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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Chlorhexidin

(14.4.2015)

Chlorhexidin

Typ I-Soforttypallergen, Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Chlorhexidinverbindungen (-diacetat, -digluconat, -dihydrochlorid) sind weit verbreitete Desinfektionsmittel und Antiseptika für die Haut- und Schleimhautanwendung.Chlorhexidin wird seit Mitte der 1970er Jahre als Desinfektionsmittel eingesetzt. Beson­ders beliebt ist es in der Zahnmedizin, doch auch in der Humanmedizin ist es weit verbreitet. Es ist nicht nur in Haut- und Schleimhautantiseptika und Handdesinfek­tionsmitteln enthalten, sondern auch in Gleitgelen für medizinische Eingriffe, in Spüllösungen für Blasenkatheter oder in  Augen- und Nasentropfen sowie in Gelen zur Bindung überschüssiger Magensäure. Chlorhexidin wird zur vorübergehenden unterstützenden Behandlung bei bakteriell bedingten Entzündungen von Mundschleimhaut und Zahnfleisch eingesetzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Unterstützung der Heilungsphase nach mund- und kieferchirurgischen Eingriffen. Außer in Arzneimitteln findet sich Chlorhexidin auch in Wundpflastern und Kosmetika. Zudem wird Chlorhexidin zur Imprägnierung von zentralvenösen Kathetern angewendet, um durch Katheter verursachte Infektionen zu verhindern.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Chlorhexidinie (INCi). Funktion: Konservierungsstoff

Chlorhexidinie diacetate (INCi). Funktion: Konservierungsstoff

Chlorhexidinie digluconate (INCi). Funktion: Konservierungsstoff

Chlorhexidinie dihydrochloride (INCi). Funktion: Konservierungsstoff

Allergologie (Relevanz)

Über anaphylaktische Reaktionen auf Chlorhexidin wurde bei mehreren Patienten berichtet, gemessen am weit verbreiteten Einsatz der Substanz ist deren Zahl jedoch gering. Insbesondere bei Kontakt über die Schleimhäute kann Chlorhexidin anaphylaktische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock mit lebensbedrohlicher Symptomatik verursachen,  z.B. infolge der Anwendung von Chlorhexidin-haltigem Gleitgel vor urethraler Katheterisierung und rektaler digitaler Untersuchung, nach dem Einsetzen eines Intrauterinpessars, vor einer Zystoskopie, nach Anwendung von mit Chlorhexidin imprägnierten bzw. beschichteten zentralen Venenkathetern, bei Anwendung auf Wunden oder auch auf nicht-geschädigter Haut. Bei Anwendung auf der intakten Haut sind die Reaktionen im allgemeinen weniger schwer, jedoch können auch Urtikaria, Angioödeme, Atemnot und eher selten schwere anaphylaktische Reaktionen beobachtet werden. Oft gehen milde Kontaktdermatitiden, die nicht mit Chlorhexidin in Zusammenhang gebracht werden, einer schweren Anaphylaxie voraus. Selbst über kleinste Epidermisverletzungen kann genug Chlorhexidin aufgenommen werden, um eine Allgemeinreaktion auszulösen. Bei diesen Reaktionen können spezifische IgE-Antikörper beteiligt sein. Als allergene Determinante wird das gesamte Bisbiguanid-Molekül angesehen. 

Die Zahl der anaphylaktischen Reaktionen ist in letzter Zeit deutlich zunehmend. In den vergangenen Jahren wurden insbesondere mehrere Fallberichte durch Chlorhexidin-beschichte zentrale Venenkathetern beschrieben, aber auch ein gelegentliches Auftreten von anaphylaktischen Reaktionen während lokaler und Allgemeinanästhesie sowie während chirurgischer Operationen wurde beobachtet. In einer Studie konnte so bei Patienten bei denen eine perioperative allergische Reaktionen vermutet wurde in 9,6 % der Fälle das Chlorhexidin als Auslöser identifiziert werden. Auch bei zahnärzlichen Behandlungen werden gelegentliche immunlogische Reaktionen (Typ I- und Typ IV-Allergien). Untersuchungen ergaben zudem, dass Patienten mit einer früheren Sensibilisierung auf Chlorhexidin und einer relativ leichten Kontaktdermatitis das Potential für schwere anaphylaktische Reaktionen besitzen. Zudem ist zumeist ein Schleimhautkontakt oder Kontakt mit offenen Wunden erfolderlich. Die Patienten erleiden häufig mehrere anaphylaktische Episoden bis das auslösende Allergen identifiziert wird.

Gemessen an dem weit verbreiteten Einsatz von Chlorhexidin treten allergische Typ IV-Reaktionen selten auf. im Tiermodell erwies sich Chlorhexidin nur als schwacher Sensibilisator. Jedoch liegen mittlerweile mehrere Beobachtungen über die kontaktallergene Wirkung von Chlorhexidin vor. Als Ursache wurden dabei z.B. Chlorhexidin-haltige Hygiene-Sprays, Präparate zur Hautdesinfektion, Reinigungsflüssigkeiten für Kontaktlinsen und Chlorhexidinhaltige Steroidcremes beschrieben. Generell bedarf es zur Sensibilisierung wiederholte und länger anhaltende Haut- bzw. Schleimhautkontakt; betroffen sind  daher insbsondere medizinisches Personal und Patienten mit Beingeschwüren oder atopischem Ekzem. Insgesamt liegt die äufigkeit von Spättypsensibilisierungen zwischen 0,47 und 5,4 %. In Skandinavien liegen die Zahlen erheblich höher als in Deutschland, wo nur sporadische Spättypsensibilisierungen aufflielen. Die in kosmetischen Produkten üblicherweise verwendenten Konzentrationen von 0,05-0,15 % (erlaubt sind max. 0,3 %) sind jedoch derartig niedrig, dass kontaktallergische Reakionen eher nicht zu erwarten sind. Auf Grund der weiten Verbreitung von Chlorhexidin als Desinfektionsmittel und Antiseptikum im Bereich der medizinischen Versorgung sind gelegentliche berufsbedingte kontaktallergische Reaktionen bei entsprechend exponierten Menschen zu erwarten. In einer Studie fanden sich so bei 2 % der getesteten Patienten (10 von 541) eine klinisch relevante Kontaktallergie auf Chlorhexidin.

Daneben können auch in seltenen Fällen eine Kontakturtikaria, Kontaktbalanitis nach Geschlechtsverkehr, ein fixes Arzneimittelexanthem und Photosensibilisierung der Haut durch Chlorhexidin auftreten.

Demgegenüber sind irritative Kontaktdermatitiden eine häufige Nebenwirkung der Substanz, seltener wurde über erosive Stomatitiden, braune Verfärbung der Zähne, Geschmacksstörungen und Taubheitsgefühle auf der Zunge berichtet. auch Reizerscheinungen am Auge und Trommelfell wurden beobachtet.

Allergologische Diagnostik

Typ I: Die Identifizierung spez. IgE bei der Diagnostik von Soforttypallergien besitzt eine hohe Spezifität und Sensitivität. Zudem ein Prick- oder Intrakutantest, ein Epikutantest und ggf. unter Notfallbereitschaft auch ein Expositiontest erfolgen. Der Pricktest mit Chlorhexidin gilt als das aussagekräftigste Testverfahren. Er sollte nur mit sehr geringer Testkonzentration (max. 0,05 % oder höchstens Konzentration im Originalpräparat) erfolgen. intrakutantests werden mit höchstens 0,0002 % vorgenommen. Auch die Histaminfreisetzung kann gemessen und die Serumtryptase kann bestimmt werden.

Typ IV: Epikutantestung mit Block Desinfektionsmittel; Testkonzentration 0,5 % in Wasser (SmartPractice).

Literatur: 6, 20 

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Antisepsis: Anaphylaktische Reaktionen unter Chlorhexidin .. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56009/Antisepsis-Anaphylaktische-Reaktionen-unter-Chlorhexidin









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