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Suchbegriffe zu diesem Artikel: Birke

(23.2.2015)

Birke 

Inhalatives Typ I-Soforttypallergen

Typ IV-Kontaktallergen

Vorkommen und Beschreibung

Die Birken (Betula) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Die bis zu 100 Birken-Arten kommen auf weiten Teilen der Nordhalbkugel, in Europa, in Nordamerika (besonders an deren Ostküsten) und in Asien vor. Die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Art ist die Hänge-Birke (Betula pendula, syn. Betula alba), syn.: Sandbirke, Weißbirke, wo sie auch die wichtigste Pionierbaumart darstellt, die als erste Brach-, Trümmer- und Kahlflächen besiedelt. Die Blütezeit ist von April bis Mai (sog. Mittelblüher). Seltenere Arten sind die Moorbirke (B. pubescens), Strauchbirke (B. humilis). Die Heimat von Betula platyphyilla ist Sibirien bis Japan und Alaska bis Kanada. Die Blätter der meisten Birkenarten enthalten nennenswerte Mengen an Falvonoiden, Saponinen, Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Vtamin C und können auch gegessen werden. Die Rinde enthält Phytosterine sowie Terpene wie Betulin, Betulinsäure und Lupeol; der Rindensaft u.a. Invertzucker, so dass dieser auch zu Alkohol vergoren werden kann. In Mitteleuropa wurde vor allem die heimische Hänge-Birke bereits historisch in der Pflanzenheilkunde genutzt; verwendet werden die Blätter, die Blattknospen und der Birkensaft (durch Anzapfen gewonnen). Auch werden die Bestandteile der Birke in der Kosmetikindustrie eingesetzt. Die Birke ist zudem ein weit verbreiteter Zierbaum, den es in zahlreichen Gartenformen gibt.

Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff

Betula alba bark extract (INCI). Extrakt der Rinde der Birke. Kosmetische Funktion: kräftigend, adstringierend, lindernd, reinigend

Betula alba extract (INCI). Extrakt der Blätter und Rinde der Birke. Kosmetische Funktion: kräftigend, adstringierend, lindernd, reinigend

Betula alba leaf extract (INCI). Extrakt der Blätter der Birke. Kosmetische Funktion: kräftigend, adstringierend, lindern, reinigend

Betula alba oil (INCI). Aus den Blättern der Birke gewonnenes ätherisches Öl. Kosmetische Funktion: maskierend

Betula alba SAP (INCI). Saft der Birke. Kosmetische Funktion: hautschützend

Betula platyphylla japonica extract (INCI). Extrakt der Rinde von Betula platyphylla japonica. Kosmetische Funktion: hautpflegend

Allergologie (Relevanz) 

Birkenpollen sind die bedeutensten und aggressivsten Baumpollenallergene. Hauptallergen Bet v1 (MG 17.000), Bet v2 (MG 14.000). Sehr häufiges Auftreten von inhalativen Typ I-Allergien – 19 - 25 % der Pollinotiker in Mitteleuropa sind gegenüber Birkenpollen sensibilisiert. Kreuzreaktionen durch Bet v1 und Bet v2, zu denen aber noch weitere kommen, erklären die relative häufigen Kreuzreaktionen bei Birkenpollenallergikern (50 - 93 %), die in nicht seltenen Fällen auch klinisch relevant sind. 

Bei Bet v2 handelt es sich um ein Birkenpollenprofilin, etwa 20 % der Birkenpollenallergiker haben Antikörper gegen Profilin. 

Das Major-Allergen Bet v1 spielt eine wichtige Rolle für Kreuzreaktionen. Bei Bet v1 handelt es sich um ein sogenanntes Pflanzen-Abwehr-Protein (pathogenesis related; PR-Antigen). Aus taxonomischen Gründen finden sich dabei kreuzreagierende Allergenen innerhalb der Ordnung der Fagales, so z.B. in den Pollen der Weißbuche (Car b1), der Haselnuss (Cor a1), der Erle (Aln g1), der Eiche (Que a1) und der Kastanie (Cas a1). 

Patienten mit einer nachgewiesenen Sensibilisierung gegen Birkenpollen sind in erhöhtem Maße gefährdet, gleichzeitig eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie zu entwickeln. Dabei scheint der Sensibilisierungsgrad gegen Birkenpollen maßgeblich für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie zu sein. Je höher der Sensibilisierungsgrad gegen Birkenpollen, desto höher die Koinzidenz. 

Klinisch manifestiert sich diese pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie als orales Allergiesyndrom. Auftreten kann eine auch Nahrungsmittelallergien auf Frühjahrshonig (siehe auch unter "Honig"). Kreuzreagierende Strukturen bestehen zu Latex (Hevein-Präprotein) 

Antigengemeinschaften von Birken-, Erlen-, Haselpollen (Betulacae) 

Nahrungsmittelgruppe 

Deutscher Name 

Botanische 

Bezeichnung 

Pflanzenfamilie 

Nüsse 

Haselnuss 

Mandel 

Paranuss 

Walnuss 

Corylus avellana 

Prunus dulcus 

Bertholletia excelsa 

Juglans regia 

Betulaceae 

Rosaceae 

Lecythidaceae 

Juglandaceae 

Kernobst 

Apfel 

Birne 

Malus domestica 

Pyrus communis 

Rosaceae 

Rosaceae 

Steinobst 

Pfirsich 

Kirsche 

Pflaume 

Aprikose 

Prunus persica 

Prunus avium 

Prunus domestica 

Prunus armeniaca 

Rosaceae 

Rosaceae 

Rosaceae 

Rosaceae 

Gemüse 

Kartoffel 

Sellerie 

Karotte 

Solanum tuberosum 

Apium graveolens 

Daucus carota 

Solanacae 

Umbelliferae 

Umbelliferae 

Exotische Früchte 

Kiwi 

Actinidia chinensis 

Actinidiacae 


Kontaktallergische  (Rinden-Extrakt) sowie kontakturtikarielle Reaktionen (Blätter, Saft) sind in wenigen Einzelfällen beschrieben. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich ein atopisches Ekzem während der Zeit des Birkenpollen-Fluges verschlechtert.

Allergologische Diagnostik 

Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.), ggf. nasale Provokation (Al.) 

Therapie 

Ggf. Hyposensibilisierung (Al.) 

Literatur: 3, 89, 90

Meyer Hoffert et al: Allergic contact dermatitis caused by betulin-containing triterpene extract from the outer bark of birch (Betula alba). Contact Dermatitis 68, 382-383 (2013)

Lahti et al: Immediate contact allergy to birch leaves and sap. Contact Dermatitis 464-465 (1980)

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