Benzalkoniumchlorid
Typ IV-Kontaktallergen
Sensibilisierungshäufigkeit: in der Allgemeinbevölkerung selten, in medizinischen Berufen und bei ophthalmologischen Patienten gelegentlich, Sensibilisierungspotenz: schwach
Verwendung
Benzalkonium ist ein Biozid, das vor allem als Desinfektionsmittel im medizinischen Bereich eingesetzt wird. Weiterhin ist die Substanz ein häufig verwendeter Konservierungsstoff. Einsatzbereiche sind u.a. medizinische Zubereitungen, z.B.:
- Augentropfen, Augensalben
- Nasensprays, Nasentropfen
- Halstabletten, Gurgellösungen
Kosmetische Mittel wie z.B.
- Zahnpasten, Mundwässer
- Deodoranzien
- Haarwaschmittel
Weiterhin
- Reinigungsflüssigkeiten für Kontaktlinsen
- Algizid in Schwimmbändern
Technisch
- in der Farbstoffsynthese
- Metallurgie
- Landwirtschaft
- Textilverarbeitung
Allergologie (Relevanz)
Die Testung an größeren Patientenkollektiven ergab zwar eine Sensibilisierungsrate von 0,75 bis 5,5 %. Bei den hohen Quoten positiver Testreaktionen in etlichen epidemiologischen Studien muss jedoch ein nicht unwesentlicher Anteil mit nicht allergischer Genese in Rechnung gestellt werden. Ein hoher Anteil der Reaktionen selbst auf 0,1 %-Testkonzentration ist wahrscheinlich irritativer und nicht allergischer Genese.
Benzalkoniumchlorid löst daher in äußerst seltenen Fällen, außer im Auge, eine Typ IV-Sensibilisierung aus. Eindeutig nachgewiesene Kontaktallergien, außer durch ophthalmologische Produkte, wurden allenfalls in Einzelfällen beschrieben.
Allergische Typ I-Reaktionen auf Muskelrelaxantien (bei sicher fehlender vorheriger Exposition) werden mit dem Mechanismus der Kreuzreaktion nach vorheriger Sensibilisierung gegen quaternäre Ammoniumverbindungen wie Benzalkoniumchlorid oder Cetrimid (Cetyltrimethylammoniumbromid) erklärt, die als Konservierungsmittel in Kosmetika oder als Desinfektionsmittel eingesetzt werden.
Epikutantestung
Block Hermal Desinfektionsmittel, AEK Augenexterna/-kosmetika; Testkonzentration: 0,1 % in Vaseline.
Benzalkoniumchlorid hat hautreizende Eigenschaften und kann somit bei der Epikutantestung falsch positive Hautreaktionen auslösen. Die klinische Relevanz kann daher oft nur nach einem Anwendungstest adäquat eingeordnet werden.
Literatur: 4, 6, 20, 73
Basketter et al: Strong irritants masquerading as skin allergens: the case of benzalkonium chloride. Contact Dermatitis 50, 213-217 (2004)