Beifuß
Inhalatives Typ I-Soforttypallergen
Syn.: Gewöhnlicher, gemeiner Beifuß, Pfefferkraut, Gewürz-Beifuß, Fliegenkraut; Artemisia vulgaris; Fam.: Asteraceae/Korbblütler/Compositae
Verwandte Arten: Artemisia absinthium, Wermut (siehe dort)
Artemisia dracunculus, Estragon
Artemisia maritima, Strandbeifuß
Vorkommen
Beifuß ist einer der am weitesten verbreiteten Wildkräuter Europas und wird als Gemüse-, Heil und Gewürzpflanze eingesetzt. Der Beifuß ist eine hochwüchsige Pflanze (60 - 120 cm) mit bräunlichen Blüten, die an Wegrändern und zwischen Schutt auf unbebautem Gelände vorkommt. Blütezeit Juli bis September.
Allergologie (Relevanz)
Beim Beifuß handelt es sich um eines der wichtigsten Inhalationsallergene, die Beifußpollenallergie ist die wichtigste Kräuterpollenallergie. Beifußpollen besitzen eine mittelstarke allergene Potenz (13 Pollen/m3 reichen aus um zu einer klinische Symptomatik zu führen). Der Beifuß gehört zu den windbestäubenden Kompositen, die häufiger zu einer Sensibilisierung führen als die insektenbestäubenden Korbblüter, die nur bei starker, direkter Exposition gefährden. Im Vergleich mit Gräser- und Baumpollen ist der Beifuß das drittwichtigste Pollinosis-auslösende Allergen (Juli bis September). Ferner gelten die Beifußpollen als Leitallergen für nutritive Allergien gegenüber Gewürzen.
Insgesamt sind 16 % der Beifußpollen-Sensibilisierten von einer Nahrungsmittelallergie begleitet.
Ein Faktor für die Symptomentstehung einer Nahrungsmittelallergie ist der Stärkegrad der Sensibilisierung auf Beifußpollen, die Bestimmung des pollenspezifischen IgE kann somit einen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko einer klinischen Manifestation der Sensibilisierung darstellen, hohe RAST-Werte sind häufig mit einer Nahrungsmittel-Symptomatik assoziiert (hohe Spezifität). Der Hauttest mit Pollen oder Nahrungsmitteln erweist sich jedoch als sensitiver als der Nachweis spezifischer IgE. Die Pollensensibilisierung kann zudem bezüglich einer Rhinokonjunktivitis subklinisch bleiben, sich aber isoliert als Nahrungsmittelallergie in Folge bestehender Kreuzreaktionen zwischen Pollen- und Nahrungsmittelallergenen äußern. Dies ist relativ häufig beim Beifuß-Sellerie-Gewürz-Syndrom der Fall, da fast 50 % der Patienten mit Sellerieallergie keine Symptome einer Beifuß-Pollinose zeigen.
Im Gegensatz zur Birkenpollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie, bei der eine orale Symptomatik dominiert, ist die Symptomatik bei der Beifußpollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie variabler und hauptsächlich durch Hautsymptome dominiert. Jedoch finden sich auch relativ häufig schwerwiegende anaphylaktische Reaktionen.
Hauptallergene: Art v1 (47.000), Art v2 (20.000/35.000), Art v3 (30.000-35.000).
Kreuzreaktionen mit Beifußpollen
Verantwortlich sind noch nicht näher identifizierte thermostabile Allergene, unter denen das Major-Allergen von Beifußpollen (Art v1) auch eine Rolle spielt. In Kreuzreaktionen sind einbezogen
- Doldenblütler (Umbelliferae) wie Sellerie (in 50 - 60 %), Anis, Curry, Dill, Fenchel, Karotte, Koriander, Kümmel, Liebstöckel; diese Korrelation ist unter dem Begriff ”Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom” bekannt.
- Korbblüter (Asteraceae) wie Artischocke, Estragon, Kamille, Wermut, Traubenkraut, Löwenzahn, Sonnenblume, Gänseblümchen, Margerite, Chrysantheme
- Nachtschattengewächse (Solanaceae), z.B.: Kartoffel, Paprika und Tomate
- Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), z.B. Gurke und Melone
- Pfeffergewächse (Piperacae), wie grüner und schwarzer Pfeffer
Auch kann eine Assoziation zu einer Mangofrucht-Allergie (Fad: Anacardiaceae) beobachtet werden.
Diagnostik
Prick, i.c. (Al.), RAST (Ph.), ggf. nasale Provokation (Al.)
Therapie:
ggf. Hyposensibilisierung (Al.)
Typ IV-Reaktion
Allergologie (Relevanz)
Beifuß ist sehr selten Auslöser einer Kontaktallergie (Einzelfälle).
Literatur: 3, 72