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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Chloracetamid

(14.4.2015)

Chloracetamid

Typ IV-Kontaktallergen 

Vorkommen und Beschreibung

2-Chloracetamid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Carbonsäureamide und organischen Chlorverbindungen. Es ist ein häufig eingesetztes Konservierungsmittel in Kosmetika aller Art (Pflegelotionen, Pflegecremes, Sonnenschutzmitteln, Haarpflegepräparaten, Haarfarben, Rasierschäumen, Deodoranzien usw.) und Medikamenten zur äußerlichen Anwendung (Cremes, Lotionen, Salben). Im technischen Bereich ist es zu finden in Farben, Leimen, Tapeten, einigen Glasfaserprodukten, Schuhpolituren sowie in der metallverarbeitenden Industrie, in Kühlschmiermitteln und  Schneideölemulsionen.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Chloroacetamide (INCI). Chem. Bezeichnung: 2-Chloracetamid. Funktion: Konservierungsstoff

Allergologie (Relevanz)

Im Tierversuch wurde wurde ein leichtes Reizpotential von Chloracetamid beobachtet. Verdünnte Lösungen bewirkten jedoch keine Reizungen. Ein sensibilisierendes Potential beim Menschen ist durch eine relativ hohe Inzidenz von Kontaktallergien, aber auch durch mehrere Tests der sensibilisierenden Potenz an hautgesunden Personen vielfach bewiesen. Auch im Tierversuch wurde das hautsensibilisierende Potential des Stoffes eindeutig bestätigt. Für den Menschen liegen zahlreiche Fallbeschreibungen über Chloracetamid-bedingte Kontaktallergien und Berichten zu positiven Epikutantesten an einer Reihe von Hautpatientengruppen vor.  In den Fallbeschreibungen ging es sehr oft um wohl meist wiederholte Kontakte mit industriellen oder Haushalt-Produkten, die Chloracetamid als Konservierungsmittel in Konzentrationen zwischen 0,001 und 0,2 % (selten höher) enthielten. Als Symptome wurden am häufigsten Hautentzündungen und Ekzeme, aber auch lediglich Rötung, Schwellung und Schuppung beschrieben. Die Häufigkeit des Auftretens einer Allergie gegenüber Chloracetamid in größeren Gruppen von Hautpatienten wurde zwischen 0,3 und 2,8 % beziffert. In mehreren Publikationen wird über positive Epikutan-Testreaktionen auf Chloracetamid berichtet. Von 11.630 getesteten Frauen reagierten 1 % und weniger als 1 % bei 6.389 getesteten Männern auf 0,2 % Chloracetamid nach einer Auswertung von IVDK-Daten der Jahre 1992-1995. Die Testung von 0,1 % Chloracetamid in Vaseline ergab bei 5 von 190 (2,6 %) in einer epidemiologischen Studie von beruflich exponierten Personen (Hausanstreicher) positive Testreaktionen, die als relevant beurteilt wurden. 5 von 64 Metallarbeitern (7,8 %) mit beruflich erworbenen Handekzemen reagierten positiv (Testkonzentration nicht angegeben). In einer Studie mit 1927 Patienten mit chronischen Ekzem fand sich eine Sensibilisrungsrate von 1,6 %. In einer weiteren Studie bei Patienten bei denen eine allergische Kontaktdermatitis vermutet wurde fanden sich Sensibilsierungen bei 1,5 % der getesteten Patienten (ges. 2295). Zahlreiche Einzelfallbeschreibungen wurden zudem publiziert: Ein Patient mit Cheilitis nach Gebrauch von Zahnpasta reagierte auf 0,2 % Chloracetamid, wobei anzumerken ist, dass Chloracetamid aufgrund seiner allergisierenden Wirkung nicht mehr als Konservierungsmittel in Zahnpasta eingesetzt wird. Positive Testreaktionen fanden sich bei Patienten nach Anwendung von Mückengel, Lippenherpes-Creme, Deodorant und Babylotion sowie auch im Rahmen einer Schuhallergie. Beschrieben wurden auch einzelne Fälle einer aerogenen Kontaktdermatitis, die durch Chloracetamid in Wandfarben ausgelöst wurden. Bei Malern sowie neuerlich auch bei Friseuren ist Chloracetamid zudem ein relevantes Allergen bei der Auslösung einer berufsbedingten allergischen Kontaktdermatitis.

Allergologische Diagnostik

Epikutantestung mit Block Industrielle Biozide, Kühlschmiermittel II, Konservierungsmittel; Testkonzentration: 0,2 % in Vaseline (SmartPractice)

Literatur: 6, 479 

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/lebensmittelkontrolle/l_09720060405de00010528.pdf?4e90vw

http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/020380.xml?f=templates$fn=default.htm$3.0

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