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Kontaktdermatitis 

Syn: Kontaktekzem

Die allergische Kontaktdermatitis ist eine Typ IV-Reaktion nach Coombs und Gell. Nach Sensibilisierung auf einen (in der Regel) niedermolekularen Stoff entsteht nach Allergenkontakt eine juckende Dermatitis mit der typischen Ekzemmorphe. Im chronischen Stadium sind plaqueartige Infiltration, Schuppung, Rhagaden und Ausbreitung über das ursprüngliche Kontaktareal hinaus charakteristisch. Die allein klinisch davon oft nicht zu unterscheidende irritative Kontaktdermatitis ist das Resultat von starken Irritanzien (akute toxische KD) oder die Summationswirkung von mehreren Faktoren (kumulativ-subtoxische Dermatitis). Als wesentlicher Dispositionsfaktor für die irritative KD ist die Atopie anzusehen.

Kontaktallergien zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Haut und stellen die mit Abstand bedeutsamsten beruflich erworbenen und zur Berufsunfähigkeit führenden Dermatosen dar. Mehrer tausend Umweltsubstanzen sind bekannt, die eine sich klinisch als Ekzem manifestierende Kontaktdermatitis hervorrufen können. Kontaktallergene sind in der Regel niedermolekulare Substanzen, die als Haptene zunächst mit einem Peptid oder Protein interagieren müssen, um ihre allergenen Eigenschaften zu entfalten. Während der klinisch asymptomatisch verlaufenden Sensibilisierungshase werden Haptene nach der Pentration der Eidermis im Komplex mit Proteinen von dendritischen Zellen der Haut zu haptenisierten Peptiden prozessiert, die anschließend zu drainierenden Lymphknoten auswandern, um dort ihr Antigen im Komplex des "major histocompativility complex" (MHC) naiven T-Lymphozyten zu präsentieren. Diese expandieren daraufhin und führen nach erneuter Exposition der Haut mit demselben Allergen zu einer mehr oeder weniger ausgeprägten Entzündungsreaktion.

Während die Phase der Sensibilisierung recht gut untersucht ist, so ist über die Mechanismen der Ekzemauslösung in der Aulösephase, in der die charakteristischen und beeinträchtigenden Hautmanifestationen klinisch wahrnehmbar werden, vergleichweise wenig bekannt. Forschungsergebnisse der letzten Jahre deuten darauf hin, dass sowohl für den Prozess der Sensibilisierung wie auch vermutlich für die Auslösepahse des Kontaktekzems zwei Signale erforderlich sind, die beide durch ein von außen auf die Haut einwirkendes Allergen bzw. Hapten generiert werden: ein antigenspezifisches, über das System der adaptiven Immunität unter Vermittlung von MHC-Molekülen generiertes T-Zell-spezifisches Signal und ein im immunologisches en Sinn nichtspezifisches, irritativ-proinflammtorisches Signal. So wird beispielsweise die Sensibilisierung gegen ein Allergen begünstigt, wenn gleichzeitig Irritanzien appliziert werden. Ähnliche Beobachteungen wuden für die Auslösephase des Kontaktekzems berichtet: im Mausmodell vermögen geringste Konzentrationen von Haptenen, die allein nicht in der Lage sind, in sensibilisierten Tieren ein Kontaktekzem auszulösen, dieses dann bewerkstelligen, wenn zeitgleich ein anderes (irritatives) Hapten oder ein Irritanz aufgetragen wird. Unspezifische bzw. irritative Eigenschaften von Allergenen bzw. Haptenen führen innerhalb weniger Stunden nach der epikutanen Exposition zur Heraufregulation von Zytokinen, Chemokinen und Adhäsionsmolkülen. Darauf resultiert zunächst eine in der Regel subklinische Entzündungsreaktion, in deren Folge auch antigenspezifische T-Lymphozyten

Die Prävalenz der allergischen KD in der Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 1,5 und 3 %, die 1-Jahres-Prävalenz der (nicht weiter differenzierten) manifesten Ekzeme bei etwa 10 %. Die Inzidenz der KD, das Neuauftreten in der bisher nicht betroffenen Bevölkerung liegt zwischen 5 und 10 Fällen pro 1.000 Personen pro Jahr. Über 20.000 Fälle mit Verdacht auf eine beruflich gedingte Hauterkrankung werden jährlich neu gemeldet, über 90 % davon sind Kontaktdermatitiden. 

Die in den verschiedenen Untersuchungen ermittelten Sensibilisierungshäufigkeiten gegen die meisten Allergenen sind abhängig vom Alter und dem Geschlecht. In der Allgemeinbevölkerung beträgt die Nickelsensibilisierung etwa 7 %, bei jungen Frauen jedoch nahezu 20 %. 

Erhebliche Unterschiede in der Ekzemausprägung und in der Ekzemprävalenz zeigen sich in den unterschiedlichen Berufen. Dabei sind die Friseure, die Metallarbeiter, die Heil- und Pflegeberufe, die in der Nahrungsmittelverarbeitung Tätigen sowie die Bauberufe sind am häufigsten betroffen. In dem am stärksten betroffenen Beruf (Friseure) zeigt sich eine Inzidenz von 580 Fällen pro 10.000 pro 3 Jahre. 

Die irritative KD ist insgesamt sicher häufiger als die allergische KD, wird aber in statistischen Erhebungen unterbewertet. In vielen Berufssparten (z.B. Fischern, Maurern, Landarbeitern) wird eine leichte IKD als normal hingenommen und ärztliche Hilfe nicht aufgesucht. Die atopische Hautdiathese stellt einen bedeutsamen Risikofaktor für diesen Ekzemtyp dar. Zudem sind hellhäutige, sonnenempfindliche Probanden (Hauttyp I) gefährdeter auf eine Reihe von chemisch verschiedenen Irritanzien stärker zu reagieren, als Personen mit Hauttyp III oder IV. 

Pathogenese 

Die meisten Kontaktallergene stellen Haptene dar. Haptene sind kleine Moleküle häufig kleiner als 1 kDa, oder Jonen, die zu klein sind, um allein als vollständige Allergene zu wirken. In der Regel liegt das Molekulargewicht der wichtigsten und verbreitetsten Kontaktallergene innerhalb eines engen Bereiches zwischen 150-350 D und ist damit wesentlich geringer als das der Typ I-Soforttypallergene (5-70 KD). Nach Hautpenetration binden Haptene an Proteine der Epidermis oder an zellmembranassoziierte Moleküle. Das entstehende Produkt wird als ”Hapten-carrier-Komplex” bezeichnet. 

Sensibilisierungsphase 

Nach Eindringen in die Epidermis und möglicher Bildung eines Hapten-carrier-Komplexes erfolgt die Aufnahme in antigenpräsentierende Zellen der Haut, den Langerhans-Zellen, die dendritischen Vorläuferzellen des Knochenmarks entstammen. Diese verlassen die Haut und wandern in den peripheren Lymphknoten. In der parakorikalen Zone des Lymphknotens interagieren die Hapten-beladenen Langerhans-Zellen mit nativen T-Lymphozyten, die noch keinen vorherigen Kontakt mit spezifischem Antigen hatten und einen T-Zellrezeptor besitzen. Der aktivierte T-Lymphozyt proliferiert und entwickelt sich in Hapten-spezifische T-Lymphozyten (Effektor- und Memoryzellen) und gelangt anschließend in die Zirkulation. Die volle Entwicklung der Memoryzellen dauert etwa 7-14 Tage. 

Allergenreexposition 

Bei wiederholtem Hautkontakt mit dem Allergen und bereits sensibilisierten Individuen bindet dieses an antigenpräsentierende Zellen (APZ) der Haut und Keratinozyten. Diese produzieren verschiedene Zytokine und Chemokine, die Lymphozyten anlocken und aktivieren. Endothelzellen exprimieren Oberflächenmarker die eine Extravasation erleichtern. Treffen Memory-T-Zellen auf passendes Allergen wird eine starke inflammatorische Reaktion initiiert, mit konsekutivem Einstrom verschiedener Zellpopulationen, die sich klinisch als allergisches Kontaktekzem manifestiert. Durch Produktion antiinflammatorischer Mediatoren und Allergeneliminierung klingt die Reaktion nach wenigen Tagen ab. 

Die allergene Potenz einer Substanz lässt sich bisher nur unzureichend aus der chemischen Struktur ableiten. Neben der Hautpenetrationsfähigkeit des Allergens sind andere Faktoren wichtig, die die Penetration erleichtern, z.B. ein bereits existierendes irritatives Kontaktekzem oder Anwesenheit von Irritanzien. Des weiteren spielen die Reaktivität mit Hautproteinen sowie Expositionshäufigkeit und Lokalisation des Allergenkontaktes eine wichtige Rolle. Für eine erfolgreiche Sensibilisierung ist eine ausreichende Allergenkonzentration im Hautareal notwendig, unterhalb eines bestimmten Schwellenwertes ist eine Sensibilisierung unwahrscheinlich. 

Berufsbedingte Kontaktdermatitis 

Berufsbedingte Hauterkrankungen gehören mit zu den häufigsten Berufskrankheiten in industrialisierten Länden. Häufiger und verlängerter Einsatz von Hautirritanzien wie Wasser, Seifen und Okklusion durch das Tragen von Handschuhen sind dabei die Hauptfaktoren bei der Entwicklung einer berufsbedingen Hauterkrankung, insbesondere einer irritativen Kontaktdermatitis. Reduzierte Exposition von Hautirritanzien spielt daher eine wichtige Rolle, um einer berufsbedingten Hauterkrankung vorzubeugen (siehe auch unter “Hautschutz”). 

Berufe mit hohem Risiko für eine allergische oder irritative
Kontaktdermatitis 

Berufe 

Vorkommen 

wichtige sensibilisierende Stoffe (Kontaktallergene) 

irritative Faktoren 

Bäcker

Konditoren 

Teige
 

Aromen u.
Gewürze 


Konservierungsmittel, Antioxidanzien 

Reinigungsmittel 

Weizen-, Roggen-, Sojamehl, zugesetzte (Pilz-)Amylase 

Vanille, Bittermandel, Anis, Orangenschalenextrakt, Zimt u.a. 

Benzoesäure, Sorbinsäure, Parabene, Gallate
 

Desinfektionsmittel, Konservierungsstoffe 

Nassarbeit, Seifen u. Detergenzien, Fruchtsäfte, Enzyme,
Gewürze 

Bauberufe 

Zement, Frischbeton 

Kunststoffe 

Chromate, Kobaltverbindungen 

unausgehärtete Epoxidharze u. Härter, Isocyanate 

Zement, Kalk, verschiedene Säuren, Holzschutzmittel 

Fotolaboranten 

Entwickler

 

Fotochemikalien 

Gummihand-schuhe 

p-substituierte aromatische Amine (CD 2,3,4) Phenidon, Hydrochinon 

Chromate, Formaldehyd 

Akzeleratoren, Naturlatex 

Nassarbeit, Löse-mittel 

Friseure 

Dauerwellmittel
 

Haarfarben 



Blondiermittel 

Haarwaschmittel 



Gummihand-schuhe 

Ester u. Salze der Thioglykolsäure, Fixiermittel 

p-Phenylendiamin,
p-Toluylendiamin
u.a. Färbemittel, Resorcin 

Persulfate 

Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Pflanzenextrakte, Emulgatoren 

Akzeleratoren, Naturlatex 

Nassarbeit, Okklusion durch zunehmendes Tragen von Handschuhen, Shampoos, Dauerwelleflüssigkeiten u. Bleichmittel 

Galvaniseure 

galvanische Bäder
 

Gummihand-schuhe 

Nickel-, Chrom-, Kobaltverbindungen 

Akzeleratoren, Naturlatex 

 

Gärtner u.
Floristen 

Zierpflanzen
 

Pflanzenschutzmittel 

Primeln, Chrysanthemen u.a. Asteraceae, Tulpenzwiebeln 

Carbamate, Thiurame,
Pyrethrum u.a. 

irritierende Pflanzen u. abrasiv wirkende Pflanzenteile, Pestizide u. Kunstdünger 

Gummihersteller  u. -verarbeiter 

Gummi-chemikalien 

Naturlatex, Thiurame, Thiocarbamate, Mercaptobenzothiazole, p-substituierte Amine (IPPD), Kolophonium 

 

Heil- und 

Pflegeberufe 

Desinfektionsmittel
 

Medikamente

 

Gummihand-schuhe u.a. Gummiartikel 

Formaldehyd, Glutaraldehyd, Quecksilberverbindungen, Chlorkresol u.a. 

Antibiotika, Lokalanästhetika, Phenothiazine (Photoallergene), ätherische Öle 

Akzeleratoren, Naturlatex 

Okklusion durch
Tragen von Handschuhen, Nassarbeit, Desinfektionsmittel 

holzbearbeitende Berufe 

Hölzer
 

Klebstoffe
 

Beizen
 

Holzschutzmittel 

Palisander, Teak, Ebenholz, Cocobolo u.a. 

Formaldehydharze, Kolophonium, Epoxidharze, Acrylate 

Chromverbindungen, Azofarbstoffe u.a. 

Insektizide, Fungizide 

Hölzer 

Köche

Küchenhilfe 

Lebensmittel


 

Reinigungsmittel
 

Gummihand-schuhe 

Mehl, Enzyme, Fleisch, Fische, Krustentiere, Gemüse, Gewürze, Konservierungsstoffe, Farbstoffe 

Desinfektionsmittel, Konservierungsstoffe 

Akzeleratoren, Naturlatex 

Seifen u. Detergenzien, Nassarbeit, Fruchtsäfte, Gemüsesäfte, Fisch, Fleisch, Schalentiere 

kunststoff-herstellende 

Industrie 

unausgehärtete Kunstharze 

Epoxidharze u. Härter, Acrylate, Kobaltbeschleuniger, Peroxide, Melamin-, Phenol-Formaldehydharze, Isocyanate, Phthalte 

Lösemittel, Säuren, Oxidanzien, Diisocyanate, Acrylmonomere, Phenole, Formaldehyde, Diallyl-phthalate, Bestand-teile von Epoxidsystemen, Styrene/Styrol 

landwirtschaftliche Berufe 

Futtermittelstäube


 

Tierhaare, -speichel, -urin 

Pflanzenbestandteile 

Gummiartikel 

Desinfektionsmittel 

Melkfett 

Pflanzenschutzmittel 

Getreide Medikamente u.a. Futtermittelzusätze (Olaquindox, Phenothiazine, Antibiotika) 

tierische Proteine
 

  

Akzeleratoren
Formaldehyd, Chloramin u.a.
 

Osmaron B, Lanolin 

Desinfizienzien u. Reinigungsmittel,
Pestizide, Kunstdünger, Pflanzen, tierische Sekrete 

Leder-, Fellverarbeitung 

Gerbstoffe 

Kleber
 

Imprägniermittel 

Färbemittel 

Chromat 

Kolophonium, p-tert.-Butyl-phenolformaldehydharz 

Kunstharze 

Azofarben u.a. 

 

Löter, 

Elektroniker 

Lötmittel 

Metallkleber 

Metalle 

Kolophonium 

Epoxidharze, Acrylate, Härter 

Nickel, Kobalt u.a. 

 

Maler u.
Lackierer 

Farben
 

Zement
 

Klebstoffe 

Kunstharze, Terpentinöl u. -Ersatzstoffe, Farbpigmente 

Chrom- u. Kobaltverbindungen 

Formaldehydharze, Kolophonium, Epoxidharze, Acrylate, Isocyanate 

Lösemittel, Farbentferner, organische Zinnverbindungen, starke Handreinigungsmittel 

Metallarbeiter 

Kühlschmierstoffe (insbesondere wassergemischte) 

Metalle 

Metallkleber 

Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Korrosionsschutzmittel, Ethanolamine, Tallöl 

Nickel, Kobalt u.a. 

Epoxidharze, Acrylate, Härter 

Nassarbeit, Kühlschmiermittel, Handreinigungsmittel, 

Lösemittel 

Reinigungsdienste 

Reinigungsmittel 

Desinfektionsmittel 

Fußbodenpflegemittel 

Gummihand-schuhe 

Konservierungsmittel 

Formaldehyd, Glutaraldehyd
 

Wachse, Terpentinöl u. -ersatzstoffe 

Akzeleratoren, Naturlatex 

Nassarbeit, Detergenzien, Lösemittel 

Textilhersteller u. -verarbeiter 

Textilfarben, Beizen 

Appreturen, Spezialausrüstungen 

Gummifäden 

Kleidungszubehör 

Dispersionsfarbstoffe, Chromate 

Formaldehydharze, Acrylate, Polyurethane
 

Akzeleratoren, Naturlatex 

Nickel, Kobalt 

 

Zahntechniker 

Dentalchemikalien 

unausgehärtete Acrylate und Mischharze, Nickel, Kobalt, Palladium, Amalgam 

Nassarbeit, mechanische Reibung, Mikrotraumen durch scharfe Objekte, Reizung durch Acrylatmonomere 

Literatur: 236, 237

Schmidt et al: Neues zur Pathophysiologie des allergischen Kontaktekzems auf Nickel. Allergo J 20, 74-80 (2011)

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