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Suchbegriffe zu diesem Artikel: GM, CSF

Angioödeme 

Definition

Das Angioödem, auch bekannt als Quincke-Ödem und der älteren Bezeichnung angioneurotisches Ödem ist eine akute ödematöse Schwellung tieferer Hautschichten. Akute Angioödeme der Kopf-Hals-Region können durch Verlegung der oberen Atemwege zu einem lebensbedrohlichen Notfall führen.Für eine rasche und wirksame Therapie ist es notwendig, histaminvermittelte von nichthistaminvermittelten Angioödemen zu unterscheiden und die nichthistaminvermittelten weiter zu differenzieren. Histaminvermittelte (allergische) Ödeme der oberen Atemschluckstraße sind sehr selten, oberflächliche Schwellung wie diese bei einer Urtikaria auftreten können sind dagegen häufiger zu beobachten.

Differentialdiagnose

In der Praxis und als Differentialdiagnose muss das "tiefe und damit auch lebensbedrohliche" Angioödem von der Urtikaria, die auch z.B. an der Zunge eine oberflächliche Schwellung verursachen kann, durch die Beteiligung tieferer Gewebe sowie auch der Darmwand unterschieden werden. Von der ödematösen Schwellung einer Kontaktdermatitis unterscheidet sich das Angioödem bzw. die oberflächliche Schwellung einer Urtikaria durch den zumeist fehlenden Juckreiz, der bei einer Ekzemreaktion dagegen stark ausgesprägt sein kann. Ebenfalls differentialdiagnostisch abgegrenzt werden muss ein pollenassoziiertes orales Allergiesyndrom, das ebenfalls Schwellungen im Mund-Rachen-Bereich verursachen kann, bei denen jedoch in den aller-meisten Fällen eine lebensbedrohliche Situation ausgeschlossen werden kann.

Pathogenese

Im klinischen Alltag ist die Unterscheidung von Angioödemen gegenüber allergischen, entzündlichen und neoplastischen Ursachen notwendig. Grundlegend unterschiedlich zu anderen Körperregionen kommen allergisch bedingte Angioödeme bei Erwachsenen in der Kopf-Hals-Region mit nur 1% der Fälle sehr selten vor. Demnach stellen nichthistaminvermittelte Ödeme entsprechend 99 % aller akuten Ödeme der oberen Atemschluckstraße dar. Bei den nicht allergischen akuten Ödemen der oberen Atemschluckstraße handelt sich größtenteils (knapp 79%) um lokal infektiös-entzündlich bedingte Begleitödeme, die gegenüber den zweithäufigsten Ödemen, den Bradykinininduzierten Angioödemen mit 8%, differentialdiagnostisch abgegrenzt werden müssen. Hier unterscheidet man zwischen Erkrankungen mit einer gesteigerten Bradykininbildung, wie die hereditären Angioödeme (HAE) und erworbene Angioödeme (acquired angioedema, AAE) sowie Erkrankungen mit einem verminderten Abbau des Bradykinins. Nahezu alle Bradykinin-induzierten Angioödeme der Kopf-Hals-Region entwickeln sich als Nebenwirkung unter der Einnahme der Substanzklasse der ACE-Hemmer, wobei der Abbau des Bradykinins u.a. durch ACE-Hemmer blockiert wird. 

Häufigste medikamentöse Auslöser 

  • Acetylsalicylsäure 
  • ACE-Hemmer wie Captopril, Enalapril, Lisinopril, Quinalapril, Benazepril, Perindopril, Ramipril, Fosinopril, Cilazapril, Trandolapril 
  • weitere Analgetika/Antiphlogistika wie Pyrazolonderivate, Indometacin, Naproxen, Ibuprofen, Fenoprofen 

Relativ häufige Auslöser 

  • Penicilline (u.a. Ampicillin, Amoxicillin) 
  • jodhaltige Röntgenkontrastmittel 

Seltene Auslöser 

  • Acetylcystein 
  • Allopurinol 
  • Amonafide 
  • Asparaginase 
  • Barbiturate 
  • Cephalosporine 
  • Chinin 
  • Clonidin 
  • Droperidol 
  • Erythropoetin 
  • Fluoxetin 
  • Furosemid 
  • GM-CSF 
  • Impfstoffe (z.B. Masern, Tollwut) 
  • Insulin 
  • Ketoconazol, Miconazol 
  • Ketoraolac 
  • Lamivudin 
  • Methotrexat 
  • Metoprolol 
  • Midazolam 
  • Mesna 
  • Nitrofurantoin 
  • Omeprazol 
  • D
  • Paroxetin 
  • D-Penicillamin 
  • Pirenzepin 
  • Protaminsulfat 
  • Psychopharmaka (einige; Droperidol) 
  • rekombinanter Gewebsplasminogenaktivator 
  • rekombinantes humanes Interleukin-4 
  • Streptomycin 
  • Sulfasalazin 
  • Sulfonamide 
  • Sumatriptan 
  • Thiouracilderivate 
  • Vancomycin 
  • Wismut 
  • Zalcitabin = Dideoxycytidine

Therapie

Antihistaminka und Kortikoide können bei histaminvermittelten Angioödemen eingesetzt werden, für schwerwiegende Reaktionen steht Adrenalin zur Verfügung. Während die entzündlich bedingten Ödeme nicht selten eine chirurgische Intervention (Abszesspaltung) notwendig machen, wurden bislang die ACE-Hemmer induzierten Angioödeme trotz der Kenntnis, dass es sich hierbei nicht um eine allergische Reaktion handelt, irrtümlicherweise oder mangels Alternativen mit Antihistaminika und Kortikosteroide behandelt. Für hereditäre Angioödeme (HAE) stehen neben dem C1-Inhibitorkonzentraten seit einigen Jahren auch der Bradykinin-B2-Rezeptorblocker Icatibant zur Verfügung. Erste Behandlungsergebnisse mit Icatibant (Firazyr) und dem C1-Inhibitorkonzentrat (Berinert) bei ACE-Hemmer induzierten Angioödemen zeigen erfolgversprechende neue Behandlungsmöglichkeiten.

Literatur: 18

Bas et al: Angioödeme des Kopf-Hals-Bereiches. Allergo J 2/2013

Bas: Das Angioödem als Notfall der Kopf-Hals-Region. Allergologie 36, 100-107 (2013)

http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/FortbildungstelegrammPharmazie/Fortbildungsartikel/Angiooedem_fuer_FORTE_PHARM2008.pdf


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