpilze”). Schimmelpilze gehören zudem zu den bedeutendsten Inhalationsallergenen.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Corthellus shiitake extract (INCI). Extrakt aus dem Pilz Corthellus shiitake, Fam.: Stielporlingsverwandte(Polyporaceae). Funktion: hautschützend

Polyporus umbellatus extract (INCI). Extrakt aus dem Pilz "Eichhase", Fam.: Stielporlingsverwandte (Polyporaceae). Funktion: hautschützend

Poria cocos extract (INCI). Extrakt aus dem Pilz Poria cocos. Funktion: hautschützend

Psalliota campestris extract (INCI). Extrakt aus dem Pilz Psalliota campestris. Funktion: hautpflegend

Ständerpilze (Blasidiomyzten) 

Austernpilz, Steinpilz, Shiitake, Schopftintling, Champignon (siehe auch dort)

Allergologische Relevanz 

Die Klasse der Ständerpilze umfasst etwa 14.000 verschieden Arten der morphologisch größten Pilze. Ständerpilzsporen kommen in verschiedenen Regionen in bedeutenden Konzentrationen in der Luft vor und können die Ursache allergischer, IgE-vermittelter Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Rhinitis sein. Ferner können die Ständerpilze kutane Erscheinungen wie ein Kontaktekzem oder die Exazerbation eines atopischen Ekzems auslösen oder sie können Ursache einer Nahrungsmittelallergie sein. 

Sporen von Ständerpilzen werden in großen Mengen in der Luft nachgewiesen und machen zwischen 5 und 60 % der gesamten Sporenmenge aus. In verschiedenen Studien gehören die Blasidiosporen zu den am häufigsten nachgewiesenen, organischen, atmosphärischen Partikeln. Obschon die Exposition auf Ständerpilzsporen relativ hoch ist, scheint die Bedeutung dieser Bestandteile als Auslöser für Allergien unterschätzt zu werden, nicht zuletzt, weil deren Identifikation oft schwierig ist. Beobachtet werden dabei Rhinokonjunktivitis und Asthma, gelegentlich auch bei beruflicher Exposition eine exogen-allergische Alveolitis. Bekannt sind inhalative IgE-vermittelte Sensibilisierungen gegen Steinpilze bei Arbeitern in der Gemüseextrakt- bzw. Suppenherstellung. Durch arbeitsplatzbezogene Exposition mit Steinpilzstaub kann es zur allergischen Reaktion mit klinischer Ausprägung als Rhinokonjunktivitis oder Asthma bronchiale bis hin zur schweren anaphylaktischen Schocksymptomatik kommen. Pilzsporen von Pleurotus florida (Austernsaitling), Shiitake, Bovist und Champignon wurden als Auslöser einer exogen allergischen Alveolitis nachgewiesen. Eine berufsbedingte exogen-allergische Alveolitis kann bei Pilzzüchtern als Folge der Inhalation von Kompoststaub aus Speisepilzkulturen auftreten. 

Die Häufigkeit einer Ständerpilz-Sensibilisierung entspricht etwa jener der etablierten Schimmelpilze (Alternaria, Cladosporium, Aspergillus und Fusarium). In verschiedenen Studien konnten Sensibilisierungsraten von 10-32 % bei Personen mit einer Atemwegsallergie auf eine oder mehrere Ständerpilz-Extrakte gefunden werden. 

Ekzemreaktionen gegenüber Esspilzen kommen offenbar sehr selten vor. Kontaktekzeme auf Ständerpilze treten nahezu ausschließlich bei Patienten mit intensivem Umgang mit Pilzen auf. Einzelkasuistiken über Kontaktekzeme bei Pilzsammlern, in der Pilzkultivierung und bei Botanikern sowie aerogene Kontaktekzeme durch den Sporengehalt von Lagerräumen sind dokumentiert. Als auslösendes Allergen wurde ein Protein oder Glykoprotein in Schirm, Stiel und Myzel der Blasidiomyzeten angenommen, da soweit untersucht, alle genannten Bestandteile der Ständerpilze zu einer Spättypreaktion im Epikutantest führten. Auch das Auftreten eines hämatogenen Kontaktekzems durch Genuss von Waldpilzen ist beschreiben (Steinpilz u. Maronenröhrling). Jedoch kann auch eine Auslösung bzw. Unterhaltung eines atopischen Ekzems nachgewiesen werden. 

Nahrungsmittelallergien auf Ständerpilze treten nur selten auf. Dabei ist überwiegend der Steinpilz, seltener der Champignon (siehe unten) als Ursache einer IgE-vermittelten systemischen Reaktion zu beobachten. Die Symptome reichten dabei vom generalisierten Juckreiz über Bauchschmerzen und Durchfall bis hin zur Urtikaria, Asthma und Anaphylaxie. Der Kochprozess scheint dabei die Allergenität von essbaren Waldpilzen nur wenig zu beeinflussen. Das sog. gastrointestinale Pilzsyndrom nach Ingestion ist möglicherweise nicht immer toxischer, sondern gelegentlich auch allergischer Genese.

Zu "Champignon" (siehe dort)

Diagnostik 

Das Fehlen von zuverlässigen Extrakten macht es schwierig eine Sensibilisierung bzw. Allergie auf Ständerpilze zu erkennen. Bei V.a. Nahrungsmittelallergie Prick- bzw. Scratchtestung mit frischem bzw. getrocknetem Pilzmaterial. Bei V.a. Typ IV-Ekzemreaktion: Scratch- und Epikutantestung mit Nativmaterial, Ablesung jeweils nach 24-72 h.

Shiitake 

Vorkommen und Beschreibung

Shiitake hat sich zum zweithäufigsten Zuchtpilz in der ganzen Welt entwickelt. Er stammt aus der Familie der Ritterlingsartigen (Tricholomataceae). Sein Hut ist bis 20 cm breit, von braungrauer bis brauner Farbe mit angedrückten, dreieckigen Schuppen, die Lamellen sind weiß-bräunlich, die Sporen farblos. Der frische Pilz wird gedünstet, der getrocknete aufgeweicht und dann erwärmt. Er wird als wohlschmeckend und unseren Steinpilzen vergleichbar beschrieben und zu zahlreichen asiatischen Gerichten gereicht, aber auch zu Soßen verarbeitet. 

Allergologische Relevanz 

Nach Genuss von rohem oder halbgarem Pilz kann die sogenannte Shiitake-Dermatitis auftreten, bei der starkjuckende, linear angeordnete, dicht stehende, sehr kleine Papeln zu beobachten sind. Als Köbner-Phänomen entstehen diese Veränderungen durch streifenförmiges Kratzen. Außerhalb der Haut wurden keine anderen Symptome beobachtet. Die Zeitdauer der Rückbildung ist unterschiedlich und beträgt bis zu 38 Tage. Die als Auslöser angeschuldigten thermolabilen Polysaccharide werden wahrscheinlich bei höherer Temperatur zerstört, es wird deshalb geraten die weit verbreiteten Pilze nur gekocht zu verzehren. Es wird eine toxische Genese vermutet, Hauttests sind diesen Fällen negativ. Das Krankheitsbild wurde bisher nahezu ausschließlich von japanischen Autoren beschrieben, in Europa sind diesbezügliche Berichte extrem selten. Neben dieser toxischen Hautreaktion sind in selten Fällen auch allergische Reaktion, zumeist bei beruflicher Exposition beschrieben (Kontakturtikaria, Kontaktdermatitis, allergische Alveolitis). Mit einer Zunahme der durch diesen Speisepilz verursachten Krankheitsbilder ist auch in Europa zu rechnen. 

Literatur: 1, 2, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

Simeoni et al: Occupatinoal allergic contact dermatitis from champignon and Polish mushroom. Contact Dermatitis 51, 156-157 (2004) 

Kaminska et al: Occupational protein contact dermatitis form shiitake mushrooms. Contact Dermatitis 50, 199 (2004) 

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