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(2.4.2015)

Perubalsam 

Typ IV-Kontaktallergen 

Perubalsam (auch balsamum peruvianum) ist eine dunkelbraune bis schwarze, visköse Masse mit angenehmem Geruch nach Zimt und Vanille. Das seit Jahrhunderten auf den Markt gelangende Material stammt fast ausschließlich aus El Salvador. Hier wachsen in der Küstenregion die Balsambäume (Myroxylon balsamum var. pereirae, Fam.: Fabaceae). Das Prinzip der Herstellung beruht darauf, die Kambialschicht des Baumes in mehreren Schritten zu einer wiederholten, übermäßigen Produktion eines Wundsekrets anzuregen, das von Lappen aufgesogen und anschließend gereinigt wird. Perubalsam ist ein mildes Antiseptikum mit entzündungshemmenden, mild anästhesierenden und juckreizstillenden Eigenschaften. Er wirkt granulationsfördernd und keratoplastisch.

Perubalsam - und zwar das Exsudat von Myroxolon pereirae - ist als Duftstoff in der EU seit 2005 verboten, jedoch nicht bez. seiner sonstigen Verwendungen in Kosmetika wie filmbildend, haarkonditionierend und maskierend. Die Extraktionen und Destillate aus dem Perubalsam können jedoch als Duftstoffe bis zu einer Konzentration von 0,4 % des fertigen Produktes verwendet werden.

Vorkommen von Perubalsam:

  • in der Zigarettenindustrie (Aromatisierung/Parfümierung von Tabak) 
  • in zahlreichen Medikamenten zur äußerlichen Anwendung, insbesondere zur Behandlung von Unterschenkelekzemen, Ulcus cruris, Hämorrhoiden, Frostbeulen, Verbrennungen 
  • als Duftstoff oder Fixateur in Kosmetika wie Toilettenseifen, Haarlotionen, Lippenstiften, Rasierwässern und Zahnpasten 
  • in der Zahnheilkunde, z.B. als Aromastoff für Zahnzement und Zahnzementflüssigkeiten 
  • in Ölfarben 
  • im technischen Bereich als Geruchskorrigens, z.B. in Kühl- und Schmiermitteln 

In der Nahrungsmittelindustrie (z.B. gesüßte Getränke, Coca-Cola und ähnliche Colagetränke) wird Perubalsam nicht als Gesamtsubstanz eingesetzt. Vielmehr kommen zahlreiche Komponenten des Perubalsams als Einzelsubstanz oder als Gemisch vor. So finden sich z.B. 

  • Vanillin als Aromazusatz in Schokolade 
  • Benzylalkohol in Marzipan 
  • Zimtalkohol, Zimtaldehyd, Zimtsäure und weitere Zinnamate in Gebäck, Kuchen, Konditorwaren, Zimtrollen und süßen Nachspeisen 
  • Eugenol und Isoeugenol stellen weit verbreitete Inhaltsstoffe der ätherischen Öle der Gewürznelke, Zimtblätter, Lorbeerblätter, Muskatnuss dar. Als Geschmackszusatz finden diese Öle in Getränken, Eiskrems, Backwaren, Pudding und Kaugummi vielfältige Verwendung. 
  • Farnesol wird bakterizid (z.B. in Deodoranzien) 
  • Nerodiol dient als Wirkstoff in Schädlingsbekämpfungsmitteln und als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Pharmazeutika 
Perubalsam - und zwar das Exsudat von Myroxolon pereirae - ist als Duftstoff in der EU seit 2005 verboten, jedoch nicht bez. seiner sonstigen Verwendungen in Kosmetika wie filmbildend, haarkonditionierend und maskierend. Die Extraktionen und Destillate aus dem Perubalsam können jedoch als Duftstoffe bis zu einer Konzentration von 0,4 % des fertigen Produktes verwendet werden.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Myroxolon pereirae resin (INCI). Oleoresin aus dem Rindenexsudat von Myrosolon pereirae. Kosmetische Funktion: haarkonditionierend, maskierend, filmbildend

Allergologische Relevanz 

Ekzemschübe nach oraler Gabe von Perubalsam oder Verabreichung verwandter Materialien, die Inhaltsstoffe von Perubalsam enthalten, wurden als hämatogenes Kontaktekzem mehrfach beschrieben. Bei einer Perubalsam-Allergie ist der Patient gut beraten, wenn er das Rauchen einstellt. Die tägliche Erfahrung zeigt, dass ein Handekzem oder Hautveränderungen an anderen Körperstellen schnell abklingen, sobald auf das Rauchen verzichtet wird. Ein solcher Zusammenhang besteht bei Perubalsam-Allergikern auch bei übermäßigem Genuss von Süßigkeiten bzw. gesüßten Getränken. Die oral aufgenommene Perubalsammenge beträgt im Höchstfall nur wenige mg pro Tag. In einer Untersuchung von 281 Patienten mit chronischer Dermatitis reagierten 66 positiv auf eine orale Provokation (1 g Perubalsam in Kapseln), wobei häufig kein positiver Epikutantest auf Perubalsam bestand. Bei betroffenen Patienten kann daher eine Diät empfohlen werden, die auf balsamhaltige Lebensmittel verzichtet. Folgende Produkte sind dabei mit Vorsicht zu empfehlen: 

  • Marmelade, Kuchen, Gebäck, Bonbons, Speiseeis, Schokolade 
  • Produkte, die mit Aromen, Essenzen und Schalen von Zitrusfrüchten zubereitet werden (Backwaren, Süßigkeiten, Desserts, Eiscreme, Joghurt mit Nussaromen, Kaugummi) 
  • parfümierte Produkte, wie Tees, Zigaretten und Tabak 
  • ”Softdrinks” wie Cola-Getränke, Liköre, Wermut, Bitter, Magenbitter, Cocktails 
  • Gewürze, wie Zimt, Nelken, Curry, Vanille, eventuell bestimmte Pfeffersorten und Produkte, die damit zubereitet wurden, sowie Tomatenketchup, Chilisoßen, eingelegte Heringe, eingelegtes Gemüse, Leberpastete 
  • Hals- und Lutschtabletten, Hustensäfte und andere Medikamente in Saftform 
  • Eugenol (von Zahnärzten benutzt) 

Die Zahl der Perubalsam-Inhaltsstoffe beläuft sich auf ca. 250. Mindestens 30 dieser Substanzen besitzen ein schwaches bis mittelstarkes Sensibilisierungsvermögen. Das Hauptallergen ist das Koniferylbenzoat, ein starker Sensibilisator. Auch Zinnamate und Benzoate, die den größeren Anteil (> 40 %) des Perubalsamharzes ausmachen, spielen als Allergene eine Rolle. Interessant ist dabei, dass sowohl die natürlichen Aromen und ätherischen Öle aus Pflanzen als auch Propolis eine Vielzahl von Inhaltsstoffen enthalten, die in allen Substanzen gemeinsam vorkommen und dann auch bei einer Testung gemeinsam reagieren; von einer Kreuzallergie im eigentlichen Sinne kann daher nicht gesprochen werden. Die wichtigsten Allergene, die sowohl im Perubalsam als auch im Propolis vorkommen, sind: 

  • Benzylbenzoat 
  • Benzylcinnamat 
  • Benzylalkohol 
  • Benzoesäure 
  • Zimtsäure 
  • Kaffeesäure 
  • Zimtalkohol 
  • Vanillin 
  • Benzylferulat 
  • Benzylisoferulat 
  • Farnesol 
  • Nerolidol 
  • Koniferylbenzoat (Hauptallergen) 

Weitere wichtige im Perubalsam vorkommende Allergene sind: 

  • Cinnamylcinnamat 
  • Zimtalkohol 
  • Eugenol 
  • Isoeugenol 

Bei den häufigsten Kontaktallergenen ist Perubalsam in vielen Ländern in die dritte Position gerückt. Neben der erheblichen Zunahme der Parfümallergie, die mit dem Anstieg der Perubalsam-Allergie deutlich korreliert ist, trägt dazu in zunehmendem Maße auch die Tatsache bei, dass zahlreiche Frauen rauchen. Perubalsam und Tolubalsam zählen zu den wichtigsten Ingredienzien bei der Aromatisierung und Parfümierung des Tabaks. Nur wenige Marken mit unbehandelten Tabaken sind davon ausgenommen. 

Besonders hohe Sensibilisierungsraten finden sich bei Ulcus cruris-Patienten (Prävalenz 18,2-21,8 %) und Parfüm- und Kosmetikallergikern (14,5 %). Die Sensibilisierung erfolgt dabei in der Regel durch topische Anwendung auf vorgeschädigter Haut. Auch im Kindesalter werden Kontaktdermatitiden häufig durch Perubalsam verursacht, in Europa rangiert es hier an 6.-7. Stelle. Die Sensibilisierung erfolgt durch perubalsamhaltige Medikamente und Kinderpflegemittel. 

Außer kontaktallergischen Reaktionen werden vielfach auch (nichtimmunologische) urtikarielle Sofortreaktionen auf Perubalsam beobachtet.

Allergologische Diagnostik 

Epikutantestung mit Block Standard, Testkonzentration 25,0 % (SmartPractice).

Vielfach werden gleichzeitige Reaktionen auf Perubalsam, Duftstoff-Mix, Kolophonium und Propolis beschrieben. 

Perubalsam muss daher in der Standardreihe als äußerst wichtiger Indikator für eine Allergie auf die genannten Duft- und Aromastoffe angesehen werden. Häufig genügt die Sensibilisierung auf einen einzigen Perubalsam-Bestandteil und der Epikutantest mit Perubalsam wird positiv. Ohne eine Aufschlüsselung der wichtigsten allergenen Inhaltsstoffe des Perubalsams kann daher keine relevante Aussage über den Ursprung der Sensibilisierung gemacht werden. 

Patienten mit einer Perubalsam-Allergie sollte man nach den Rauchgewohnheiten sowie der Art und Menge der verzehrten Süßigkeiten, gesüßten Getränken (Coca-Cola u.a.) fragen. Nach einer Karenz von zwei Wochen lässt man sich dann berichten, welches Ergebnis diese Diät erbracht hat. Sollte eine aufgeschlüsselte Epikutantestung nicht möglich sein, kann man dem Patienten auf diese Weise zeigen, dass es dennoch eine Therapiemöglichkeit gibt. 

Literatur: 4, 6, 349

http://ec.europa.eu/health/archive/ph_risk/committees/04_sccp/docs/sccp_o_055.pdf

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

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