Suchbegriffe zu diesem Artikel: Auslöser, pseudoallergische, Reaktionen

Alkohol 

Siehe unter “Bier” und “ Wein” 

Allergologie (Relevanz)

Eine echte Ethanolallergie ist umstritten. In Einzelfällen wurde der Metabolit Essigsäure (Abbauprodukt von Ethanol) als Allergen angeschuldigt.  Anaphylaktische Reaktionen nach Alkoholgenuss sind äußerst selten beschrieben. 

Hinter allergischen Reaktionen nach Genus alkoholischer Getränke verbergen sich jedoch in der Regel andere Mechanismen: 

  • eine Sensibilisierung durch andere Bestandteile der alkoholischen Getränke (Geschmacksstoffe, Getreide- oder Obstallergen), insbesondere gilt dies für Wein, Bier, Likör u.a. 
  • die Resorptionsförderung für andere Allergene, die zusammen mit dem Alkohol aufgenommen wurden. Dadurch kann eine normalerweise unterschwellige Dosis zu klinischen Erscheinungen, u.U. auch zur Erstmanifestation führen, mit der Gefahr entsprechender Fehldeutung 
  • pseudoallergische Reaktionen (Sulfitintoleranz durch Metabisulfit im Wein, Histamin-Intoleranz  - siehe unter “biogene Amine”) 
  • Verstärkung vasomotorischer Reaktionen durch den Alkohol selbst 

Alkoholintoleranzsyndrome sind meistens auf metabolischer Ebene zu erklären, sei es durch einen genetischen Defekt oder einen pharmakologischen Enzymmangel oder aber durch Systemerkrankungen. Die Existenz immunologisch mediierter Alkoholintoleranzreaktionen ist nicht gesicht, ist aber in seltenen Fällen warhscheinlich, insbesondere bei urtikariellen und/oder anaphylaktischen Reaktionen.

Vereinzelt führt Alkoholgenuss zu asthmatischen Beschwerden. Meist werden Zusatzstoffe der alkoholischen Getränke ursächlich verantwortlich gemacht, obwohl von einigen Autoren auch eine echte Äthanol-Allergie vermutet wird; auch pseudoallergische Mechanismen werden angenommen. 

In Asien ist das Problem ungleich größer. Etwa die Hälfte der Asthmatiker in Japan geben Asthmaexazerbationen nach Alkoholgenuss an. Hier konnten Veränderungen im Acetaldhyd-Metabolismus und genetische Ursachen im Rahmen des Polymorphismus der Acetaldehyd-Dehydrogenase 2 gefunden werden; diese Ergebnisse weisen auf ein pseudoallergische Ursache als Auslöser von asthmatischen Reaktionen nach Genuss alkoholischer Getränke hin. 

Auch in der deutschen Literatur wird auf unterschiedliche Mechanismen der Alkoholintoleranz bei Asthma bronchiale Patienten hingewiesen. Bei einem Teil der Patienten konnte durch Provokationstestungen festgestellt werden, dass Äthanol per se eine Bronchokonstriktion auslöst. Diese Art der Intoleranz tritt wohl bevorzugt bei Analgetika-Asthma-Patienten auf. Bei anderen Patienten konnte im oralen Expositionstest eine Intoleranz gegenüber dem Additivum Natriummetabisulfit festgestellt werden. 

Beim sogenannten Analgetika-Asthma-Syndrom (eine Kombination non nicht-allergischem Asthma, Nasenpolypen und Acetylsalicylsäure-Intoleranz = Samter-Syndrom) ist eine Alkoholintoleranz recht charakteristisch. Die Patienten klagen über vermehrte Atembeschwerden und verstopfte Nase nach Alkoholgenuss. Man nimmt an , dass Alkohol die Blutgefäße in den erkrankten Schleimhäuten der oberen und unteren Atemwege erweitert und es somit zu Schleimhautschwellungen kommen. Dadurch werden die Symptome Engegefühl und verstopfte Nase ausgelöst.

Beschrieben ist der Fallbericht eines Patienten, der nach Genuss von alkoholhaltigen Getränken mit einer Urtikaria und leichten anaphylaktoiden Reaktionen reagierte. Ein immunologischer Pathomechanismus bei positivem oralem Provokationstest mit reinem Ethanol (20 %) wurde dabei angenommen. Ungewöhnlich in diesem Fall war jedoch ein positiver Pricktest für Essigsäure (5 %) sowie auch für Acetaldehyd (50 und 100 %). Acetaldehyd gilt als Hapten für die Vermittlung einer immunologisch bedingten Alkoholintoleranzreaktion, ein positiver Pricktest würde nur bei Bildung eines kompletten Neoantigens erwartet.

Daneben können auch Kontaktekzeme nach lokaler Ethanol-Anwendung in sehr seltenen Fällen auftreten. Ein Fall einer späteren Komplikation mit einem generaliserten Exanthem, bei verzögerter allergischer Reaktion auf Alkohol,  wurde dabei zudem beobachtet. 

Literatur: 35 

Kanny et al: Food allergy to alcohol. Allergy 58, 535 (2003)

Schwarzenbach-Stöckli, Bircher: Alkoholintoleranz bei Überempfindlichkeit gegenüber Acetaldehyd und Essigsäure. Allergologie 30, 139-141 (2007)

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