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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Hirse

(15.7.2015)

Hirse 

Typ I-Nahrungsmittelallergen, (potenzielles) Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Hirse gehört zu den Gramineen (Süßgräser) und ist eine der ältesten kultivierten Pflanzen. Man unterscheidet echte Hirsen von Sorghum-Hirsen (Soghum bicolor). Zu den echten Hirsen gehören die Rispenhirse (Panicum miliaceum), Kolbenhirse (Setaria italica), Perlhirse, Fingerhirse und die japanische Hirse. Rispen-Hirse hat in Indien und China etwa die gleiche Bedeutung wie Roggen und Weizen für Europa. Sorghum-Hirsen werden seit ca. 5000 Jahren in Indien und China angebaut. Auch heute haben Hirsen in ihren Anbaugebieten als Volksnahrungsmittel große Bedeutung, in Afrika und Asien ist Hirse ein Grundnahrungsmittel. In Deutschland war die Hirse bis zum ausgehenden Mittelalter neben Gerste, Hafer und Buchweizen ein beliebtes Braugetreide. Ihr Anbau ging zugunsten ertragreicherer Getreidesorten und der Kartoffel zurück. Heute wird Hirse im allgemeinen, mit Ausnahme von Naturkostläden, nur noch als Vogelfutter verkauft.

Verwendung als kosmetische Inhaltsstoff

Panicum miliaceum extract (INCI). Extrakt aus den Samen der Rispenhirse. Funktion: glättend, hautpflegend

Allergologie (Relevanz)

Entsprechend dem Verlust an Bedeutung als Nahrungsmittel ist Hirse aus allergologischer Sicht noch nicht bedeutsam (2 Fälle bei 10, 11). Hirse ist jedoch ein potentes Allergen und kann sowohl als nutritives und inhalatives Allergen wirken. Sowohl der Verzehr von gekochter Hirse als auch die Einatmung nativen Hirsestaubs können zu klinischer Symptomatik führen. Lediglich einzelne Fallbeschreibungen in der Literatur finden sich zu Hirse als Nahrungsmittelallergen, wobei in einzelnen Kasuistiken von einer gleichzeitig bestehenden Reis- bzw. Maisallergie berichtet wird. Beschreiben sind anaphylaktische Reaktionen (Urtikaria, Quincke-Ödeme, Asthma bronchiale) bis hin zum anaphylaktischen Schock mit Typ I-Sensibilisierung auf Hirse. Bei allen Fällen handelte es sich um polyvalent sensibilisierte Atopiker. Eine monovalente und klinisch relevante Sensibilisierung wurde noch nicht publiziert. 

Kreuzreaktivitäten können zu Weizen, Mais und Reis bestehen. Aufgrund der Zunahme von Natur- und Vollwertkost ist zu erwarten, dass die Fälle mit allergischen Reaktionen zunehmen. 

Es muss angenommen werden, dass in der Antigenität keine Unterschiede zwischen nativer und gekochter Hirse bestehen. So fanden sich positive Hauttestungen sowohl auf rohe als auch auf gekochte Hirse. 

Allergologische Diagnostik 

Reibetest und Prick/Scratch mit nativer Hirse (roh und gekocht), RAST (Ph. Rispen-, Kolbenhirse). 

Literatur: 1, 2, 179, 180, 181, 182

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

Noch Pubmed

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