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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Bohne

(20.7.2015)

Bohne 

Typ I-Nahrungsmittelallergen

(potenzielles) Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Als Bohne bezeichnet man sowohl die Samen als auch die sie umgebende Hüse mitsamt den eingeschlossenen Samen (grüne Bohnen, Prinzessbohnen) und ebenfalls die gesamte solche Samen bildende Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Es gibt zahlreiche Gattungen und Arten von Pflanzen mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Eigenschaften und Verwendungszwecken, die alle als Bohnen bezeichnet werden. Die wichtigsten Bohnen in Mitteleuropa sind die Samen der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris), syn.: Grüne Bohne, Buschbohne, Stangenbohne. Infolge des Veränderungsprozesses der Bohne vor 7000 oder 8000 Jahren hauptsächlich im Hochland von Mexiko ist sie heute weltweit eine bedeutende Nutzpflanze für eine Reihe von Klimazonen und unterschiedlichen Nutzungen. Die Gartenbohne ist die heute in Europa und Nordamerika hauptsächlich verwendete Bohne. Dazu zählen zahlreiche Sorten in verschiedenen Farben wie weiße Bohne, rote Kidneybohne, Pintobohne, Wachtelbohne und Sorten, die als grüne Bohne, Wachsbohne etc. genutzt werden. Vorher wurde in Europa die Ackerbohne (Vicia faba) gegessen. Die noch nicht ausgereiften Hülsen der Gartenbohnen werden als Gemüse gegessen. Die reifen, trockenen Bohnen sind ein viel genutztes Grundnahrungsmittel, das sich leicht und lange lagern lässt. Die vergleichsweise billigen Bohnen decken als Grundnahrungsmittel in vielen Ländern einen Großteil der Eiweißversorgung der ärmeren Bevölkerungsschichten. Bohnen werden in vielen regionalen Varianten als Suppen- und Eintopfzutat verwendet, beispielsweise im Bohneneintopf, Minestrone oder in Baked Beans. Die Samen der Gartenbohne haben einen hohen Proteingehalt, eine Reihe von essentiellen Aminosäuren sowie größere Mengen Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen und verschiedene Vitamine.  Als Arznei-Droge dienen die Bohnenschalen, zu Mehl gemahlen werden die Samen als homöopathisches Heilmittel verwendet.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Phaseolus vuglaris extract (INCI). Extrakt aus den Samen der Gartenbohne. Funktion: absorbierend, viskositätsregelnd

Bean palmitate (INCI). Produkt das durch die Reaktionen von zerstoßenen Bohnen mit Palmitinsäurechlorid erzeugt wird. Kosmetische Funktion: hautpflegend

Allergologie (Relevanz)

Verglichen mit anderen Leguminosen, z.B. Sojabohne oder Erdnuss ist die Gartenbohne selten Ursache einer systemischen Nahrungsmittelallergie (ca. 3 % der Patienten bei 10 und 11). Nachgewiesene Sensibilisierungen sind zumeist ohne klinische Relevanz, jedoch wurden auch schwerere anaphylaktische Reaktionen beschrieben. Einzelfallberichte liegen über asthmatische Reaktionen durch Bearbeitung von Bohnen und durch Inhalation von Kochdämpfen (auch bei beruflichem Umgang) sowie die anaphylaktische Reaktion nach Genuss von Bohnensalat (u.a. Kloßgefühl im Hals, gen. Juckreiz) vor. Bei einem Kind wurde das Auftreten von Angioödemen ausgelöst durch Kochdämpfe von weißen Bohnen beobachtet. Die Aufnahme gekochter Bohnen bleibt jedoch reaktionslos. Positive Pricktests konnten bei einer Patientin nicht nur mit rohen grünen Bohnen, sondern auch mit Extrakten aus erhitzten (30 min, 75°), nicht jedoch aus gekochten Bohnen ausgelöst werden.

Allergene ist bisher nicht vollständig charakterisiert worden, wahrscheinlich sind diese sowohl hitzelabil als auch thermostabil. In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass es nur geringe Kreuzreaktivitäten innerhalb der Familie der Hülsenfrüchte gibt. Zudem wurde auch festgestellt, dass weiße und grüne Bohnen durch Kindern, die ansonsten allergisch auf Hülsenfrüchte reagieren toleriert. Kreuzreaktivität besteht zum Avocado-Allergen Prs a1, einer Klasse I-Chitinase, das dem entsprechenden Allergen der grünen Bohne sehr ähnlich ist. Auch ein Lipid-Transfer-Protein, mit Ähnlichkeiten zum Pru p3 des Pfirsich, wurde mittlerweile beobachtet.

Kontaktallergische Reaktionen auf grüne Bohnen sind allenfalls in äußerst selten beschrieben, bei der Auslösung einer Proteinkontaktdermatitis spielen Bohnen im Vergleich zu anderen pflanzlischen Nahrungsmitteln nur eine untergeordnete Rolle. Eine berufsbedingte Kontaktdermatitis mit Handekzem auf die Blätter der Bohnenpflanze wurde beobachtet.

Der Verzehr von Bohnen kann zu einer stark vermehrten Gasbildung im Dickarm und dadurch zu Blähungen führen. Der Grund hierfür ist, dass bestimmte in Bohnen enthaltene Dreifachzucker, z.B. Raffinose, die nicht vom Menschen verdaut werden können, durch Darmbakterien unter Absonderung von Faulgasen metabolisiert werden. Rohe Bohnen enthalten Phaseoin, einen Giftstoff, der bei Aufnahme Übelkeit und Erbrechen hervorrufen kann, vor Verzehr ist zumindest ein kurzes Abkochen erforderlich. Zudem wurde mittlerweile bekannt, dass das Phaseolin auch bei der Auslösung von allergischen Reaktionen eine Rolle spielt.

Allergologische Diagnostik

Prick und i.c. mit Nativmaterial, Bestimmung des spez. IgE z.B. mittes ImmunoCAP, ggf. orale Provokationstestung. Epikutantest mit Pflanzenmaterial.

Literatur: 1, 2, 3, 96

Kumar et al: Phaseolin: a 47.5kDa protein of red kidney bean (Phaseolus vulgaris L.) plays a pivotal role in hypersensitivity induction. Int Immunopharmacol 19, 178-190 (2014)

Pastorello et al: Green bean (Phaseolus vulgaris): a new source of IgE-binding lipid transfer protein. J Agric Food Chem 58, 4513-4516 (2010)

Martínez et al: Angioedema induced by inhalation of vapours from cooked white bean in a child. Allergol Immunopatho (Madr) 33, 228-230 (2005)

Igea et al: Green bean hypersensitivity: an occupational allergy in a homemaker. J Allergy Clin Immunol 94, 33-35 (1994)

Spiewak et al: Occupational contact dermatitis to Phaseolus vulgaris in a farmer - a case report. Ann Agric Environ Med 7, 55-59 (2000)

http://www.phadia.com/en/Products/Allergy-testing-products/ImmunoCAP-Allergen-Information/Food-of-Plant-Origin/Legumes/Green-bean-/

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